#BundesligaTeamwork: Die Gründungsgeschichte der Bundesliga

25. März 2020 in tipico Bundesliga

#BundesligaTeamwork: Die Gründungsgeschichte der Bundesliga

Wenn in Zeiten wie diesen leider gerade keine neuen Erfolgsgeschichten geschrieben werden können, bietet sich ein Blick ins Archiv auf Ereignisse vergangener Tage an. Grund genug, die Gründungsgeschichte der Bundesliga noch einmal näher zu beleuchten.

Die wilden Siebziger

Schlechte Leistungen des Nationalteams, wirtschaftliche Probleme der Klubs und die in Österreich grassierende Maul- und Klauenseuche waren die Geburtshelfer der Bundesliga. Mit ihrer Gründung im Jahr 1974 brach eine neue Zeitrechnung im heimischen Fußball an, die bis nach Argentinien und ins Europacupfinale führen sollte. Ein Streifzug durch die turbulente Anfangszeit der Bundesliga.
 
Text: Mathias Slezak
 
Im Frühjahr 1973 wurde Besuchern an Ortseinfahrten in ganz Österreich der Teppich ausgerollt. Allerdings nicht der rote, sondern ein Seuchenteppich, der die Autoreifen desinfizieren und die weitere Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche verhindern sollte. Die Krankheit, die insbesondere für Paarhufer wie Rinder oder Schweine gefährlich ist, hielt ab Jänner ganz Österreich in Atem. Mehr als 80.000 Tiere mussten notgeschlachtet werden. Der Ausbruch hatte auch auf die heimische Fußballmeisterschaft Auswirkungen und wurde zu einem Mosaikstein, der zur Gründung der Bundesliga im Jahr beigetragen hat.
 

STURMS KLASSENERHALT AM GRÜNEN TISCH

Nach Platz 7 in der Vorsaison befindet sich der SK Sturm Durisol Graz im Frühjahr 1973 in akuter Abstiegsgefahr. In der höchsten Spielklasse, „Nationalliga“ genannt, spielen damals 16 Teams, die drei Letztplatzierten steigen ab. Nachdem sie auf Rang 14 überwintert haben, kämpfen die Grazer unter Trainer-Sir Karl Schlechta im Frühjahr um den Klassenerhalt, als die Maul- und Klauenseuche in Österreich ausbricht. Besonders stark verbreitet ist sie im Osten Österreichs, was sogar dazu führt, dass Eisenstadt und die Admira einige Spiele absagen müssen. Der Terminplan gerät durcheinander, einige Spiele sollen erst nach der letzten Runde nachgetragen werden.
 
Nach dieser letzten Runde ist Sturm noch gerettet und steht vor der Vienna und Eisenstadt auf einem Nichtabstiegsplatz. Diese beiden Teams haben nach den Seuchen-bedingten Verschiebungen allerdings noch je ein Nachtragsspiel zu absolvieren - Eisenstadt gegen den SK Rapid, der fix auf Platz 2 liegt, die Vienna tritt bei der Admira an, die ihre UEFA-Cup-Teilnahme sicher hat. Für die Gegner geht es um nichts mehr und so können Eisenstadt und die Vienna noch am SK Sturm vorbeiziehen, der damit in die damals zweitklassige Regionalliga absteigen müsste. Sturm-Präsident Hans Gert ist erbost: „Ein irreguläres Meisterschaftsfinish!“ Die Grazer legen Protest beim ÖFB ein. Bei der entscheidenden Abstimmung des Bundesvorstandes, eine Art erweitertes ÖFB-Präsidium, am 13. Juli 1973 wird mit 8:6 zugunsten der Steirer entschieden. Sie dürfen in der Nationalliga bleiben, die für die Saison 1973/74 auf 17 Teams aufgestockt wird.

INTERNATIONALE ENTTÄUSCHUNGEN

Die Teilnehmerzahl der Nationalliga schwankte schon in den Jahren zuvor zwischen 14 und 16 Teams, seit 1967 hat kein Format länger als zwei Jahre durchgehalten. Gerüchte um finanzielle Schwierigkeiten der Klubs machen die Runde. Die Nationalliga wirkt geschwächt. Das internationale Auftreten der Klubs in der Saison 1973/74 trägt auch nicht dazu bei, die Kritiker verstummen zu lassen, keiner der vier österreichischen Europacup-Vertreter schafft es über die 2. Runde hinaus. Den letzten Anstoß für die Reformbewegung gibt das österreichische Nationalteam, das sich im Herbst innerhalb von nur zwei Monaten zunächst 0:7 gegen England, dann 0:4 gegen Deutschland und schließlich auch mit 1:2 gegen Schweden im Entscheidungsspiel um die WM-Qualifikation für die Endrunde 1974 geschlagen geben muss.
 
Gerhard Zimmer, langjähriger Sportchef der „Presse“ und ORF-Kommentator schreibt im „Sportjahrbuch“: „Das bittere Los der verpassten WM-Qualifikation lieferte die Voraussetzungen für einen entscheidenden Richtungswechsel.“
16 Jahre sind seit der letzten WM-Teilnahme des Nationalteams vergangen, die österreichische Fußballseele lechzt nach einer erfolgreichen Qualifikation. „Es brach eine große Diskussion aus, was der österreichische Fußball machen muss, damit man endlich wieder zu einer Weltmeisterschaft kommt“, erinnert sich der langjährige ORF-Kommentator Hans Huber, der zu dieser Zeit noch für „Die Presse“ tätig war.

DIE TOP-KLUBS ALS REFORMTREIBER

Die Top-Klubs der Nationalliga drängen auf eine Reform. Die Wiener Austria unter dem legendären Joschi Walter, der bereits 1964 als Bundeskapitän ein Zehn-Punkte-Programm zur Reformierung des österreichischen Fußballs vorgelegt hatte und am Widerstand der Landesverbände gescheitert war, befürwortet eine Reform ebenso wie der SK Rapid, die Admira und Wacker Innsbruck. Die vier Klubs drohen sogar damit, bei einem Scheitern der Bemühungen künftig keine Spieler mehr für das Nationalteam abzustellen.
Während VÖEST Linz unter Trainer Helmut Senekowitsch auf dem Weg zum Meistertitel ist, rollen parallel zur laufenden Meisterschaft 1973/74 die Reformbewegungen an. Neben Joschi Walter sind Admira-Geschäftsführer Rudolf Matuschka, der niederösterreichische Verbandspräsident Karl Beck und der spätere Bundesliga-Präsident Hans Reitinger die treibenden Kräfte der Reform.
 
Eine Zehnerliga soll es richten - ein eher unbekanntes Format, das damals nur auf Island und Malta im Einsatz ist. 1975 sollte es schließlich auch in Schottland eingeführt werden. Die höhere sportliche Dichte, vier Spiele mehr pro Klub und mehr direkte Duelle zwischen den Top-Teams sind mit den damit verbundenen Einnahmemöglichkeiten die gewichtigsten Argumente für das neue Format, das sogar „kaiserlichen“ Zuspruch findet. „Das Leistungsgefälle zwischen den Spitzenmannschaften und den Letzten ist zu groß, deshalb ist es, glaube ich, richtig, dass man die Leistungsspitze etwas verdichtet“ sagt Bayern-Libero Franz Beckenbauer in einem Interview 1974.
 
Die Diskussion über die Reform wird öffentlich geführt - unter anderem mit einer Gesprächsrunde im ORF. Bei der geht es heiß her, erinnert sich Hans Huber: „Hans Reitinger hat dort seinen Standpunkt vertreten und Robert Dienst, der damals Trainer beim Zweitligisten Stockerau war, hat dann alle schrecklich beschimpft, sie seien die Mörder des Fußballs.“

10 AUS 17

Knackpunkt für die emotionalen Auseinandersetzungen ist insbesondere die Zusammensetzung der „Bundesliga“, wie sie in Anlehnung an das deutsche Pendant genannt werden soll. Sie muss von 17 Klubs auf zehn reduziert werden - und das erfordert Opfer. Eine regionale Gewichtung soll die Lösung bringen. Jedes Bundesland erhält einen Startplatz, Wien für Austria und Rapid zwei. Ein Sonderfall ist Oberösterreich: VÖEST Linz bekommt als Meister den Vorzug gegenüber dem Stadtrivalen LASK und hat seinen Startplatz fix, die Schwarz-Weißen dürfen in einer Relegation gegen die Regionalliga-Meister aus Ost, Mitte und West um ihre Startberechtigung in der Bundesliga kämpfen.
 
Leidtragender dieser Konstellation ist Vorarlberg. Die Spielgemeinschaft Bludenz-Bregenz, die unter dem Namen „Vorwerk Vorarlberg“ antritt, wird 1973/74 Tabellenletzter und steigt ab. Der FC Dornbirn, Meister der Regionalliga West darf nicht direkt aufsteigen, sondern muss Relegation spielen. Der zweite große Verlierer ist die Steiermark, sie muss von drei auf einen Klub reduzieren. Zudem darf auch die SV Kapfenberg als Meister der Regionalliga Mitte nicht direkt aufsteigen, sondern muss ebenfalls ins Relegationsturnier.
 
Dementsprechend groß ist der Widerstand aus diesen beiden Bundesländern. „Natürlich war der Aufschrei in den Medien, die diesen Vereinen nahestanden, groß. Der Vorteil der Reformer war, dass der Joschi Walter ein sehr gewiefter Funktionär war und gemeinsam mit Hans Reitinger die Sportchefs der Kronen Zeitung, der Presse und bis zu einem gewissen Grad auch jenen des Kurier auf die Seite der Reformer gezogen hat“ erinnert sich Hans Huber an das mediale Lobbying der Reformgruppe.

„REVOLUTIONÄRE VORGÄNGE“

Die positiven Argumente der Reform überwiegen schlussendlich. „Es ging darum, die wirkliche Spitze zu konzentrieren“, sagt Hans Reitinger 2009 in einem Interview mit dem Fußballmagazin ballesterer. Die entscheidende Abstimmung am 21. April 1974 endet mit 158 zu 38 Stimmen zugunsten der Zehnerliga, nur die Steiermark und Vorarlberg stimmen gegen die Reform. „Das waren fast revolutionäre Vorgänge“, erinnert sich Reitinger an die turbulente Zeit.
 
Neben den „regulären“ Absteigern Vorwerk Vorarlberg, der Vienna und der SPG Radenthein-Villach müssen auch Simmering und der Wiener Sport-Club absteigen. „Das ist ein Gewaltstreich, wie es ihn in der Geschichte des österreichischen Fußballs noch nicht gegeben hat“, poltert Sport-Club Geschäftsführer Hans Bruckner in der Arbeiterzeitung. Besonders hart trifft es den Donawitzer SV Alpine. Die Steirer müssen als Sechstplatzierter den Gang in die neugegründete zweithöchste Spielklasse antreten, die fortan den Namen „Nationalliga“ trägt und mit 14 Klubs ausgetragen wird. Zwischen dem GAK und Sturm entbrennt ein enges Rennen um den „Steiermark-Platz“. Eine Fünfjahreswertung wird herangezogen, um zu entscheiden, wer die Steiermark in der neugegründeten Bundesliga vertreten darf, kurzfristig tauchen sogar Fusionsgedanken um einen „FC Graz“ auf, die jedoch wieder ad acta gelegt werden. Schlussendlich setzt sich Sturm mit 149:147 Punkten in der Fünfjahreswertung denkbar knapp gegen den GAK durch.
 
Der letzte Platz wird im Relegationsturnier zwischen dem LASK und den Regionalliga-Meistern Stockerau, Kapfenberg und Dornbirn ausgespielt. Die Linzer gewinnen ihre Halbfinalspiele gegen Dornbirn. Das westlichste Bundesland Österreichs sollte damit bis zum Aufstieg von Austria Lustenau im Jahr 1997 keinen Klub mehr in der höchsten Spielklasse haben.
Im zweiten Halbfinale setzt sich Stockerau gegen Kapfenberg durch. Im Hinspiel des Finales legt Stockerau zuhause mit einem 3:1-Sieg vor, geht in Linz jedoch mit 1:6 unter und so komplettiert der LASK die Bundesliga als zehnter Teilnehmer.

DIE ORIGINAL ZEHN

Die Bundesliga startet mit folgenden zehn Klubs in ihre Premierensaison: Rapid, Austria Wien, Admira, Eisenstadt, Sturm, VÖEST, LASK, Austria Salzburg, Austria Klagenfurt und Wacker Innsbruck.
Am 9. August 1974 startet die Bundesliga in die neue Ära und muss auch nicht lange auf ihr erstes Tor warten: der vierfache Teamspieler Hannes Demantke bringt seine Admira im Duell mit dem SC Eisenstadt in Minute 13 mit 1:0 in Führung. Der Endstand dieser Partie lautet 6:1, der erste Bundesliga-Tabellenführer der Geschichte heißt Admira/Wacker. Die neue Liga wird von der Fußballöffentlichkeit anfangs noch etwas reserviert beobachtet, Gerhard Zimmer schreibt: „Viele verfolgen sie in Wartestellung, ohne sie abzulehnen. An den Klubs und den Spielern liegt es, das Misstrauen zu vertreiben.“
 
Nach und nach gelingt das, die Zehnerliga wird positiv angenommen, die Spiele werden besser und auch der Zuschauerschnitt steigt anfangs an. „Die Zahlen sind nicht sprunghaft nach oben gegangen, aber es war schon erkennbar, dass sich eine bessere Entwicklung im Fußball abzeichnet“, sagt Hans Huber.
 
Durchschnittlich 5.807 Zuschauer sind in der ersten Saison auf die neue Bundesliga neugierig, in den ersten 20 Jahren der Bundesliga-Geschichte sollte dieser Wert nur dreimal übertroffen werden. Mit mehr als 8.000 Zuschauern pro Spiel ist die SPG Swarovski Wacker Innsbruck der Zuschauer-Krösus in der Premierensaison. Die Fans haben in dieser Saison auch allen Grund, ins Tivoli zu pilgern, denn die Tiroler rund um die Koncilia-Brüder, Bruno Pezzey und Kurt Welzl sichern sich unter Trainer Branko Elsner den ersten Meistertitel der Bundesliga-Geschichte. Erster Torschützenkönig wird Helmut Köglberger, der im Winter nach sechseinhalb Jahren bei der Wiener Austria zum LASK zurückkehrt. Aus der Nationalliga steigt der GAK in die Bundesliga auf, die zweithöchste Spielklasse wird nach einer Saison von 14 auf 16 Teams aufgestockt.
 
Auch im organisatorischen Bereich tut sich in diesen Anfangszeiten der Bundesliga einiges. Hans Reitinger wird Vorsitzender der Liga-Kommission, einem Gremium, das als eine Mischung aus dem heutigen Bundesliga-Aufsichtsrat, dem Vorstand und der Geschäftsstelle gesehen werden kann. In Zusammenarbeit mit dem aus Klubvertretern bestehenden „Spielausschuss“ und dem ÖFB-Präsidium ist die Ligakommission das maßgebliche Entscheidungsgremium. Sie versucht, den österreichischen Fußball voranzutreiben und hat damit eine Menge Arbeit: 17 Sitzungen finden von Mai bis Dezember 1974 statt.

EIN LOGO FÜR DIE LIGA

Die Bundesliga ist in ihren Anfangsjahren stark um Eigenständigkeit und ihr eigenes Markenbild bemüht. Ein Logo soll gefunden werden, Fußballfans können ihre Vorschläge an die Kronen Zeitung und die Arbeiterzeitung senden. Schlussendlich setzt sich jedoch kein Fan-Entwurf durch, sondern ein Vorschlag der Firma I.D.E.E.N. GmbH, die die Bundesliga auch in den kommenden Jahren bei ihrer Vermarktung unterstützt. Das erste Bundesliga-Logo mit dem Ball im Zentrum und dem rot-weiß-roten Bogen darüber wird bis 1997 in Verwendung bleiben. Eineinhalb Jahre nach ihrer Gründung versucht die Bundesliga, ein eigener Verband mit absoluter Selbstständigkeit und eigener Hauptversammlung zu werden. Dem Wunsch nach Autonomie wird im Februar 1976 vom ÖFB eine Absage erteilt. Die Liga erhält für ihre Belange zwar Eigenständigkeit zugesichert, ein eigener Verband wird sie aber erst 1991 werden.
 
Nachdem den Titelträgern anfangs noch eine Trophäe in Form einer Tafel übergeben wurde, wird im Frühjahr 1977 die Einführung einer Wandertrophäe beschlossen. Wie schon beim Liganamen nimmt man sich auch dieses Mal die deutsche Liga zum Vorbild. „Ein großer attraktiver Metallteller (ähnlich dem in der BRD)“ soll es laut Ligakommission werden - der österreichische Meisterteller ist geboren. Er wird fast 40 Jahre lang an den jeweiligen Meister vergeben werden, erst 2015 wird eine neue Trophäe eingeführt. Der alte Meisterteller steht heute in der Geschäftsstelle der Österreichischen Fußball-Bundesliga.
 
Auch die Fußballer müssen sich zum Start der neuen Ära auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Der bisher geläufige Terminus „Lizenzspieler“ wird abgeschafft. Es kommt zu einem Verbot von Handgeldzahlungen und einer Senkung des Grundgehalts, für die Teilnahme am Trainingsbetrieb dürfen die Spieler als Aufwandsentschädigung maximal 1.500 Schilling (109 Euro) pro Monat erhalten. Darüber hinaus sind Prämien möglich und die Spieler können auch als Dienstnehmer vom Verein angestellt werden. Das Gehaltsgefüge wird leistungsbezogener. Im Mai 1977 beschließt die Ligakommission, dass es keine Höchst- oder Mindestverdienstgrenzen für Vertragsspieler gibt.

GESCHLOSSENE GRENZEN

Schwierige Zeiten brechen 1974 für Legionäre und solche, die es noch werden wollen, an. Ein Aufnahmestopp für ausländische Spieler wird beschlossen. Die 23 Legionäre, darunter 13 deutsche Spieler, die bereits für österreichische Klubs spielen, dürfen bleiben und erhalten als „Fußballösterreicher“ einen Sonderstatus. Österreichische Spieler, die ins Ausland wechseln wollen, müssen sich bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres gedulden.
 
Beide Regelungen werden im Laufe der 70er-Jahre gelockert. Im Juni 1975 stellt der ÖFB fest, dass die „Fußballösterreicher“ innerhalb der Liga wechseln dürfen, die Legionärssperre wird schließlich zu Beginn der Saison 1977/78 aufgehoben, maximal zwei ausländische Spieler dürfen pro Spiel eingesetzt werden, „Fußballösterreicher“ zählen nicht als Ausländer. Österreichische Spieler dürfen ab 1978/79 mit Zustimmung ihres Klubs bereits im Alter von 19 Jahren ins Ausland wechseln. Von der Herabsetzung des Wechselalters profitieren im Sommer 1978 nach der erfolgreichen WM in Argentinien unter anderem Hans Krankl (zum FC Barcelona) und Bruno Pezzey (zu Eintracht Frankfurt), die zum Zeitpunkt ihres Transfers beide noch keine 26 Jahre alt sind.
 
Ein U21-Bewerb wird eingeführt, er soll der Nachwuchsförderung dienen, die Spiele werden in der Regel als Vorspiel zur Kampfmannschaftspartie ausgetragen. Auch die Schaffung von Leistungszentren in den Bundesländern soll zur Talenteförderung beitragen. Im Sommer 1978 sind bereits 13 Jugendleistungszentren in ganz Österreich in Betrieb.

KABINENBESUCHE UNERWÜNSCHT

Auch für Senate und Schiedsrichter gibt es einige Fortschritte: Beim Strafsenat ist ab sofort die telefonische Stellungnahme von Schieds- und Linienrichtern wieder erlaubt. Im Herbst 1978 werden fixe Schiedsrichterteams gebildet. Die heute übliche Spielanalyse des Schiedsrichterbeobachters mit den Unparteiischen nach dem Spiel in der Schiedsrichterkabine wird damals noch nicht gerne gesehen. Die Ligakommission sieht „keinen Grund, warum der Beobachter die Schiedsrichterkabine aufsuchen muss“ und ortet „Verbrüderung“. Ab der Saison 1979/80 werden Auswechseltafeln verpflichtend. Die Bundesliga selbst veranstaltet Fortbildungsschulungen für Funktionäre und anfangs gibt es sogar eine Art Lizenzierungsverfahren, bei dem die Klubs Haushaltspläne für die kommende Saison abgeben müssen. Ab Sommer 1976 sind diese Lizenzanträge jedoch nicht mehr erforderlich.
 
Sportlich sind die 70er-Jahre von Erfolg geprägt, der Zweikampf zwischen Innsbruck und der Austria belebt die Liga, die Wiener Austria erreicht im Jahr 1978 als erstes österreichisches Team ein Europacupfinale, scheitert dort jedoch mit 1:4 am RSC Anderlecht und kommt ein Jahr später erneut ins Halbfinale. Das Nationalteam qualifiziert sich nach 20 Jahren wieder für eine WM-Endrunde. 17 Spieler aus Helmut Senekowitschs 22-Mann-Kader kommen aus der österreichischen Bundesliga, mit Walter Schachner ist sogar ein Spieler des Zweitligisten Donawitzer SV Alpine in Argentinien dabei. Bei der Endrunde 1978 beweist das Nationalteam, dass es zurecht zurück im Konzert der Großen ist und macht nicht nur Reporter-Legende Edi Finger „narrisch“. Nach der WM steigen auch die zwischenzeitlich gesunkenen Zuschauerzahlen wieder an - von durchschnittlich 4.441 in der Saison 1977/78 auf mehr als 6.000.

„MEILENSTEIN DER ENTWICKLUNG“

Heute wird die Bundesliga-Gründung im Jahr 1974 als entscheidender Grundstein für diese Erfolge gesehen. „Letztlich sagen auch alle Beteiligten, dass die Gründung der Bundesliga ein entscheidender Schritt nach vorne war, um sich für die WM 1978 zu qualifizieren“, sagt Hans Huber, „das war sicherlich ein Knackpunkt und ein Meilenstein in der Entwicklung des österreichischen Fußballs.“
 
Ende der 70er-Jahre konnten die internationalen Erfolge und die nunmehr steigenden Zuschauerzahlen die nie ganz abgeflauten Diskussionen über eine Reform der Reform aber nicht vollständig überlagern. Ideen über eine Aufstockung der Bundesliga geisterten in regelmäßigen Abständen durch diverse Gremien, wurden wieder verworfen oder scheiterten am Veto der ÖFB-Hauptversammlung. Einige Zeit später sollte die Aufstockung der Bundesliga dann jedoch tatsächlich beschlossen werden. Aber das ist eine Geschichte der 80er-Jahre...
 
Dieser Artikel wurde in der Spezial-Ausgabe des Bundesliga-Journals "Die 70er-Jahre" veröffentlicht. Hier finden Sie die komplette Ausgabe als PDF.
 
#BundesligaTeamwork ist eine Online-Initiative der Österreichischen Fußball-Bundesliga. Als Fußball haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung, die über den Sport hinausgeht. In Zeiten, in denen viele Menschen auf ihre Mitmenschen Rücksicht nehmen und zur Eindämmung des Coronavirus zuhause bleiben, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten vermeiden, stellen wir insbesondere auf unseren digitalen Kanälen verstärkt Inhalte zur Verfügung. Die komplette Übersicht finden Sie auf www.bundesliga.at/teamwork
 
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