#BundesligaTeamwork: Zeitreise 1993/94

7. April 2020 in tipico Bundesliga

Blickt man nach draußen, hat man aktuell das Gefühl, dass die Zeit ein wenig still steht. Deshalb nehmen wir euch auf eine Zeitreise in längst vergangene Bundesliga-Saisonen mit. Wir fassen kompakt zusammen, was es zur damaligen Spielzeit zu sagen gibt, wer die Helden waren und was sonst so in der Welt los war. Außerdem öffnen wir erstmals exklusiv das – soweit digitalisiert - komplette Bundesliga-Journal-Archiv. Lest die damaligen Journal-Ausgaben, schwelgt in Erinnerungen und schmunzelt über kultige Fotos und Typen!
 
Reiseleiter: Mathias Slezak
Fotos: GEPA Pictures
 
Die Saison: 1993/94
 
Der Meister: SV Austria Salzburg
 
Das Meisterschaftsfinale: Alles neu macht die Saison 1993/94. Die Playoffs sind abgeschafft, ab sofort wird in einer Zehnerliga viermal gegeneinander gespielt. Der Modus ist neu, die Titelaspiranten bleiben dieselben. Wie in den vergangenen zwei Saisonen kämpfen der FK Austria Wien und der SV Austria Salzburg um den Meistertitel. Dieses Mal sollte das Pendel jedoch erstmals zugunsten der Mozartstädter ausschlagen. Ausschlaggebend dafür ist nicht zuletzt die Überlegenheit in den direkten Duellen – die Salzburger können alle vier Saisonduelle für sich entscheiden, jene im Frühjahr mit 4:0 (4x Jurcevic) und 6:0 noch dazu überaus deutlich.
 
Trotzdem bleibt der Titelkampf – zumindest rechnerisch - wie in den Vorjahren bis zur letzten Runde offen. Rein faktisch trennt vor der letzten Runde jedoch ein Sieg und 13 Tore Differenz die beiden Teams. Das letzte Spiel der Saison wird vor 15.000 Zuschauern im ausverkauften Lehener Stadion gegen die Admira somit zum meisterlichen Schaulaufen für die Salzburger unter Trainer Otto Baric. Heimo Pfeifenberger trifft noch einmal sehenswert im Doppelpack – einmal via Weitschuss, einmal per Kopf – und dann ist Austria Salzburg erstmals in der Vereinsgeschichte österreichischer Fußballmeister.
 
 
 
Die Abschlusstabelle:
Anmerkung: Zwei-Punkte-Regel
 
Der Meistertrainer: Nach zwei Vizemeistertiteln kann Otto Baric kann in seinem dritten Jahr als Salzburg-Trainer den ersten Meistertitel feiern. Zuvor war er bereits – zu Nationalliga-Zeiten – zweimal mit Wacker Innsbruck bzw. Tirol und in den 80ern auch dreimal mit Rapid Meister.
 
Die Bomber der Liga: Mit Heimo Pfeifenberger und Nikola Jurcevic teilen sich mit jeweils 14 Toren zwei Salzburger den Titel als Torschützenkönig. Vaclav Danek (FC Tirol) wird mit 12 Toren Dritter. Seit Bundesliga-Gründung hatten noch nie so wenige Treffer zum Gewinn dieser Wertung gereicht.
 
International: Die Wiener Austria startet mit einer 1:3-Niederlage bei Rosenborg Trondheim in die Champions League-Saison, kann zuhause aber mit einem 4:1-Erfolg zurückschlagen und in Runde 2 einziehen, wo der FC Barcelona wartet. Im Hinspiel im Camp Nou gewinnen die Katalanen mit 3:0, zuhause im Ernst-Happel-Stadion gelingt den Veilchen durch Andi Ogris per Fersler der zwischenzeitliche Ausgleich zum 1:1, der Endstand lautet 1:2.
 
Auch der FC Tirol Innsbruck bekommt es im Cup der Cupsieger nach dem Erstrunden-Aufstieg gegen Ferencvaros Budapest mit einem spanischen Kapazunder zu tun: Real Madrid wartet im Achtelfinale. Zuhause am Tivoli erarbeiten sich die Tiroler mit einem 1:1 sogar eine gute Ausgangslage für die ganz große Sensation, im Estadio Santiago Bernabeu behalten die Madrilenen schließlich mit 3:0 die Oberhand und beenden die Europacupsaison der Tiroler.
 
In der 1. Runde des UEFA-Cups scheidet die Admira gegen Dnjepropetrowsk aus der Ukraine aus, während die Austria Salzburg mit zwei 2:0-Siegen gegen Dunajska Streda in einen internationalen Siegeszug startet, der in die Geschichtsbücher eingehen sollte. In Runde 2 bekommen es die Salzburger mit Royal Antwerpen zu tun und gewinnen zweimal mit 1:0. Im Achtelfinale wartet Sporting Lissabon. Nach einer 0:2-Niederlage in Lissabon scheint der Aufstieg in weite Ferne gerückt, doch es folgt eine magische Europacupnacht in Salzburg-Lehen. Ein Weitschusskracher von Leo Lainer eröffnet die zweite Halbzeit des Rückspiels und in der 91. Minute fast sich Adi Hütter ein Herz und bringt die – mittlerweile in Unterzahl spielenden - Salzburger ebenfalls per Weitschuss zum 2:0 in die Verlängerung. In der 113. Minute bringt Sporting den Ball im eigenen Sechzehner nicht weg und der eingewechselte Martin Amerhauser knallt den Ball volley zum 3:0-Endstand und dem damit verbundenen Aufstieg ins Viertelfinale unter die Latte.
 
In der Runde der besten Acht wartet Eintracht Frankfurt und es sollte nicht weniger emotional werden. Unter dem Motto „Salzburg für Österreich, Österreich für Salzburg“ wechseln die Mozartstädter ins Wiener Ernst-Happel-Stadion. Vor ausverkauftem Haus trifft Adi Hütter zum 1:0-Endstand. Im Rückspiel trifft Maurizio Gaudino in Minute 21 zum 1:0 für die Eintracht, Salzburg schafft es nach Rot gegen Peter Artner mit einem Mann weniger in die Verlängerung und dann ins Elfmeterschießen. Dort schlägt die große Stunde des Otto Konrad. Der Salzburger Schlussmann pariert gegen den Gaudino und Binz, schnappt sich den Ball anschließend selbst und knallt ihn zum Aufstieg ins Tor. Erstmals hat ein österreichisches Team eine deutsche Mannschaft im Europacup ausgeschalten, die Salzburger genießen nun mehr oder weniger Popstar-Status im ganzen Land.
 
Im Halbfinale wartet mit dem Karlsruher SC ein weiteres deutsches Team. 0:0 endet das Hinspiel in Wien gegen den KSC unter Trainer Winfried Schäfer, der unter anderem auf seinen Tormann Oliver Kahn vertrauen kann. Im Rückspiel in Karlsruhe bringt Hermann Stadler seine Salzburger früh in Führung, in Halbzeit zwei erzielt Rainer Krieg noch den Ausgleich, doch sonst lässt die Salzburger Defensive nichts mehr zu und so zieht Austria Salzburg ins UEFA-Cup-Finale ein. Das wird im Jahr 1994 noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen, Gegner ist niemand geringerer als Inter Mailand.
 
Im Hinspiel muss eine stark aufspielende Salzburger Mannschaft das erste Mal in dieser Europacup-Saison einen Gegentreffer hinnehmen. Das 0:1 durch Nicola Berti ist gleichzeitig auch der Endstand. Zum Rückspiel begleiten 7.000 Salzburger ihre Mannschaft nach Mailand und sehen dort abermals eine beherzte Salzburger Elf, die besonders zu Beginn der zweiten Halbzeit auf die Führung drückt. In Minute 57 folgt der bitterste Stangenpendler der Klubgeschichte. Marquinho zieht ab, Inter-Tormann Walter Zenga ist geschlagen, der Ball klatscht an die linke Stange, dann an die rechte und springt wieder ins Feld. Fünf Minuten später setzt Wim Jonk per Heber zum 1:0-Endstand den Titelträumen der Salzburger ein Ende.
 
Kuriositäten: Die Salzburger sind nicht nur in der Tabelle vorne mit dabei. Mit der Band Superchamp nehmen sie den Titel „Wir sind die Sieger“ auf und schaffen es – „aus eigener Kraft“ - auf Platz 2 der Charts.
 
Bildergalerie zum Durchklicken:

Weltgeschehen & Politik: Aus der Europäischen Gemeinschaft (EG) wird die Europäische Union (EU), der Wiener Bürgermeister Helmut Zilk wird bei einem Briefbombenattentat verletzt, in Russland finden die ersten freien Wahlen statt, die Welthandelsorganisation WTO wird gegründet, beim Völkermord in Ruanda werden bis zu eine Million Menschen umgebracht, Nelson Mandela wird erster schwarzer Präsident Südafrikas und Österreich entscheidet sich in einer Volksabstimmung für den EU-Beitritt.
 
Sport: Alain Prost wird Formel 1-Weltmeister und beendet seine Karriere, die Skirennläuferin Ulli Maier verunglückt während der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen tödlich. Bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer holen Emese Hunyadi (Eisschnelllauf) und Thomas Stanganssinger (Slalom) Gold, dazu kommen drei Silber- und vier Bronze-Medaillen. Mit Platz 8 bei der A-WM in Italien erreicht Österreichs Eishockey-Nationalteam die beste Platzierung seit 1957. In Planica fliegt Andreas Goldberger als erster Schispringer mehr als 200 Meter weit, beim Grand Prix von Imola verunglücken der Österreicher Roland Ratzenberger und der Brasilianer Ayrton Senna innerhalb von zwei Tagen beide tödlich. Brasilien wird Fußball-Weltmeister.
 
Musik: „What’s up“ von 4 Non Blondes (13 Wochen) und „I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That“ von Meat Loaf (12 Wochen) dominieren die Charts.
 
Kino: „Schindlers Liste“ gewinnt den Oscar als bester Film. 

 

Exklusiv: Bundesliga-Journal Saison 1993/94

Im Zuge der „Zeitreise“-Serie öffnet die Österreichische Fußball-Bundesliga erstmals ihr komplettes Bundesliga-Journal-Archiv, soweit die Ausgaben bereits digital vorhanden sind.
 
 
In dieser Ausgabe lesen Sie unter anderem alles über den Siegeszug der Salzburger, ein ausführliches Interview mit Austria-Trainer Josef Hickersberger und einen Bericht über den damals eingeführten „Wirtschaftparagraphen“, den Vorläufer der Lizenzierung.
Außerdem zu sehen: ein melodisch klingendes Werbeinserat mit Otto Baric für ein Vitaminpräparat („Maximal mit biovital“), der Wiener Sportclub in seiner letzten Erstliga-Saison (u.a. mit dem heutigen Moderator Volker Piesczek, Red Bull Salzburg-Pressesprecher Christian Kircher und dem VDF-Vorsitzenden Gernot Zirngast) und eine Analyse über den Aufschwung der vier oberösterreichischen Klubs in der 2. Liga (LASK, FC Linz, Ried, Braunau) hinter damals einzigen Erstligisten Vorwärts Steyr.

--> hier geht’s zur Frühjahrsausgabe 1994

#BundesligaTeamwork ist eine Online-Initiative der Österreichischen Fußball-Bundesliga. Als Fußball haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung, die über den Sport hinausgeht. In Zeiten, in denen viele Menschen auf ihre Mitmenschen Rücksicht nehmen und zur Eindämmung des Coronavirus zuhause bleiben, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten vermeiden, stellen wir insbesondere auf unseren digitalen Kanälen verstärkt Inhalte zur Verfügung. Die komplette Übersicht finden Sie auf www.bundesliga.at/teamwork
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