#BundesligaTeamwork: Zeitreise 1994/95

14. April 2020 in tipico Bundesliga

Wir nehmen euch auf eine Zeitreise in längst vergangene Bundesliga-Saisonen mit. Wir fassen kompakt zusammen, was es zur damaligen Spielzeit zu sagen gibt, wer die Helden waren und was sonst so in der Welt los war. Außerdem öffnen wir erstmals exklusiv das – soweit digitalisiert - komplette Bundesliga-Journal-Archiv. Lest die damaligen Journal-Ausgaben, schwelgt in Erinnerungen und schmunzelt über kultige Fotos und Typen!
 
Reiseleiter: Mathias Slezak
Fotos: GEPA Pictures
 
Die Saison: 1994/95
 
Der Meister: SV Austria Salzburg
 
Das Meisterschaftsfinale: Die Saison 1994/95 ist die letzte, in der noch zwei Punkte für einen Sieg vergeben werden. Mit dem Gang in die Winterpause hat noch die Wiener Austria die Nase vorne und führt mit einem Punkt Vorsprung vor Salzburg. In der Rückrunde drehen die Mozartstädter auf und müssen von Runde 19 bis 35 nur eine Niederlage hinnehmen. Wie im Vorjahr stehen sie damit bereits eine Runde vor Schluss mehr oder weniger als Meister fest und gehen mit zwei Punkten und zehn Toren Vorsprung auf den SK Sturm, der als zweiter Klub noch rechnerische Chancen auf den Titel hat, in die Meisterschafts-entscheidende 36. Runde. Vor allem das Rennen um Platz zwei ist noch offen: Mit Sturm, Rapid und der Austria duellieren sich gleich drei Teams um den Vizemeistertitel. Die 36. Runde bringt zwar eine 2:0-Niederlage am Innsbrucker Tivoli für die Salzburger, der zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte ist ihnen jedoch sicher. Sturm (mit 2:1 in Steyr) und Rapid (3:0 bei Absteiger VfB Mödling) bleiben ebenfalls siegreich, während die Austria daheim 1:2 gegen die Admira verdient. So landet hinter Meister Salzburg Sturm auf Rang 2, gefolgt von Rapid und der Austria.
 
 
 
Die Abschlusstabelle:

Anmerkung: Zwei-Punkte-Regel
 
Der Meistertrainer: Otto Baric kann wie schon zuvor in Tirol (zu Nationalliga-Zeiten) und bei Rapid den Meistertitel verteidigen und holt seinen insgesamt siebenten Meistertitel. Es sollte – den Supercup-Gewinn zu Beginn der Saison 95/96 ausgenommen – sein letzter Titel als Trainer in Österreich bleiben.
 
Die Bomber der Liga: Souleyman Sané wechselt im Sommer 1994 von Wattenscheid 09 zum FC Tirol Innsbruck, wird dort mit 20 Treffern auf Anhieb Torschützenkönig und wechselt anschließend in die Schweiz zu Lausanne. Hinter ihm landen Mons-Ivar Mjelde (Austria Wien / 17 Tore) und Marcus Pürk (Rapid), Mario Haas (Sturm) und Thomas Janeschitz (Tirol) mit jeweils 13 Toren auf den Plätzen 2 und 3.
 
International: Die Saison 1994/95 beginnt mit einer Europacupreform. Nicht jeder Landesmeister darf automatisch in den Kampf um den Champions League-Pokal antreten, kleinere Länder sind nur im UEFA-Cup spielberechtigt. In der Champions League werden vier Vorrunden-Gruppen eingeführt. Für eine davon qualifiziert sich Austria Salzburg mit einem 2:1-Auswärtserfolg und einem 3:1-Heimsieg in der Qualifikation über den israelischen Vertreter Maccabi Haifa. Abermals tragen die Salzburger ihre Heimspiele im Wiener Ernst-Happel-Stadion (wo übrigens auch das Finale in dieser Saison stattfindet) aus und bekommen es dort mit dem späteren Titelträger Ajax Amsterdam, dem Titelverteidiger und späteren Finalisten AC Milan und AEK Athen zu tun.

Nach einem 0:0 zum Auftakt gegen AEK sorgt insbesondere das Auswärtsspiel in Mailand für Gesprächsstoff. Tormann Otto Konrad wird nach dem Führungstreffer für Milan von einer Wasserflasche am Kopf getroffen, bleibt benommen liegen und spielt zunächst weiter. In Halbzeit zwei muss der Salzburger Schlussmann, der eine Gehirnerschütterung erlitten hat, dann aber doch ausgewechselt werden. Salzburg verliert mit 0:3 und legt Protest ein. Die Entscheidung darüber sorgt für Kopfschütteln: Milan werden die zwei Punkte für den Sieg zwar abgezogen, den Salzburgern jedoch nicht gut geschrieben und auch das Torverhältnis bleibt von Bestand. Genau diese Entscheidung sorgt dafür, dass den Salzburgern der Aufstieg ins Viertelfinale verwehrt bleibt, denn nach der Vorrunde halten die Salzburger nach einem Sieg im zweiten Spiel gegen AEK Athen und zwei Unentschieden gegen Ajax Amsterdam bei genauso vielen Punkten wie der AC Milan, haben aber das schlechtere Torverhältnis und landen so nur auf Tabellenplatz 3.

Im Cup der Cupsieger steigt die Austria in Runde 1 gegen den slowenischen Vertreter Branik Marburg auf, in Runde 2 wartet der FC Chelsea. Das Hinspiel an der Stamford Brigde endet mit 0:0, im Rückspiel kann Arminas Narbekovas den Führungstreffer der Engländer rund um Spielertrainer Glenn Hoddle zwar noch ausgleichen, zu mehr reicht es jedoch nicht und so steigt Chelsea aufgrund der Auswärtstorregel auf.
 
Im UEFA-Cup wird Österreich von der Admira und dem FC Tirol vertreten. Beide überstehen die 1. Runde souverän (Admira gegen Gornik Zabrze, Tirol gegen Dinamo Tiflis). In Runde 2 bekommt es die Admira mit dem AS Cannes zu tun. Das Hinspiel in der Südstadt endet nach einem Elfmetertor von Kapitän Herbert Gager mit 1:1, in Frankreich siegt die Admira souverän mit 4:2 und wirft Cannes (u.a. mit Jonan Micoud und Patrick Vieira) aus dem Bewerb. Der FC Tirol schafft sich gegen Deportivo La Coruna mit einem 2:0-Heimsieg nach Toren von Souleyman Sané und Peter Stöger eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel, verliert in Spanien aber mit 0:4.
 
Im Achtelfinale wartet Juventus Turin auf die Admira. 8.000 Zuschauer sehen in der Südstadt eine 3:0-Halbzeitführung für die „Alte Dame“ durch Antonio Conte und einen Doppelpack von Roberto Baggio und bejubeln in Halbzeit zwei den Anschlusstreffer von Michael Binder. Auch beim Rückspiel in Turin kann die Admira anschreiben: Gerd Wimmer gleicht in Minute 77 zum 1:1 aus, bevor Gianluca Vialli zum 2:1-Endstand trifft und der Europacup-Reise der Admira ein Ende bereitet.
 
Kuriositäten: Der FC Keli Linz führt in der 15. Runde durch ein Tor von Christian Stumpf mit 1:0 gegen Salzburg. Es läuft die letzte Minute und es gibt noch einen Freistoß für Salzburg. Tomislav Kocijan bringt den Ball zur Mitte, wo der mit nach vorne geeilte Tormann Otto Konrad per Kopf zum 1:1-Endstand trifft. Der Treffer wird später zum „Tor des Jahres“ gewählt. Mit der Band „Superchamp“ nimmt Konrad außerdem die Single „Wir sind die Salzburg-Fans!“ auf. Das Lied hat weniger Erfolg als der Vorgänger „Wir sind die Sieger“, landet aber zumindest auf Platz 6 der Charts.
 
Bildergalerie zum Durchklicken:

Weltgeschehen & Politik: Die SPÖ bleibt bei der Nationalratswahl 1994 stimmenstärkste Partei, die große Koalition unter Kanzler Vranitzky wird forgesetzt, erstmals in der 2. Republik erreichen SPÖ und ÖVP aber weniger als zwei Drittel der Mandate. Michael Häupl wird Wiener Bürgermeister, Josef Pühringer oberösterreichischer Landeshauptmann. Sony bringt die PlayStation auf den Markt. Österreich tritt der EU bei. Bei einem Briefbombenattentat in Oberwart werden vier Roma getötet.
 
Sport: George Foreman wird – 20 Jahre nach dem legendären „Rumble in the jungle – noch einmal Schwergewichtsweltmeister und damit der älteste aller Zeiten. Michael Schumacher wird erstmals Formel 1-Weltmeister. Bruno Pezzey stirbt im Alter von nur 39 Jahren an einem Herzinfarkt. Thomas Muster gewinnt die French Open.
 
Musik: „Cotton Eye Joe“ und “Old Pop in an Oak” von Rednex (7 bzw. 10 Wochen) dominieren die Charts.
 
Kino: „Forrest Gump“ gewinnt den Oscar als bester Film.
 

Exklusiv: Bundesliga-Journal Saison 1994/95

Im Zuge der „Zeitreise“-Serie öffnet die Österreichische Fußball-Bundesliga erstmals ihr komplettes Bundesliga-Journal-Archiv, soweit die Ausgaben bereits digital vorhanden sind.
 
In dieser Ausgabe lesen Sie unter anderem einen Einblick in Christian Fürstallers Doppelrolle als Europacup-Held und Personalchef bei der Spedition Quehenberger, einen Artikel über die junge Manager-Generation (mit dem damals 34-jährigen Jürgen Werner), eine Geschichte über das 100-Jahr-Jubiläum der Vienna und einen winterlichen Lokalaugenschein beim Zweitdivisionär aus Ried, der Aufstiegsambitionen noch von sich wegschob, um ein halbes Jahr später erstmals in die Bundesliga aufzusteigen.
 
Außerdem zu sehen: ein Inserat für das „Handyphone 300“ von Bosch, die Spielgemeinschaft Wiener Sportclub-Gerasdorf, ein Special zum 20-Jahr-Jubiläum der Bundesliga, eines zum damals 200. Wiener Derby zwischen Rapid und der Austria und die „EDV-Grundausstattung“ aller Bundesliga-Klubs – eine PC-Lieferung für alle Geschäftsstellen.

--> hier geht’s zur Herbstausgabe 1994

--> hier geht’s zur Frühjahrsausgabe 1995

 

#BundesligaTeamwork ist eine Online-Initiative der Österreichischen Fußball-Bundesliga. Als Fußball haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung, die über den Sport hinausgeht. In Zeiten, in denen viele Menschen auf ihre Mitmenschen Rücksicht nehmen und zur Eindämmung des Coronavirus zuhause bleiben, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten vermeiden, stellen wir insbesondere auf unseren digitalen Kanälen verstärkt Inhalte zur Verfügung. Die komplette Übersicht finden Sie auf www.bundesliga.at/teamwork
 
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