Ernst Dokupil und die jungen Wilden

10. July 2020 in tipico Bundesliga

Im April 1987 übernimmt Ernst Dokupil die Vienna im Mittleren Play-Off. Mit einer klaren Vision entwickelt er junge Spieler und führt die Döblinger zweimal in den UEFA-Cup.

Text: Mathias Slezak, Foto: Privat

„Unser Ziel muss sein, ein Team aufzubauen, das um Platz vier in Österreich mitspielen und die dritte Kraft in Wien werden kann“, sagt Ernst Dokupil in seinem ersten Interview als Vienna-Trainer im „Sport-Funk“. Die Vienna liegt zu diesem Zeitpunkt auf Rang vier im Mittleren Play-off, der letzte Europacup-Auftritt stammt noch aus Mitropacup-Zeiten. Dokupil aber glaubt an seine Vision. „Ich war damals schon sicher, wenn ich mir meine österreichischen Talente holen kann und dazu zwei, drei gute Legionäre bekomme, werden wir erfolgreich sein“, erinnert er sich in der Vienna-Chronik „Blau-Gelb ist mein Herz“.

Dokupil, damals 40 Jahre alt, gilt als Vertreter einer neuen Trainergeneration und hat sich bei seinen bisherigen Stationen bei Simmering und der Admira den Ruf erarbeitet, gut mit jungen Spielern zu können. Die Vienna stabilisiert sich und kehrt im Sommer 1987 in die die Bundesliga zurück. Dokupil kann sich seinen Kader zusammenstellen und holt unter anderem Peter Stöger und Gerald Glatzmayer. Die Mannschaft sorgt für Spektakel – Hopp oder Dropp: in den 22 Spielen im Herbst gibt es nur ein Unentschieden und lediglich vier Partien, in denen weniger als drei Tore fallen. Die Mannschaft schafft mit Rang 7 den Sprung ins Meister-Play-off und wird im Winter mit Kurt Russ und dem jungen Andreas Herzog verstärkt.

Beim Trainingslager in Israel holt sich die Vienna den letzten Feinschliff. Ernst Dokupil schwärmt im „Sport-Funk“ von der „großartigen Vorbereitung“ und dem Potenzial, das in seiner Mannschaft steckt. Diese sollte ihm recht geben. Herzog trifft in den ersten drei Frühjahrsspielen, nach dem vierten steht er im Nationalteam. In der letzten Runde geht es im direkten Duell gegen die Admira um Rang 4. Die Vorzeichen sind jedoch ungünstig, gleich sechs Stammspieler drohen, mit Muskelverletzungen auszufallen. Der Salzburger Regenerationstherapeut Mohamed Khalifa kann vier Spieler fit machen. Einer davon, Zoltan Peter, trifft per Freistoß in Minute 74 zum 2:1-Endstand. Die Vienna zieht an der Admira vorbei, wird etwas mehr als ein Jahr nach Dokupils Amtsantritt Vierter und steht erstmals im UEFA-Cup.

Zu Beginn der Saison 1988/89 kehrt Andreas Herzog zu Rapid zurück, Peter Stöger, mittlerweile ebenfalls Teamspieler, wechselt zur Austria. Dafür kommt Andreas Heraf nach Döbling. Die Vienna übersteht die 1. Runde im UEFA-Cup gegen Ikast FS und scheidet danach gegen den finnischen Vertreter Turun Palloseura aus. In der Meisterschaft reicht Platz 5 zur zweiten Europacup-Qualifikation in Folge. Dieses Mal geht die Reise über den FC La Valletta wieder in die 2. Runde, wo man nur aufgrund der Auswärtstorregel vor 45.000 Zuschauern in Athen gegen Olympiakos Piräus scheitert.

Video: die Vienna qualifiziert sich gegen den Wiener Sportclub für den UEFA-Cup

Nachdem Transfers ohne sein Wissen getätigt werden, kommt es im Winter 89/90 zum Krach zwischen Ernst Dokupil und der sportlichen Leitung, seine Ära auf der Hohen Warte endet nach zweieinhalb Jahren. Gerald Glatzmayer und Kurt Russ reisen noch als Vienna-Spieler zur WM 1990 nach Italien. Zwei Jahre später steigt die Vienna aus der Bundesliga ab und wartet seither auf ihre Rückkehr.

Dieser Artikel ist in der 80er-Jahre-Spezialausgabe des Bundesliga-Journals erschienen – erhältlich ab sofort im Zeitschriftenhandel und im Abo unter bundesliga.at/journal-abo

Artikel teilen: