BL-Journal: STURM GRAZ IN DER DNA

19. February 2021 in tipico Bundesliga

Sein Vater ist seit 1993 bei Sturm angestellt, seine Mutter arbeitet ebenfalls für die Schwarz-Weißen und er selbst wohnt seit seiner Geburt im Trainingszentrum: Luka Maric konnte gar nicht anders, als Profi bei den Blackies zu werden. Das Porträt eines Tormanns, von dessen Talent auch Trainerlegende Ivica Osim überzeugt ist.

TEXT: PETER K. WAGNER, FOTO: GEPA PICTURES

Es wäre datenschutzrechtlich bedenklich, würden an dieser Stelle die Wohnadressen von Spielern oder Funktionären veröffentlicht werden. Bei Luka Maric ist das anders - weil es alles andere als ein Geheimnis ist. Maric, 18-jähriger Tormann bei Sturm Graz, aktuell Nummer drei in der Rangfolge der schwarz-weißen Schlussmänner, lebt nämlich dort, wo sein Arbeitgeber auch trainiert: im Trainings-zentrum Messendorf.

FAMILY BUSINESS

Der Name Maric gehört bei Sturm zum Inventar. Die ganze Familie lebt am Vereinsgelände im Süden von Graz, direkt im Gebäude des Trainingszentrums, neben dem auch die Geschäftsstelle des Vereins beheimatet ist. Aus einem einfachen Grund: Seit 1993 ist Lukas' Vater Simo Zeugwart, Mama Maric arbeitet im Facility-Management. Als Luka 2002 auf die Welt kam, hatte sein Papa mit dem Verein bereits zwei Meistertitel gefeiert und halb Europa bereist. „Ich kann mich noch erinnern, als der Papa nicht nur Zeugwart, sondern auch noch Platzwart in Messendorf war. Ich war noch ein kleines Kind und bin schon am Platz mit dem Traktor gefahren, um ihm zu helfen“, erinnert sich Maric zurück.

Er sitzt gerade in der Lobby eines Hotels in Kroatien. Es ist Winterpause - und zum zweiten Mal darf er mit den Profis auf Trainingslager dabei sein. Im Sommer 2020 kam es zur Premiere, die sogar dazu führte, dass der sonst so medienscheue Herr Papa öffentlich davon sprach, wie glücklich und stolz sein Junior ihn mache. Dabei hatte Maric Senior sich eigentlich eine andere Karriere für den Sprössling vorgestellt, oder? „Ja, das stimmt. Er war nicht so begeistert, dass ich im Tor spielen wollte, aber ich habe mich früh für diese Position entschieden.“

Sehr früh sogar, beim ersten Fotoshooting seines Lebens - für die U8 des SK Sturm. „Es hat die Nummer 10 oder die Nummer 1 gegeben - ich hab die 1 gewählt.“ Und seitdem war er nicht mehr aus dem Tor zu bringen. Nicht in den Jugendteams des SK Sturm, die er allesamt durchlief, und auch nicht in Jugend-Nationalteams. Maric machte zwei Spiele für Kroatiens U17, ehe er auch zweimal fürs österreichische U18-Nationalteam auflief. Zuletzt war er fixer Bestandteil der rot-weiß-roten U19.

PEPIS HANDSCHUHE

Wenn man es ganz genau nimmt, hat er es aber auch schon viel früher mit richtig guten Fußballern aufgenommen. „Ich hab mich sehr früh schon nach Trainings ins Tor gestellt gegen die Sturm-Spieler. Und Pepi Schicklgruber war dann der erste Tormann, von dem ich Handschuhe geschenkt bekommen hab“, erinnert er sich zurück. Der Kultgoalie stand - nach seiner Zeit als Ersatztorhüter 1998 bis 2001 - in der Saison 2007/08 bei Sturm unter Vertrag. Ja, richtig gerechnet, damals war Luka Maric gerade einmal sechs Jahre alt. Maric hat viele Sturm-Spieler der vergangenen Jahre hautnah miterlebt, half seinem Vater in der Kabine, war bei Spielen live dabei und wurde einmal sogar aus Jux in den Spind gesperrt, um einer Besprechung zu lauschen.

Und auch den letzten Meistertitel 2011 erlebte er hautnah. Als Maskottchen. Bei den Meisterfeierlichkeiten am Spielfeld, wo er auf den Armen von Andreas Hölzl im Konfettiregen mitjubelte, wurde es einmal gar gefährlich. „Als die Spieler im Freudentaumel nach vorne gefallen sind, wurde ich fast erdrückt“, kann er mittlerweile darüber lachen. „Samir Muratovic hat mich damals rausgezogen.“

Erst im November unterschrieb Maric seinen ersten Profivertrag bei Sturm - bis 2023 ist er nun auch arbeitsrechtlich und offiziell an den Verein gebunden, den er seit seiner Kindheit Heimat nennt. Und damit dort, wo er irgendwie hingehört. „Das Trainingszentrum ist mein Lebensmittelpunkt seit ich auf der Welt bin. Da kann man ja fast keinen anderen Weg einschlagen, als Fußballer zu werden“, sagt er. Auch Sturms Sportdirektor Andreas Schicker hält große Stücke auf ihn: „Luka ist ein sehr talentierter Tormann, sehr mutig und hat viel Potential.“

FREISTOß-SPEZIALIST

Aber nicht nur Schicker ist Fan von Maric, auch Vereinslegende Ivica Osim, Meistermacher 1998 und 1999 und Jahrhunderttrainer des Vereins, äußerte sich erst vor einem Jahr so über ihn: „Er ist ein riesiges Talent. Beidbeinig. Er kann ausputzen und kurz spielen. Luka könnte sogar die Freistöße schießen, so gut ist sein Schuss.“ Könnte er? „Darf ich aber noch nicht, dafür muss ich treffen“, sagt Maric. Wie jetzt, ernsthaft? „Ich hab mit dem Trainerteam bei den Amateuren einen Deal: Ich schieße nach jedem Abschlusstraining einen Freistoß. Wenn ich einmal treffe, darf ich im Spiel auch zum Freistoß antreten.“ Bisher ist es ihm noch nicht gelungen. „Aber ich arbeite daran“, lacht er.

Vater Simo Maric ist übrigens exakt seit 18. Februar 1993 beim Verein - und damit der längstdienende Zeugwart der gesamten Bundesliga. Und was will der Junior erreichen? „Es gibt viele Bereiche, in denen ich mich noch verbessern muss. Aber natürlich wäre es mein großer Traum, einmal für Sturm in der Bundesliga zu spielen.“

Dieser Text ist in der Frühjahrs-Ausgabe 20/21 des Bundesliga-Journals erschienen. Die aktuelle Ausgabe mit sämtlichen Geschichten, Interviews und den Stories zu allen Bundesliga-Klubs erhalten Sie im Zeitschriftenhandel oder bequem und preiswert im Abo: https://www.bundesliga.at/de/medien/bundesliga-journal/journal-abo/

Artikel teilen: