11 Fragen an Kelvin Arase

13. Mai 2022 in ADMIRAL Bundesliga

Kelvin Arase kickt seit er zwölf ist bei Rapid. Noch zwei Runden, dann verlässt er nach elf Jahren Hütteldorf, um nach Karlsruhe zu wechseln. Nicht ohne sich zuvor noch den „11 Fragen“ von bundesliga.at zu stellen.

 

1. Kelvin, noch zwei Bundesliga-Runden, dann wechselst du nach Karlsruhe. Überwiegt die Vorfreude auf den neuen Klub oder die Wehmut, Rapid verlassen zu müssen?

Beides. Ich freue mich auf die neue Herausforderung, bin aber auch traurig, dass ich Rapid und Wien dafür verlassen muss. Ich war bisher zwei Mal in Karlsruhe, um mir die Stadt wirklich anzuschauen, hatte ich aber zu wenig Zeit. Es ist eine ruhige Stadt, nicht vergleichbar mit Wien, aber ich glaube, ich werde mich wohlfühlen.

2. Was hat zu deiner Entscheidung geführt und was erwartet dich sportlich in Karlsruhe?

Es war keine leichte Entscheidung, aber ich wollte den nächsten Schritt ins Ausland machen. Ich habe auch das Gefühl gehabt, dass ich nicht so gut ins System von Ferdinand Feldhofer passe, weil ich kein Rautenspieler, sondern ein echter Flügelspieler bin. Beim KSC bin ich im 4-2-3-1 als Flügel eingeplant. Ich habe die Mannschaft in den letzten Spielen beobachtet, sie hat dabei immer sehr viel Moral bewiesen und auch wenn es von der Klubführung keine Vorgabe gibt, aufsteigen zu müssen, glaube ich doch, dass wir uns in den Top fünf etablieren und um den Aufstieg mitspielen können.

3. Wenn du bei Feldhofer nicht so gut ins System passt, wen würdest du als deinen wichtigsten Trainer bei Rapid bezeichnen?

Feldhofer hat mir nach guten Leistungen auch gratuliert, aber meine wichtigsten Trainer, würde ich sagen, waren Büskens und Kühbauer. Unter Büskens habe ich als 17-Jähriger mein Bundesliga-Debüt gefeiert. Da habe ich erst realisiert, dass ich es zum Profi schaffen kann. Und Didi Kühbauer hat mich von meiner Leihe nach Ried zurückgeholt, er hat mir immer das Gefühl gegeben, dass er auf mich baut und hat mich auch in Interviews oft gelobt.

4. Du bist schon mit zwölf Jahren von Donaufeld zu Rapid gekommen, wie bist du entdeckt worden?

Sie haben bei einem Spiel zugeschaut und am nächsten Tag meinen Vater angerufen, ob ich bei Rapid spielen will. Meine Familie hatte Bedenken, weil sie gemeint hat, es wäre zu weit, mich jeden Tag vom 22. Bezirk, wo wir wohnen, in den 14. zu fahren. Aber ich habe gesagt, dass ich es alleine schaffen würde. Und ich bin dann bis ich mit 18 meinen Führerschein gemacht habe, immer öffentlich nach Hütteldorf und wieder zurück gefahren.

5. Offenbar gab es in Donaufeld eine gute Offensiv-Ausbildung, Sasa Kalajdzic kommt ja auch von dort?

Nicht nur Kalajdzic, auch Armin Mujakic und Osarenren Okungbowa, die beide mit mir bei Rapid waren. Ich war bei Donaufeld allerdings noch Defensivspieler, habe, weil ich damals einer der Größeren war, Libero gespielt. Erst bei Rapid haben sie dann gesagt, dass sie mich als Offensivspieler sehen und forcieren wollen.

6. Dass die Trainer damit richtig lagen, hat man spätestens in der U19 beim berühmten Junior Cup in Sindelfingen gesehen.

Wir sind Dritter geworden, ich war mit fünf Toren bester Torschütze und laut den Turnierverantwortlichen auch der beste Spieler. Aber damals gab es diese Auszeichnungen noch nicht, zumindest keine zum Anfassen.

7. Aber von Sky gab’s vor zwei Jahren eine ehrenvolle Auszeichnung?

In der Saison 2019/20 wurde ich vor Raguz, Haaland, Weissman und Szoboszlai zum „Newcomer der Saison“ gewählt. Aber auch dafür habe ich keine Trophäe bekommen. Alle meine Pokale, die ich daheim habe, sind aus dem Nachwuchs.

8. Du bist mit sechs Jahren aus Nigeria nach Wien gekommen und hattest lange keine Gelegenheit, dein Geburtsland zu besuchen. Konntest du das schon nachholen?

Letztes Jahr im Winter ist es sich endlich ausgegangen. Es war natürlich wunderschön, den Teil meiner Familie, der in Nigeria lebt, einmal nicht nur auf Video zu sehen. Es war aber auch schön, Dinge, an die ich nur noch brüchige Erinnerungen hatte, wieder zu erleben. Leider waren die zwei Wochen viel zu schnell vorüber.

9. Denkst du daran, vielleicht einmal für Nigeria zu spielen oder hoffst du, dass es noch mit Österreich klappt?

Das wäre schon etwas Besonderes, wenn ich eine Einberufung aus Nigeria bekommen würde, aber im Moment könnte ich gar nicht sagen, wie ich mich entscheiden würde. Ich habe von der U15 bis zur U21 immer für Österreich gespielt. Ich würde für beide Länder gerne spielen. Aber wenn ich mich für eines entscheiden müsste, würde mir das sehr schwer fallen.

10. Du hast in deinen bisher 75 Spielen in der ADMIRAL Bundesliga zehn Tore erzielt, vier gegen die WSG Tirol und drei gegen Sturm. Warum liegen dir diese Teams besser als andere?

Ich glaube, das ist eher Zufall. Jeder Spieler würde gerne gegen jeden treffen. Aber es gibt einfach  so Spiele, in denen alles passt, in denen dir alles gelingt oder in denen du einfach immer an der richtigen Stelle bist. Warum es gerade gegen diese beiden Gegner so gut geklappt hat, kann ich nicht sagen.

11. Gegen Salzburg, euren nächsten Gegner, hast du in acht Spielen hingegen erst einen Punkt geholt. Was nimmst du dir für dein letztes Duell gegen den Meister vor?

Es ist schwer, sich gegen Red Bull Salzburg etwas vorzunehmen. Die sind richtig gut. Wir wollen jedes Mal so lange wie möglich die Null halten, keine unnötigen Fehler machen, weil wenn du gegen sie einmal im Rückstand bist, wird es noch schwerer. Am besten wäre, lange ein 0:0 zu halten und kurz vor Schluss in Führung zu gehen. Aber in den letzten Spielen war es eher umgekehrt.

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