LASK-Neuzugang Horvath: „Bin erwachsen geworden“

14. September 2021 in ADMIRAL Bundesliga So turbulent hätte sich Sascha Horvath seinen Einstand beim LASK nicht vorgestellt. Nur einen Tag nach der 0:2-Niederlage gegen die Austria und drei Tage vor dem Conference-League-Spiel bei HJK Helsinki wurde Trainer Dominik Thalhammer entlassen. Doch wer schon so viel erlebt hat wie der Mittelfeld-Zangler, den wirft so schnell nichts aus der Bahn. Der 25-Jährige sagt: „Mit unserer Qualität werden wir sicher wieder nach vorne kommen.“

Sascha Horvath ist jemand, der sich auf sein Bauchgefühl verlässt. Noch einen Tag vor Ende der Transferfrist war er sich nicht sicher, welchem der um ihn werbenden Klubs er sein Ja-Wort geben soll. Schlaflose Nächte hat ihm das nicht bereitet. „Die hatte ich, als ich bei Dynamo Dresden nicht mehr zum Spielen kam“, sagt er lachend im Gespräch mit bundesliga.at. „Diesmal hatte ich drei super Optionen, die alle für mich gepasst hätten.“ In Hartberg zu bleiben war die eine, zu Rapid oder zum LASK zu wechseln die beiden anderen. Noch am späten Sonntagabend hat er Gespräche mit den Interessenten geführt, am Montag hat er sich dann entschieden. Für die Oberösterreicher.

Abstiegskampf mit Dynamo Dresden

Wer glaubt, dass dabei seine Austria-Vergangenheit eine Rolle gespielt hätte, ist auf dem Holzweg. „Überhaupt nicht, das ist mehr als sechs Jahre her“, versichert er. „Aber die Vorstellungen des LASK, der Plan, den sie mir für die Zukunft skizziert haben – das hat mich überzeugt. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich ganz viele Spieler schon von früheren Stationen oder Nachwuchs-Nationalteams kenne. Das hat es leichter gemacht.“ Das Bauchgefühl also. Das hat ihm auch suggeriert, dass die Mannschaft besser ist, als es die ersten Ergebnisse in der ADMIRAL Bundesliga oder der Tabellenstand ausweisen. „Die Qualität ist vorhanden, da brauchen wir nicht zu diskutieren. Wenn wir als Mannschaft noch mehr zusammenwachsen, wird unser Weg wieder nach oben führen, keine Frage.“

Die Gelassenheit kommt nicht von ungefähr. Sascha Horvath ist ein Profi, der zwar erst 25 Jahre alt ist, in seiner Laufbahn aber schon viel erlebt hat. Er feierte in der amtierenden Meistermannschaft der Austria 2013 sein Bundesliga-Debüt, spielte mit Sturm um den Europacup und kämpfte mit Dynamo Dresden (und mit Wacker Innsbruck, wohin er verliehen wurde) gegen den Abstieg. So etwas stählt. „In Dresden waren spezielle Anhänger dabei, da hatten wir im Kampf um den Klassenerhalt richtig Stress. Das ist ein ganz anderes Kaliber.“

„Menschlich top in Hartberg“

Von 2017 bis 2020 stand er im Osten Deutschlands unter Vertrag, spielte in der zweiten und dritten Liga, wusste aber schon länger, dass seine Zeit dort abgelaufen ist. Da kam das Angebot des TSV Hartberg gerade recht, wobei er schon reiflich überlegte, ob dieser Schritt für ihn der richtige ist. „Letztlich sprachen die Ruhe im Umfeld, der geringere Druck dafür, dass ich es machen wollte. Ich wusste, ich kann mich dort voll auf mich konzentrieren.“ Die Übung gelang. Horvath spielte eine bärenstarke Saison und dribbelte sich nicht nur in gegnerische Strafräume, sondern auch in die Notizblöcke größerer Klubs.

Was in so manchem Verein für eine ungute Melange sorgen könnte, lief in Hartberg amikal und professionell ab. „Es war von vornherein klar abgemacht, dass ich den nächsten Schritt machen möchte, wenn sich ein Klub von oben meldet. Als das der Fall war, hat man mir keine Steine in den Weg gelegt, was ich den Verantwortlichen hoch anrechne.“ Und das, obwohl der Verlust des Offensivspielers, der mit drei Liga-Toren und einem Treffer im Cup zum Saisonstart manche Ausrufezeichen setzte, sicherlich ein schmerzhafter war. „Das hat mir nochmal gezeigt, wie menschlich es in Hartberg zugeht, das hat mich extrem gefreut. So etwas gibt es nicht überall in der Fußball-Welt.“

Was ihn beim LASK neben den erwähnten Vorzügen reizte, war die Aussicht, endlich auf europäischer Ebene sein Können zu zeigen. Bis auf 14 Quali-Minuten gegen Rubin Kasan mit Sturm Graz fehlt Horvath diese Erfahrung noch. Am Donnerstag geht es in der neu geschaffenen Conference League nach Helsinki, danach warten noch Maccabi Tel Aviv und FC Alashkert aus Armenien auf die Linzer. „Es kribbelt schon extrem“, sagt Horvath. „Im Europacup hat man die Chance, etwas gutzumachen. Auch wenn wir keinen Gegner unterschätzen sollten. Helsinki zum Beispiel führt die finnische Liga an (Anm.: Tabellenführer mit sechs Punkten Vorsprung nach 19 Spielen), das ist ein richtig harter Brocken.“

Mit dem LASK aus dem Tal der Tränen

Dass es das Spiel eins nach Dominik Thalhammer wird, der bei seiner Verpflichtung natürlich eine Rolle gespielt hat, gehört zu den Unwägbarkeiten des Geschäfts, mit denen man klarkommen muss. Wobei Horvath betont, dass das Klima innerhalb des Klubs längst nicht so schlecht ist, wie man von außen meinen könnte. „Wir haben die Qualität, uns aus der Situation zu befreien. Dafür werden unsere Führungsspieler schon sorgen.“ Sagt Horvaths Bauchgefühl. Zu diesen Leadertypen will sich der Rekord-Nachwuchs-Nationalspieler (63 Einsätze) früher oder später auch zählen, das ist der Anspruch des Mannes, der in seiner Laufbahn schon so viel gesehen hat. „Ich bin in den letzten Jahren erwachsen geworden. Das wird schon wieder.“

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