Rapids „Robert Löwenherz“ vor Dinamo Zagreb, Ljubicic: „Ein großartiges Spiel für mich“

19. Oktober 2021 in ADMIRAL Bundesliga Am Donnerstag will Rapid erstmals in der Europa League anschreiben. Im Allianz Stadion wartet ab 18.45 Uhr der kroatische Serienmeister Dinamo Zagreb. Für Neuzugang Robert Ljubicic gleich aus mehreren Gründen ein ganz besonderes Aufeinandertreffen.

So etwas nennt man wohl Reise in die Vergangenheit. Oder besser: bis zur eigenen Geburt. Weil Zoran Ljubicic ein glühender Anhänger von Roter Stern Belgrad war, hat er seine Söhne nach DEJAN Savicevic und ROBERT Prosinecki benannt. Letzterer begann seine große Karriere bei Dinamo Zagreb. Und genau auf diesen Klub trifft Neo-Rapidler Robert Ljubicic, selbst mit bosnisch-kroatischen Wurzeln ausgestattet, am Donnerstagabend in der dritten Runde der Europa League, nachdem die ersten beiden Spiele gegen Genk (0:1) und West Ham (0:2) verloren gingen. „Unter dem Aspekt, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollen, ist es ein Match wie jedes andere“, sagt der 22-Jährige. „Aber für mich persönlich ist es schon ein großartiges Spiel.“

Mannschaft mit Winner-Gen

Was auch daran liegt, dass er zweimal für die U20-Auswahl des kroatischen Verbandes einberufen wurde. Die Spiele gegen Frankreich (1:1) und die Schweiz (1:4) hat er als „tolle Erlebnisse, bei denen ich viel lernen durfte“ abgespeichert. Nicht ausgeschlossen, dass er am Donnerstag den einen oder anderen Kollegen von damals wiedertrifft. Den defensiven Mittelfeldspieler Bartol Fanjic zum Beispiel. „Wenn ich jemanden erkenne, werde ich ihn natürlich speziell begrüßen“, sagt Ljubicic, der später auch für die österreichische U21-Auswahl aufgelaufen ist. Und sich bewusst für die rot-weiß-rote Auswahl entschieden hat. „Mein Herz schlägt für beide Nationen, aber Österreich hat sich mehr um mich bemüht. Deswegen habe ich das Team auch ausgewählt. Aber im Fußballerleben darf man ja nie etwas ausschließen.“

Fakt ist: Es wird ein richtig dickes Brett sein, das die Hütteldorfer am Donnerstag zu bohren haben. In diesem Jahrtausend ist Zagreb in Kroatien das Maß aller Dinge, von den letzten 14 Meistertiteln gingen 13 an den Hauptstadt-Klub. Nur 2017 hatte Rijeka knapp die Nase vorn, und Zagreb wurde „nur“ Vizemeister. Auch in dieser Saison haben sie erst ein Match verloren und spielten am vergangenen Wochenende 3:3 in Rijeka – nachdem sie bereits 0:3 in Rückstand lagen. „Sie haben eine unglaubliche Siegermentalität, geben sich nie geschlagen. Wozu sie auch international fähig sind, hat man ja vergangene Saison in der Europa League gesehen“, weiß Ljubicic. Und spielt damit auf die Sensation an, als man gegen Tottenham eine 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel wettmachte und mit einem 3:0-Sieg nach Verlängerung ins Viertelfinale einzog. Und zwar nicht gegen eine lustlose B-Elf, sondern gegen eine mit fast allen Stars gespickte Mannschaft rund um Harry Kane, Gareth Bale oder Dele Alli.

„Robert Löwenherz“

Dazu kommt, dass Rapid nach exakt der Hälfte des Grunddurchgangs den eigenen Erwartungen hinterher hinkt. Zuletzt gab es ein enttäuschendes 1:1 bei Aufsteiger Austria Klagenfurt, bei dem man fast 70 Minuten in Überzahl agierte. „Momentan sind wir in einer schwierigen Phase, in der extrem viel gegen uns läuft“, sagt der Mittelfeld-Motor, der die ersten fünf Spiele wegen einer alten Sperre und zwei weitere Einsätze wegen einer Verletzung verpasste. „Jetzt ist es wichtig, dass wir nicht den Kopf in den Sand stecken, weiter hart arbeiten und schauen, dass wir da wieder herauskommen.“

Was den Einsatz angeht, geht Ljubicic immer mit gutem Beispiel voran, scheut keinen Zweikampf und lebt die Tugenden vor, die Trainer Didi Kühbauer von seinen Spielern einfordert. „Robert hat ein Löwenherz“, gab es bereits ein Sonderlob vom Coach, der seinem Schützling vor etwas mehr als drei Jahren zum Profidebüt verhalf. Das war zu gemeinsamen Zeiten beim SKN St. Pölten. Mittlerweile sind sie bei Rapid, wo Robert der Nachfolger seines eigenen, zum 1. FC Köln nach Deutschland abgewanderten Bruders Dejan wurde, wieder vereint. „Natürlich ist es ein Vorteil zu wissen, wie der Trainer tickt und was er von einem verlangt. Aber für mich ging mit meinem Wechsel zu Rapid ohnehin ein Traum in Erfüllung. Das Gefühl, bei meinem ersten Ligaspiel von Beginn an ein Tor zu schießen (Anm.: gegen Ried), war unbeschreiblich.“

Der Papa als Kritiker

So etwas schreit nach Wiederholung, am besten schon gegen Dinamo Zagreb. Auch bei diesem Spiel wird Vater Zoran, selbst ein sehr guter Fußballer, wieder auf der Tribüne sitzen. Die Spiele seines Sohnes, die er in den letzten gut drei Saisonen verpasst haben, „kann man an einer Hand abzählen“, erzählt Robert. Allerdings kommt er längst nicht nur zum Daumendrücken nach Hütteldorf, nachher werden die Spiele immer beinhart analysiert. „Auch wenn er als echter Knipser ein anderer Spielertyp war, kann er mir wertvolle Tipps geben. Sein Feedback ist mir sehr wichtig. Ich finde es großartig, jemanden zu haben, der sich super auskennt und dem ich uneingeschränkt vertraue.“

Und in Gewissensnöte, ob er zu Rapid oder dem Klub, wo sein großes Idol Robert Prosinecki einst spielte, helfen soll, kommt der Papa sicher auch nicht. „Nein, da ist er ganz klar auf meiner Seite“, sagt Robert Ljubicic grinsend. Wäre gut, wenn er auch am Donnerstag nach seiner Reise in die Vergangenheit etwas zu lachen hätte.

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