Siebenhandls außergewöhnliches Auftakt-Tor: 80 Meter, 81 Sekunden

20. July 2021 in ADMIRAL Bundesliga Am Freitag startet die Saison der ADMIRAL Bundesliga. Vor ziemlich exakt zehn Jahren staunte Fußball-Österreich über ein ganz besonderes erstes Saison-Tor. Der Schütze Jörg Siebenhandl, damals in Diensten von Wiener Neustadt, erinnert sich. Mit seinem aktuellen Klub SK Puntigamer Sturm Graz will er zum Liga-Auftakt gegen Red Bull Salzburg wieder ein Husarenstück abliefern.

„So etwas habe ich bisher nur auf YouTube gesehen - in exotischen Ligen“, schüttelte Mattersburg-Trainer Franz Lederer an diesem 16. Juli 2011 den Kopf über das erste Gegentor seiner Mannschaft. Es war ein Tor, das man fürwahr nicht alle Tage sieht. Ein Freistoß-Tor. Aus über 80 Metern. Erzielt von einem …Tormann!

Jörg Siebenhandl, der Schütze des außergewöhnlichen Treffers, erinnert sich: „Es gab nach einem Stürmerfoul Freistoß für uns knapp außerhalb unseres Sechzehners. Ich wollte den Ball schön weit nach vorne in den gegnerischen Strafraum bringen und schauen, was passiert.“ Schön geschaut hat der heutige Sturm-Keeper, der damals das Gehäuse des SC Wiener Neustadt hütete, dann auch, als sein Abschlag nur wenige Meter vor SVM-Goalie Thomas Borenitsch auf- und im hohen Bogen über den Burgenländer hinweg ins Tor sprang.

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Jubel zunächst verhalten

„Ganz so einfach war’s nicht“, korrigiert der heute 31-Jährige, „da war ja auch noch Günter Friesenbichler, der nachgesetzt hat und profitieren wollte. Ob er den Ball vor oder erst hinter der Linie ins Netz gedrückt hat, war für mich nicht zu erkennen.“ Deshalb war der Jubel zunächst ein recht verhaltener, nur der in der Nähe des Schlussmanns positionierte Kapitän Simkovic kam zum Abklatschen. „Man darf nicht vergessen, es war das erste Saisonspiel und wir waren eine ganz neu zusammengewürfelte Mannschaft. Und dass wirklich ich der Torschütze war, haben ja erst die TV-Bilder bewiesen.“ Lachender Nachsatz: „Wenn’s nicht so gewesen wäre, hätten sie’s sicher so hingedreht.“

Denn dass das eine besondere Geschichte war, die ihm da gelungen ist, war dem damals 21-Jährigen sofort klar. „Wie oft gibt es schon ein Tormann-Tor? Noch dazu zum Saisonauftakt, als die Saison gerade einmal 81 Sekunden alt war. Und das in meinem erst zweiten Bundesligaspiel!“ Um den Torschnitt von 50 Prozent hätten ihn viele Stürmer beneidet. „Aber leider habe ich ihn nicht halten können“, lacht der zweifache Nationalspieler, dessen Torkonto auch nach 254 Bundesligaspielen noch bei 1 steht.

Weltberühmt in Österreich

Zur weltweiten Berühmtheit, die einem Tormann heutzutage mit so einem Tor sicher wäre, hat’s 2011 noch nicht gereicht. „Social Media steckte ja noch in den Kinderschuhen. Es gab Facebook und YouTube, aber dann war schon z’sammg’räumt“, hatte der Treffer für den Jungkeeper dennoch große Bedeutung. „Das Tor hat es für mich schon einfacher gemacht. Mich hat auf einen Schlag einfach jeder gekannt. Und es war auch ein super Auftakt in die Saison.“ Für den Klub, weil der 2:1-Sieg in Mattersburg die Basis zum Klassenerhalt war, für Jörg Siebenhandl, weil er am Ende der Saison von der Bundesliga als „Tormann des Jahres“ ausgezeichnet wurde. „Ich nehme an, nicht nur wegen des Tores…“.

Freude macht ihm sein Treffer zehn Jahre später noch immer. „Auch wenn es viele Junge heute gar nicht mehr kennen. Es hat auch schon Klubkollegen gegeben, die gefragt haben ‚Was, du hast ein Freistoßtor geschossen?‘“ Ganz zu schweigen von den Kindern in den „Tormannschulen Österreich“, die er gemeinsam mit seinem Bruder Udo, heute Tormanntrainer bei der Wiener Austria, betreibt. „Die haben natürlich keine Ahnung, wenn man fragt, wer der letzte Tormann war, der in der Bundesliga ein Tor erzielt hat.“

Bullen-Code

Selbst schnellere Auftakttore gab es in der Geschichte der Bundesliga nur zwei Mal – 1989, als der Admiraner Helmut Graf den Ball in der Grazer Gruabn schon in der ersten Minute ins eigene Tor bugsierte und 2015, als der damalige Mattersburger Markus Pink gleich nach dem Anpfiff Meister Red Bull Salzburg schockte. Mit einem Sieg gegen die Bullen würden auch Siebenhandl und seine Sturm-Kollegen gerne in die ADMIRAL Bundesliga starten. Immerhin waren sie die einzigen, die den Meister in der Vorsaison zwei Mal besiegen konnten.

Davon, dass sie den Red-Bull-Code geknackt hätten, könne jedoch keine Rede sein. „Dass wir sagen, wir müssen nur das und das machen, um Salzburg zu schlagen, wird nie der Fall sein. Da müssen schon die Umstände perfekt passen. Im Vorjahr war es so, dass sie gegen uns Spieler geschont haben, dann haben wir zwei Mal einen sehr guten Tag erwischt und ihre Fehler eiskalt ausgenützt.“ Aber wer sagt, dass das am 23. Juli 2021 nicht wieder passieren kann? Jedenfalls eher als ein zweites Siebenhandl-Tor zum zehnjährigen Jubiläum…

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