Zlatko Junuzovic: „Wir haben so viel Qualität, da passieren die Rekorde fast von selbst“

12. October 2021 in ADMIRAL Bundesliga Red Bull Salzburg eilt wieder von Rekord zu Rekord. Zlatko Junuzovic ist wegen einer Fersen-Verletzung noch zum Zuschauen verurteilt. Vielleicht weiß er deshalb die Leistungen seiner Mannschaft besonders gut einzuschätzen.

Als du vor dreieinhalb Jahren von Werder Bremen zu Red Bull Salzburg gewechselt bist, wusstest du, dass der Klub in Österreich einen ähnlichen Status hat, wie Bayern München in Deutschland. Aber durftest du erwarten, dass es so gut läuft, wie es läuft?

Ich wusste, dass Red Bull Salzburg einen guten Weg geht und schon sehr weit mit seiner Philosophie ist. Immerhin war der Klub gerade im Europa-League-Halbfinale und hätte sich auch den Finaleinzug verdient gehabt. Trotzdem konnte ich nicht sicher sein, dass es auch für mich persönlich passen würde. Ein bisschen Anspannung ist bei einem Vereinswechsel immer dabei. Aber ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt und es hat nicht lange gedauert, dass ich mich auch in die Mannschaft eingefügt habe.

Du hast von 72 Bundesliga-Spielen 55 gewonnen, nur sechs verloren. Wie fühlt es sich an, in einer Mannschaft zu spielen, die alles gewinnt?

Ich weiß, von außen sieht es so aus, dass wir jedes Jahr locker Meister werden. Aber es steckt auch sehr viel harte Arbeit dahinter. Wir müssen viel dafür investieren, wer einmal ein Training von uns gesehen hat, weiß, dass es jedesmal die totale Herausforderung ist. Trotzdem höre ich jedes Jahr, dass wir diesmal zu knacken sein werden, weil der Umbruch wieder so groß war. Daran, dass es dann doch nicht so ist, sieht man auch die Stärke unserer Philosophie, das Know-How in der Kaderzusammenstellung, die Risiken, die eingegangen werden, einfach die gute Arbeit, die bei uns geleistet wird. Was ich damit sagen will: Es ist nichts selbstverständlich. Für mich selbst ist es natürlich schön, Teil davon zu sein. Wir sind immer Favorit und müssen diese Rolle immer wieder bestätigen. Aber wir kennen diese Rolle und wir nehmen sie an. Deshalb ist es schon auch bewundernswert, dass es wieder so klappt. Das hat auch mit der Erfahrung und Cleverness zu tun, die wir mittlerweile trotz der vielen jungen Spieler haben.

Ihr seid jetzt zum zweiten Mal mit zehn Siegen in die Saison gestartet, in Heimspielen hat ihr 42 Mal in Serie immer zumindest ein Tor erzielt und damit einen Uralt-Rekord Rapids geknackt. Machen dich solche Rekorde, von denen man vielleicht noch in Jahrzehnten sprechen wird, stolz?

Die Auszeichnungen sind eine Bestätigung für unsere Arbeit. Sie zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber die Arbeit hört damit nicht auf. Wir wollen diese Serien noch ausbauen und noch mehr unseren Stempel aufdrücken. Wir sind noch lange nicht satt, wir haben so viele junge Spieler mit einer unglaublichen Qualität. Da passieren die Rekorde fast von selbst. Für uns ist nur wichtig, dass wir gewinnen, weil sich das gut anfühlt, die Rekorde sind dann eine Randnotiz. Am Ende geht es darum, Titel zu gewinnen. Das ist das, was wirklich zählt.

Zuletzt sind schon erste Artikel in den Zeitungen aufgetaucht, dass ihr eine Saison ohne Niederlage hinlegen könntet. Wie die legendären „Invincibles“ von Arsenal. Ist das ein Ziel von euch?

Die Frage hat mir vor ein paar Tagen auch ein Freund gestellt. Aber wir können das schon einschätzen: Eine Saison ist lang, es gibt immer wieder unvorhersehbare Ereignisse, deshalb werden wir uns nicht so weit hinauslehnen und das als Ziel hinaus posaunen. Unsere nationalen Ziele sind, die Meisterschaft und den Cup gewinnen. In der Champions League wollen wir so gut wie möglich mithalten und im Frühjahr international noch mit dabei sein. Es kann schon sein, dass wir dann in der Bundesliga auch Spiele verlieren. Aber dann ist es so. Wichtig ist, dass wir dann schnell wieder aufstehen. Das war auch in den letzten Saisonen immer so. Es waren nicht viele, aber es waren immer Niederlagen dabei.

Einer der Gründe für deinen Wechsel nach Salzburg war auch, dir den Wunsch von der Champions League erfüllen zu können. In dieser Saison konntest du sie wegen Verletzungen noch gar nicht genießen. Wird’s gegen Wolfsburg schon klappen?

Es hat in meinen Überlegungen schon mitgespielt, mit Red Bull Salzburg wieder international spielen zu können. Zum Glück haben wir uns den Champions-League-Traum verwirklichen können. Das ist einfach das höchste Niveau, die größte Bühne für einen Fußballer. Wir hatten schon sehr schöne, unglaubliche Momente, deshalb ist es für mich im Moment vom Kopf her schon etwas schwierig, zum Zuschauen gezwungen zu sein. Es kribbelt, ich bin ehrgeizig, ich will mithelfen, aber es ist komplex mit dem Fuß und deshalb schwierig, eine Prognose abzugeben.

Du bist vor kurzem 34 Jahre alt geworden, bist schon einer der Senioren im Team, wie kommt man da mit den vielen jungen Spielern aus?

Die halten jung! Sie sorgen immer für gute Stimmung und wir haben will Spaß zusammen. Unsere Truppe spielt einfach gerne miteinander.

Einer der Jungen, Karim Adeyemi, ist als erster Spieler der österreichischen Bundesliga ins deutsche Nationalteam berufen worden. Was macht ihn so besonders?

Am Anfang, als er zu uns gekommen ist, war er noch sehr nervös, aber seine Qualität ist immer herausgestochen. Seine Schnelligkeit und Wendigkeit, sein Zug zum Tor sind schon einzigartig. Und er wird sich noch mehr steigern, er wird immer besser, sein Potenzial ist einfach riesig, Darauf, dass er im deutschen Nationalteam Fuß fasst, kann er schon sehr stolz sein. Schön, dass er sich gleich im ersten Länderspiel mit einem Tor belohnt hat.

Und dir geht das Nationalteam gar nicht ab?

Es war nicht ganz leicht, vor vier Jahren diesen Schlussstrich zu ziehen, aber es passt für mich. Es gibt ja sehr viele gute, junge Spieler. Der Christoph Baumgartner ist einer, der mir richtig gut gefällt. Sie sollen ihre Spiele und Chancen bekommen, ich habe meine schöne Zeit im Team schon gehabt.

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