Ferdinand Oswald: Zum Glück abgestiegen

23. Jänner 2023 in ADMIRAL Bundesliga

Um ein Haar wäre es für die WSG Tirol bei nur einer Saison in der ADMIRAL Bundesliga geblieben. Kapitän Ferdinand Oswald weiß heute, dass der (Fast-)Abstieg 2019/20 sogar ein Glücksfall war.

 

„Vor dem Spiel waren wir so fokussiert. Danach war nur noch unglaubliche Leere.“ Ferdinand Oswald kann die Gefühle, die er am 4. Juli 2020 durchlebt hat, immer noch abrufen. 90 Minuten hatte die WSG Tirol gegen die Admira noch Gelegenheit gehabt, den sofortigen Abstieg aus der Bundesliga zu verhindern. Zwei Mal hätte Stefan Maierhofer einnicken können, in der 82. Minute knallte Zlatko Dedic den Ball an die Stange. Aber am Ende fehlte den Tirolern ein Tor zum Klassenerhalt. „Wir haben es selber verkackt“, blickt der WSG-Kapitän auf das bitterste 0:0 seiner Karriere zurück.

Im luftleeren Raum

Dabei hatte alles so schön begonnen. Mit einem 3:1-Heimsieg gegen die Wiener Austria. „Es war für viele von uns das erste Bundesligaspiel. Dass wir gleich gegen die Austria gewonnen haben, war extrem lässig. Auch in den ersten vier Spielen nach der Winterpause waren wir richtig gut drauf.“ Mit sieben Punkten waren Oswald & Co. auf Platz zehn geklettert, als der Lockdown kam. „Ich behaupte ja heute noch, wenn Corona nicht gekommen wäre, wären wir nicht abgestiegen. In Tirol durften wir ja bis zum Schluss nicht raus, nicht einmal zum Laufen. Als es wieder los ging, hatten wir komplett unseren Flow verloren.“ Der Abstieg hat die Zukunft des ganzen Klubs infrage gestellt. „Da waren wir ein paar Wochen im luftleeren Raum“, gesteht Langzeit-Trainer Thomas Silberberger. „Es gab Überlegungen, ob man so weitermachen kann, oder ob man das Budget zurückschrauben und im Halbprofibetrieb weitermachen sollte.“ Von alldem hat Ferdinand Oswald gar nicht viel mitbekommen. „Ich habe ein, zwei Wochen gebraucht, um das zu verdauen und einmal Urlaub gemacht.“ Dem Verein hatte der Torhüter, der seine Zelte erstmals 2011 inWattens aufschlug und nach anfänglichem „Kulturschock“ heimisch geworden ist (Oswald: „Ich bin doch von den Bayern gekommen und war eine andere Infrastruktur gewöhnt“), ohnehin „frühzeitig signalisiert, dass ich auch in der 2. Liga bleiben würde. Zum Glück haben wir das nie besprechen müssen. Noch im Urlaub habe ich dann die Geschichte mit Mattersburg mitbekommen.“

Weichen gestellt

In der kurzen Zeit, die nach der Auflösung des SV Mattersburg bis zum Meisterschaftsstart blieb, haben die Tiroler die richtigen Weichen gestellt. „Wenn ich heute alles Revue passieren lasse, war es – so blöd es klingt – sogar gut, dass wir fast abgestiegen wären“, sinniert Oswald. „Weil dadurch ein Umdenken stattgefunden hat, von dem wir heute noch profitieren. In unserem ersten Jahr hatten wir sehr viele alte Spieler, und der Plan bestand vor allem darin, hohe Bälle auf den Major (Anm.: Stefan Maierhofer) zu spielen. Heute haben wir viele junge Spieler und eine offensive Spielanlage.“ Dass sich die große Karriere bei den Bayern nicht ausgegangen ist, hat der Neo-Österreicher längst akzeptiert: „Ich wollte einfach so weit oben wie möglich spielen, hätte mich auch nicht beschwert, wenn es die 2. Liga geblieben wäre. Dass ich jetzt mit Wattens schon die vierte Saison Bundesliga spielen darf, ist eine Draufgabe.“ 

Redakteur: Horst Hötsch
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