Ivo Vastic im Legendentalk: „Tolle Entwicklung bei Sturm und Austria“

30. September 2022 in ADMIRAL Bundesliga

Spannende Woche für Ivo Vastic! Am Donnerstag feierte die Bundesliga-Legende seinen 53. Geburtstag, am Sonntag (17 Uhr) treffen „seine“ Klubs Austria Wien und SK Puntigamer Sturm Graz in der ADMIRAL Bundesliga aufeinander. Grund genug für bundesliga.at, beim früheren Klasse-Stürmer und heutigen Individualtrainer durchzuklingeln. Als Vastic abhebt, dreht er gerade eine Runde auf dem Golfplatz am Wienerberg, nimmt sich aber dennoch Zeit für ein Gespräch. „Man muss das Leben auch genießen können“, sagt er lachend. Und unterbricht das Interview immer wieder mal kurz, um den Schläger zu schwingen.

 

Ivo, du bist seit einigen Jahren in der Austria-Akademie beschäftigt. Was genau ist deine Aufgabe dort?

Ich bin als Individualtrainer für die Offensivspieler bei allen drei Mannschaften zuständig, die U15, U16 und U18. Wir haben einige starke Talente bei uns, auf deren Zukunft ich sehr gespannt bin. Manche, mit denen ich gearbeitet habe, sind auch schon oben angekommen. Matthias Braunöder, Muharem Huskovic oder Romeo Vucic zum Beispiel.

Am Sonntag spielt die Kampfmannschaft gegen Sturm Graz, die Generali Arena ist bereits restlos ausverkauft. Du hast bei beiden Vereinen Spuren hinterlassen. Wie werden deine Sympathien verteilt sein?

Das wird für mich hart werden, ich gebe es zu. Ich hoffe auf ein interessantes Spiel und freue mich, wenn der an diesem Tag Bessere gewinnt. Das Gute ist: Beide Mannschaften sind gut drauf, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein richtig attraktives Match zu sehen bekommen. Und frag mich bitte nicht nach einem Tipp… (lacht)

Gut, überspringen wir das… Wie du sagst, haben beide Vereine zuletzt eine sehr gute Entwicklung genommen. Welche hat dich mehr überrascht?

Das Spannende ist, dass sich beide auf sehr unterschiedliche Art und Weise entwickelt haben. Bei Sturm imponiert mir, dass sie sich auf dem Transfermarkt immer punktuell verstärkt haben, obwohl sie auch immer wieder schwere Abgänge zu verkraften hatten, wie zuletzt der von Höjlund. Da finden sie immer schnell Ersatz, der gleich wieder voll einschlägt. Die Austria hat dagegen einen Weg mit jungen Eigenbauspielern eingeschlagen. Sehr interessant, auch für den österreichischen Fußball insgesamt. Zwei verschiedene Ansätze, die beide funktionieren. Es führt eben nicht nur ein Weg nach Rom.

Was traust du beiden in der Meisterschaft zu?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die Meisterrunde für beide ausgeht. Sturm sowieso, aber auch die Austria sollte es trotz Punkteabzug schaffen. Dass Sturm allerdings Red Bull Salzburg angreifen und ihnen den Titel streitig machen kann, glaube ich nicht. Der Titel ist für Salzburg reserviert, dahinter geht es für einige Mannschaften um Platz zwei, das wird ein enges Rennen. Sehr spannend.

Beide Klubs vertreten Österreich im Europacup, nächste Woche kommt es zu den Kracherspielen gegen Villarreal (Austria) und Lazio Rom (Sturm). Ist der Aufstieg drin?

Da bin ich Realist und sage: Das wird schwer! Ich bin aber überzeugt, dass die Erfahrungen, die man dort sammeln kann, irrsinnig wertvoll sind, unabhängig davon, ob man am Ende die K.o.-Runde erreicht. Vor allem für die jungen Spieler bei der Austria ist das eine tolle Chance, sich weiterzuentwickeln. Gegen Villarreal nimmt sicher jeder etwas für sich mit, unabhängig vom Ausgang.

Du hattest bei Sturm fantastische Erfolge, national wie international, und gehörst dort zum „magischen Dreieck“ mit Hannes Reinmayr und Mario Haas. Wenn du dich für ein Highlight dort entscheiden müsstest…

… dann würde ich die Kontinuität betonen, mit der wir über drei Jahre agiert haben. Drei Jahre nacheinander in die Champions League zu kommen, das haben nicht viele in Österreich geschafft. Zumal wir uns auch dort Jahr für Jahr gesteigert haben. Aber natürlich waren auch die nationalen Titel schön, ohne die hätten wir die tollen Europacup-Abende ja gar nicht erleben können. Solche Erinnerungen bleiben für immer.

Mit der Austria wurdest du als Spieler 2005 Cup-Sieger, dein Vertrag wurde in dem Jahr allerdings nicht verlängert. Wie resümierst du deine aktive Zeit bei den Veilchen?

Es waren turbulente Zeiten! Viele Trainerwechsel, immer wieder neue Sportdirektoren – das war nicht immer einfach für uns Spieler. Aber ich kann behaupten, auch da immer meine Leistungen gebracht zu haben, deswegen bin ich auch mit diesem Abschnitt zufrieden. Was ich beeinflussen konnte, habe ich gemacht, das war in Ordnung.

Du warst bei der Austria Amateur-Trainer, Chef-Trainer, jetzt Nachwuchs-Trainer. Juckt es dich, nochmal ins Profigeschäft einzusteigen?

Momentan nicht, aber ich habe gelernt, dass man im Fußball nie etwas ausschließen sollte. Ich bin mit meinem Job total happy, das ist das, was mich derzeit am meisten reizt. Aber ich kann ja nicht wissen, was die Zukunft bringt…

Du bist nicht nur im Legenden-Klub der Bundesliga, sondern auch beim ÖFB. Wie hast du die ersten sechs Spiele unter Trainer Ralf Rangnick gesehen?

Wir stehen ja erst am Anfang einer Entwicklung. Die Gruppe in der Nations League war irrsinnig schwer, der Teamchef hat die Phase genutzt, sich erst einmal ein Bild von der Mannschaft zu machen. Das braucht noch etwas Zeit. Teilweise war es aber schon sehr in Ordnung, wie das Team Rangnicks Handschrift umgesetzt hat. Ständiger Druck, viel Pressing, da waren gute Ansätze dabei. Und die Niederlage gegen Kroatien empfand ich als sehr unglücklich angesichts der Chancen, die Österreich hatte.

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