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19. Feb. 2026

Mike Bähre SCR Altach

11 Fragen an Mike Bähre: „Altach war mein Lotto-Sechser“

Auf diesen Mann ist einfach Verlass: Altachs Mittelfeld-Abräumer Mike Steven Bähre hat im Ländle schon vieles erlebt und hat drei Runden vor Ende des Grunddurchgangs die Chance, mit den Vorarlbergern erstmals in die Meistergruppe einzuziehen. In unserer Rubrik „11 Fragen an…“ ordnet der 30-jährige Deutsche die Chancen ein und spricht über den Trainerwechsel und seinen im Sommer auslaufenden Vertrag.

1.) Seit du im Jänner 2023 in Altach unterschrieben hat, bist du sportlich eher Kummer gewohnt. Es ging immer beinhart gegen den Abstieg, war oft bis zum Schluss knapp. Wie fühlt es sich an, plötzlich um die Meistergruppe zu spielen und mit dem Cup-Finale zu liebäugeln?

Ich will gar nicht sagen, dass wir um die Meistergruppe spielen. Wir wissen genau, wo wir herkommen, haben die letzten drei Jahre immer gegen den Abstieg gespielt, wurden manchmal erst in der letzten Runde gerettet. Es geht eng zu in der Tabelle, aber unser Saisonziel war von Anfang an, nicht abzusteigen. Das bleibt auch so. Alles, was darüber hinaus geht, betrachten wir als Bonus.

2.) Die letzten drei Gegner bis zur Teilung heißen Austria, Rapid und Sturm, gegen das ihr zuletzt im Cup gewonnen habt. Wie stehen die Chancen?

Das ist kein leichtes Programm. Wir wissen aber schon, dass wir jeden Gegner schlagen können und auch, dass wir zwei dieser drei Spiele zu Hause austragen. Dort haben wir eine gute Bilanz, es ist für jedes Team unangenehm, nach Vorarlberg zu kommen. Zwischen Platz fünf und zehn liegt alles eng beisammen (Anm.: nur vier Punkte), vieles ist möglich, gefühlt kann jeder jeden schlagen. Die Chance auf die Meistergruppe lebt, aber auch wenn es nicht reicht, gilt es, genügend Punkte zu sammeln, um einen Puffer auf den Abstiegsplatz zu haben.

3.) Von den letzten sechs Spielen hat Altach drei gewonnen und zwei Unentschieden gespielt, eine solche Serie hattest du mit der Mannschaft noch nie. Was macht das mit euch?

Mike Bähre Altach vs Austria, Kopfball

Unabhängig von diesen Ergebnissen zieht es sich schon die ganze Saison durch, dass wir ein anderes Auftreten mit mehr Selbstvertrauen haben. Das fing mit der ersten Runde gegen den WAC an, als wir souverän und verdient gewonnen haben. In den letzten Jahren waren gewonnene Spiele eher die Ausnahme, und dann kommt der Kopf ins Spiel. Wenn du nicht zu 100 Prozent daran glaubst, dass du Spiele gewinnen kannst, wird es schwierig. Jetzt gehen wir in jedes Match mit breiter Brust und wollen es gewinnen. Ich bin überzeugt: So ein Spiel wie am vergangenen Wochenende gegen Hartberg hätten wir in den Jahren davor verloren, jetzt nehmen wir zumindest einen Punkt mit.

4.) Was war vor dieser Saison anders, damit ihr dieses Selbstvertrauen generieren konntet?

Der Schlüssel war die Kontinuität, die hineinkam. Der Kader ist ähnlich geblieben, der Trainer blieb an Bord. Es hat etwas gedauert, bis die Mannschaft die Ideen des Trainers umsetzen konnte, das war ein Prozess, den wir mittlerweile verinnerlicht haben. Deswegen konnte es auch nach der Winterpause, in der der Trainer gewechselt wurde, nahtlos weitergehen. Kontinuität ist im Fußball wichtig, diese Stärke spielen wir grad aus.

5.) Du sprichst den Trainer an. Wie groß war der Schock, als Fabio Ingolitsch in der Winterpause zu Sturm Graz wechselte?

Man hat die Gerüchte im Vorfeld ja schon mitbekommen, wir Spieler lesen ja auch Nachrichten und sind in sozialen Netzwerken unterwegs. Wenn Fabio Ingolitsch die Chance bekommt, zum zweifachen Meister zu wechseln, muss er sie auch ergreifen. Das war mir und uns allen schnell klar. Er ist ein junger Trainer mit einer klaren Idee, diese Möglichkeit kann er sich nicht entgehen lassen. Klar war es schade, wir waren auf einem guten Weg. Aber so ist es im Fußball, jeder möchte den nächsten Schritt machen. Aber auch unter Ognjen Zajic spielen wir einen ähnlichen Fußball, es ist kein Abfall in unseren Leistungen zu erkennen. Wir sind super gestartet, haben gleich Sturm im Cup besiegt und auch das erste Ligaspiel gewonnen.

6.) Mit Zajic übernahm ein weitgehend unbekannter Coach das Traineramt, er ist mit euch noch ungeschlagen (zwei Siege, ein Remis) – wie ist er es angegangen?

Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie, auch Ognjen Zajic hat seine eigenen Ideen mitgebracht. Er hat aber auch vieles laufen lassen, weil er gemerkt hat, dass die Mannschaft im Flow ist, eine gewisse Spielanlage verinnerlicht hat. Von der hat er viel übernommen. Das Schlimmste für eine Mannschaft ist, wenn ein neuer Trainer kommt und erst einmal alles über den Haufen wirft. Das gab es bei uns ja auch schon. Ich finde, er hat eine sehr gute Mischung gefunden, was sich in den Ergebnissen widerspiegelt.

7.) Du hast in deiner Karriere vieles erlebt, bist als Kapitän in England von der dritten in die zweite Liga aufgestiegen, hast in Deutschland von Bundesliga bis 3. Liga alles gesehen. Wie bewertest du für dich die aktuelle Phase in Altach?

Mike Bähre Jubel - Altach

Total positiv! Ich habe für keinen Verein mehr Spiele gemacht als für Altach, gehöre hier ja auch schon zu den dienstältesten Spielern. Ich kam aus einer schweren Phase zum Klub, war vorher vereinslos. Für mich war die Chance hier wie ein Lotto-Sechser! Ich habe in den letzten zwei Jahren so gut wie kein Spiel verpasst – außer, wenn ich gesperrt war -, bin fit. Nachdem ich hier schon viele Phasen mitgemacht habe, freue ich mich über die aktuell erfolgreiche umso mehr. 

8.) Du warst schon zweimal vereinslos. Kann man solche Phasen wie jetzt dann noch mehr genießen, weil man auch die Schattenseiten gut kennt?

Auf jeden Fall! Diese Erfahrung hat mir aber auch im Abstiegskampf explizit geholfen. Klar, während einer Saison ist für einen Spieler der Abstieg das Worst-Case-Szenario. Aber ich weiß, dass einem im Fußball auch noch schlimmere Dinge treffen können. Dementsprechend sehe ich auch in sportlich schlechten Phasen nicht alles verkrampft und denke nicht: Alles läuft furchtbar! Diese gewisse Lockerheit macht es einfacher. Denn es gibt nichts Problematischeres, als wenn eine Mannschaft verkrampft und die Dinge auf Teufel komm raus erzwingen will. Das geht meistens schief.

9.) Dein Vertrag läuft im Sommer aus, du bist dann 30 Jahre alt, also noch im sehr guten Fußballeralter. Wie geht es dann weiter? Könntest du dir vorstellen, länger in Altach zu bleiben?

Dass ich mich hier pudelwohl fühle, sieht man allein schon daran, wie lange ich jetzt schon hier bin, mehr als drei Jahre. Mein Sohn kam hier vor vier Monaten auf die Welt, meine Familie lebt hier. Ich freue mich auch, gerade sportlich von dem zu profitieren, was wir uns aufgebaut haben. Ich bin sehr gespannt, wie es für den Verein weitergeht und würde mich freuen, Teil des weiteren Weges zu sein. Aber Fußball ist schnelllebig. Das Thema ist zwar schon mal gefallen, mehr kann ich dazu aber nicht sagen.

10.) In der deutschen Bundesliga bist du ein sogenanntes One-Hit-Wonder, hast vor gut zehn Jahren ein Spiel mit Hannover 96 gegen Hoffenheim absolviert. Sagst du: Super, dass ich mal dabei war und die Bundesliga kenne? Oder hätten es mehr Spiele sein können?

Mike Bähre Hannover 96 vs WAC

(lacht) Es wäre vermessen zu sagen, dass ich die Bundesliga kenne. Ich kenne sie vielleicht knapp 20 Minuten. Klar ist es schön für die Erinnerung, auch wenn es nur ein Spiel war. Davon etwas kaufen kann ich mir aber auch nicht. Es wäre schön gewesen, wenn es mehr Spiele gewesen wären, aber für mich stehen jetzt andere Dinge auf der Tagesordnung.

11.) Du kommst aus dem Großraum Hannover, wo man ja angeblich das reinste Hochdeutsch spricht… Wie sehr bist du mit dem Vorarlbergerischen schon vertraut?

Mittlerweile verstehe ich es zu 100 Prozent, das war am Anfang anders. Aber wenn man drei Jahre lang davon umgeben ist, gewöhnt man sich daran. Wir scherzen oft darüber, wenn manche Dinge hier ganz anders ausgesprochen oder betont werden. Selbst sprechen würde ich es allerdings nicht, das kann nur schiefgehen.

Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures