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29. Juli 2026

Samuel Sahin-Radlinger FAK Torwart 2026

11 Fragen an Samuel Sahin-Radlinger: „Traue unseren Young Guns viel zu“

Samuel Sahin-Radlinger ist der große Rückhalt von Austria Wien. In unserer Rubrik „11 Fragen an…“ spricht der 33-jährige Tormann über Learnings aus den verpatzten Saisonstarts, die Perspektiven der Young Guns, den Abgang von Unterschiedsspieler Abubakr Barry und die Auswirkungen der neuen Regeln auf sein Spiel.

1. Ihr seid in der Conference-League-Quali (2:0 gegen Liepaja) und im ÖFB Cup (5:0 gegen den Wiener Sport-Club) mit souveränen Auswärtssiegen gestartet. Was wurde aus der traditionellen Startschwäche der Austria?

(lacht) Da kann man wohl schon von einem Lerneffekt sprechen. Wir haben zwei ordentliche Spiele hingelegt, haben aber auch den Gedanken, dass es in beiden Partien Dinge gab, an denen wir noch arbeiten müssen. In Liepaja zum Beispiel hätten wir den Sack früher zumachen müssen. Wir haben mittlerweile eine sehr gute Grundidee, schaffen es aber manchmal nicht, diesen Spielplan zu 100 Prozent über 90 Minuten durchzuziehen. Wenn uns das gelingt, werden wir den Schwung in die Bundesliga mitnehmen können.

2. Trainer Stephan Helm hat explizit angekündigt, an einem besseren Start arbeiten zu wollen. Wie ist er das angegangen?

Es ist jetzt das dritte Jahr unter Stephan Helm, da haben sich gewisse Mechanismen in den Köpfen der Spieler verfestigt. Im Prinzip ist unser Spiel nicht das schwierigste, es geht nur darum, es konsequent umzusetzen. Ihm war in der Vorbereitung wichtig, dass wir immer in unseren Mustern bleiben, dass jeder einzelne Spieler genau weiß, was seine Aufgaben sind, um die Mannschaft zu verbessern. Und nicht auf die Idee kommt, etwas Besonderes machen zu müssen. Diesen Schritt merkt man bei uns.

3. Zum Auftakt geht es gegen den WAC (a), LASK (H) und Hartberg (a) – ab wann wäre es ein erfolgreicher Start?

Fußball ist ein Ergebnissport, aber ich werde jetzt keine konkrete Punktezahl nennen. Wenn wir unsere Idee konsequent umsetzen, bin ich mir zu 100 Prozent sicher, dass wir Spiele gewinnen werden. Die letzten Jahre haben aber auch gezeigt, dass man auch in die Spur finden kann, wenn man keinen perfekten Saisonstart abliefert.

Samuel Sahin-Radlinger FAK Torwart 2026

4. Gegen den Sport-Club stand dein Stellvertreter Mirko Kos im Tor, diese Pokal-Rotation hat unter Helm Tradition. Welcher Typ bist du: Der, der immer spielen will oder der, der seinem Konkurrenten den Platz gönnt?

Ich wäre fehl am Platz, wenn ich nicht gerne immer spielen würde. Ich kenne aber die Position des Zweier-Tormanns aus eigener Erfahrung und weiß, wie sehr man auf diese Spiele brennt. Mirko verdient sich diese Einsätze jeden Tag im Training, er gibt immer Vollgas. Ich bin sehr happy für ihn, dass er beim Sport-Club zu null gespielt hat und hoffe, dass seine Reise im Cup bis ins Finale geht.

5. Personell gab es keinen großen Umbruch bei der Austria. Wie wichtig ist diese Kontinuität gerade für einen Tormann, was Automatismen und Abläufe angeht?

Absolut wichtig! Die wenigen Spieler, die neu dazukommen, lernen im Normalfall auch schnell, weil jeder drumherum schon Bescheid weiß. Das ist das Gute! Selbst ich als Torwart weiß mittlerweile genau, wie sich unsere Stürmer zu verhalten haben oder wie die Laufwege der Zehner oder Sechser sind. Weil wir es so oft wiederholt und in den Analysen gezeigt bekommen haben. Du kannst jeden in der Mannschaft fragen und er wird dir seine Aufgaben sofort aufsagen können. Da kommt uns zugute, dass wir seit mehr als zwei Jahren mit dem Trainerteam zusammenarbeiten. 

6. Euer schmerzhaftester Abgang ist wohl der von Abubakr Barry, der zum FC Red Bull Salzburg gewechselt ist. Wie schwer wiegt das?

Abu war letzte Saison ein Unterschiedsspieler. Er konnte Spiele entscheiden. Wir sind mit unseren „Young Guns“, die in der Vorbereitung richtig aufgezeigt haben, dennoch gut aufgestellt. Denen traue ich richtig viel zu. Das haben wir gegen den WSC gesehen: Hasan (Anm.: Deshishku) kam rein und macht gleich sein Tor, Daniel Nnodim legt zwei Tore auf, Sanel Saljic hat getroffen, mit Vasilije Markovic gibt es einen weiteren hungrigen Spieler in der Hinterhand. Dazu mit Welsi (Moritz Wels) einen Spieler, der nach einem erfolgreichen Jahr in Tirol zurückkam und wahnsinnige Qualitäten in der Offensive mitbringt. Ich freue mich, dass durch Abgänge wie der von Barry die Jungs ihre Chance bekommen.

7. Bei der Austria ist traditionell Feuer im Umfeld, der Klub emotionalisiert enorm. Ist der Eindruck falsch, dass im Sommer der Fokus vermehrt auf dem Sportlichen lag?

Samuel Sahin-Radlinger FAK Action

Ich bin generell nicht mehr so auf den sozialen Medien unterwegs, lese auch kaum Berichte über uns. Aber selbst in den Jahren zuvor hat es das Trainerteam immer gut geschafft, Dinge, die von außen kommen, nicht an uns heranzulassen. Genau so ist es jetzt auch. (lacht) Ich weiß nicht, ob sie heuer weniger zu tun haben als sonst, aber das war nie ein großes Problem. 

8. Seit du vor zwei Jahren Stammkeeper wurdest, war die Austria immer in der Meistergruppe und einmal bis zur letzten Runde im Titelkampf dabei. Wie groß ist die Chance, dass in dieser Saison der ganz große Wurf gelingen kann?

Mit solchen Prognosen tu ich mich schwer. Träumen darf jeder, man soll sich auch große Ziele setzen. Ich finde es besser, sich hohe Ziele zu setzen, die man dann vielleicht knapp verpasst, als Minimalziele, die man sowieso erreicht und dafür weniger Aufwand investieren muss. Generell ist für uns wichtig, an unsere Leistungsgrenze zu kommen. Wenn das gelingt, kann es in eine richtig gute Richtung gehen. Aber jetzt vom Titel zu sprechen, nur weil wir zweimal vorne mit dabei waren, halte ich für vermessen. 

9. Die letzten Interviews mit dir kamen selten ohne die Frage aus, ob wir aktuell den besten Sahin-Radlinger aller Zeiten sehen. Ist die Routine des Alters der entscheidende Faktor, der dich nochmal zu einem besseren Keeper reifen ließ?

Wenn ich mir meine letzte Saison anschaue, muss ich sagen: Zu 100 Prozent zufrieden bin ich mit meiner Leistung nicht! Ich sehe trotz Alter und Erfahrung immer noch Verbesserungspotenzial in gewissen Situationen. Gerade als Torwart lernst du nie aus. Was mich wirklich gestört hat und auch in den Besprechungen immer wieder vorkam: Wir haben in der vergangenen Saison zu viele Gegentore bekommen. Das wollen wir abstellen, indem wir im gesamten Defensivverbund kompakter verteidigen. Wenn es mich ganz am Schluss hin und wieder braucht, soll es mir recht sein. Aber in erster Linie ist wichtig, dass wir uns als Verbund in alles reinwerfen. 

10. Womit konkret warst du nicht zufrieden?

Samuel Sahin-Radlinger FAK und TW Trainer Siebenhandl

Nach jeder Saison machen wir mit unserem Torwart-Trainer Udo Siebenhandl eine große Analyse, bei der wir jedes einzelne Tor zerlegen. Welche Treffer waren unhaltbar, welche vielleicht haltbar, welche sicher haltbar? Da waren es ein paar zu viele, die vielleicht haltbar gewesen wären, das möchte ich minimieren. Das ist ein großer Punkt. 

11. Es wird in der kommenden Saison ein paar neue Regeln geben. Die für den Torhüter gravierendste dürfte der Countdown beim Abstoß sein. Hast du dich im Training konkret darauf vorbereitet?

Wir haben vom ersten Testspiel an mit den Schiedsrichten besprochen, dass wir es immer genauso durchziehen, damit wir uns unter Wettkampf-Bedingungen daran gewöhnen können. Für mich wird es aber keine große Umstellung sein. Ich sehe eher das Problem, dass ich in der Schlussphase, wenn die Mannschaft müde ist, ihr keine Ruhephase gönnen kann, in der sie kurz durchschnaufen kann. Jeder muss sich schnell sortieren und positionieren, damit ich die Optionen habe, das Spiel ordentlich aufziehen zu können. Das ist der größte Punkt, den ich sehe.

Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures