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13. Mai 2026

BWL GAK Aufmacher

Abstiegskampf-Guru Klaus Schmidt: „Das wird ganz fürchterlich!“

Eigentlich wäre der Klassenerhalt für Blau-Weiß Linz oder den GAK ganz einfach: Man hätte nur Klaus Schmidt zurückholen müssen. Der personifizierte Feuerwehrmann, der bereits für beide Klubs tätig war, hat schon so manche aussichtslose Mission übernommen – und ist dabei noch nie abgestiegen. Vor dem Showdown der beiden Klubs baten wir den Abstiegskampf-Experten (unter anderem mit Altach, Admira oder Hartberg) um seine Einschätzung der dramatischen Lage.

Sie haben sich entschieden, als Co-Trainer im Stab von Adi Hütter zu arbeiten. Aber haben Sie sich in dieser Woche mal bei dem Gedanken ertappt, wie es wäre, wenn Sie jetzt (wieder) Trainer von Blau-Weiß Linz oder dem GAK wären?

(lacht) Ehrlich gesagt ja, das lässt einen das ganze Leben nicht los. Erst recht bei meiner Trainer-Vita, die ja von Abstiegskampf geprägt war. Deswegen verfolge ich die Partien am Samstag fast intensiver als die am Sonntag. Hier und da denke ich mir, wie es wäre, wieder dabei zu sein. Doch dann sehe ich in die Gesichter von Michael Köllner oder Ferdinand Feldhofer und registriere, wie sie von Woche zu Woche angespannter werden – das ist ein Wahnsinn! Ich weiß dann, dass es beide gerade wahrlich nicht guthaben. Ich beneide sie jedenfalls nicht um ihre Aufgabe.

Sie haben mal gesagt: „Abstiegskampf ist so, wie wenn du in eine Steckdose greifst und der Strom erst dann aufhört zu fließen, wenn du gerettet bist.“

Klaus Schmidt

So habe ich es immer empfunden, wobei jeder damit wohl anders umgeht. Aber wer die Mimik oder das Verhalten der involvierten Trainer beobachtet, merkt schon, wie nahe es den Kollegen geht. Vor allem im Laufe einer Woche wie dieser, in der es darum geht, Flagge zu zeigen, Souveränität zu bewahren, die positiven Dinge hervorzukehren. Und am Ende die richtige Strategie für das letzte Spiel zu finden. Und leider wird es am Ende einen erwischen.

Würden Sie in der letzten Woche etwas verändern oder alles genauso machen wie immer?

Man ist nicht gut beraten, jetzt etwas Besonderes zu machen. Es geht jetzt darum, seine Hausaufgaben zu erledigen und den Spielern zu vermitteln, dass man aus so einer Situation auch gestärkt hervorgehen kann – wenn man es übersteht. Ich habe nie etwas anders gemacht, sondern versucht, die Dinge abzufangen, die jetzt auf die Mannschaft einprasseln. Du merkst ja, wie der ganze Verein nervös wird, Fans, Funktionäre, bis hin zu Politikern, die dem Klub nahestehen. Und zum Schluss gilt es, nochmal einen Motivationsschub zu setzen, beispielsweise mit einer guten Ansprache, die vielleicht die letzten zwei Prozent herauskitzelt.

Blau-Weiß Linz stand lange ganz unten und WOLLTE dieses Abstiegsendspiel. Der GAK hielt sich lange gut und MUSS nun in dieses Finale. Ein großer Unterschied?

Ja, und ohne jetzt einer Mannschaft etwas Negatives zu wollen: Die etwas einfachere Ausgangslage liegt bei den Linzern. Die haben in der Qualifikations-Gruppe all ihre Heimspiele gewonnen und kontinuierlich gepunktet. Das war auch der Plan von Michael Köllner, den haben sie zu 100 Prozent umgesetzt. Der GAK konnte sich, wie viele andere Teams lange Zeit auch, nicht aus dem Strudel da unten befreien. Wobei ich ihnen den nötigen Punkt schon auch zutraue. 

BWL Trainer Michael Köllner

In solchen Phasen werden viele Statistiken bemüht. Der Heimvorteil der Linzer, die schon siebenmal zu Hause gewonnen haben, der direkte Vergleich, der mit 2:1-Siegen für die Grazer spricht. Wie viel Relevanz hat das?

(lacht) Kann ich Ihnen genau sagen: null! Als Trainer würde ich mich da auf gar keine Statistik verlassen. Oder dem Team das Gefühl geben: Die haben wir schon zweimal geschlagen, das geht sich schon aus. Ganz wichtig wird ein guter Start sein, dass man zeigt, bereit zu sein, das Spiel anzunehmen, dem Gegner die Schneid abzulaufen. Vergangene Partien spielen da überhaupt keine Rolle.

Wie groß ist der Faktor, dass dem GAK schon ein Remis reichen würde?

Ferdinand Feldhofer GAK Trainer und Owuso GAK

Je länger das Spiel dauert und das Ergebnis vielleicht zugunsten des GAK steht, desto mehr spielt es ihnen in die Karten. Blau-Weiß muss gewinnen, die müssen irgendwann aufmachen und voll ins Risiko gehen. Dann kann es leichter werden, einen Konter zu setzen und vielleicht das entscheidende Tor zu machen. 

Sie sind selbst Grazer und haben beim GAK Ihre Trainer-Karriere gestartet, haben in der Saison 2016/17 aber auch Blau-Weiß Linz vor dem Abstieg gerettet. Wie ist Ihre emotionale Lage vor dem Spiel?

Der GAK ist mein Verein, ich war acht Jahre dort und habe unglaublich viel erlebt: Meisterschaft, Cup-Titel, Konkurs, Freundschaften – der GAK war meine Familie. Ich kenne auch heute noch viele Protagonisten wie zum Beispiel Co-Trainer Joachim Standfest, der mein Freund ist und mein Co-Trainer in Altach und bei der Admira war. Deswegen gönne ich es dem GAK schon. Andererseits hatte ich auch bei Blau-Weiß eine überragende Zeit: Ich habe dort eine Mannschaft übernommen, die eigentlich keine Chance auf den Klassenerhalt hatte – trotzdem haben wir es irgendwie geschafft. Christoph Schößwendter (Anm.: Sportchef) war mein Spieler bei der Admira, wir haben hervorragend zusammengearbeitet. Ich kenne auch viele aktuelle Spieler der Linzer. Fakt ist: Es tut mir jetzt schon extrem leid für den, den es erwischt. Ich werde am Samstag mitleiden – das wird fürchterlich!

Sie haben einige Abstiegskämpfe erlebt…

… acht oder neun werden es gewesen sein.

Welche Mission war am spektakulärsten?

Über einen gewissen Zeitraum wohl die bei Blau-Weiß Linz, weil es fast aussichtslos schien. Aber der größte Rock’n’Roller war sicher Wacker Innsbruck. Wir mussten in der letzten Runde Horn schlagen, 15.000 Fans am Tivoli, es hat sich wahnsinnig zugespitzt. Das war schlimm. Die Woche vor dem entscheidenden Spiel war die grausigste, die ich als Trainer je erlebt habe. In der Zeit habe ich unglaublich viel gelernt. Aber als sich dann im Stadion die Erleichterung nach unserem 3:0-Sieg breitgemacht hat, war es auch ein emotional ganz besonderes Erlebnis. 

Adi Hütter hat angekündigt, im Sommer wieder einen Klub übernehmen zu wollen. Wissen Sie schon, wohin die Reise geht?

Nein, es ist noch alles offen. Adi hat sich klar deklariert, dass er für alle Top-5-Ligen offen ist. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen spannenden Verein finden werden. Gerade ich bin für vieles offen, weil ich auf der internationalen Bühne noch nicht so viel erlebt habe wie Adi. Deshalb wird es für mich ein riesiges Abenteuer. Darauf freue ich mich schon.

Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures