21. Aug. 2026
Albin Gashi: "Viele haben damit nicht mehr gerechnet"
Er galt als großes Rapid-Talent und spielte mit Konrad Laimer und Xaver Schlager in den ÖFB-Nachwuchsteams, dennoch musste er fast 200 Zweitligaspiele bestreiten, bevor er sich mit 29 Jahren beim SC Austria Lustenau endlich seinen Traum erfüllen konnte – Albin Gashi über seinen langen Weg in die ADMIRAL Bundesliga.
Albin, willkommen in der ADMIRAL Bundesliga! Hast du damit gerechnet, dass es mit 29 Jahren doch noch klappt?
Ja, es war ein langer Weg, viele haben damit nicht mehr gerechnet. Vor allem nach meinem Wechsel nach Wels haben viele gedacht, es ist vorbei. Aber dann habe ich dort, wenn's nach der Statistik geht, meine beste Saison gespielt. Jetzt bin ich froh, dass ich mein großes Ziel – und das war immer die ADMIRAL Bundesliga – doch noch geschafft habe und werde versuchen, das Beste daraus zu machen.
Warum ist es mit 13 Toren und 9 Assists ausgerechnet in Wels so gut gelaufen?
Trainer Heinle hat mir sicher sehr geholfen, das System ist mir auch zugute gekommen, ich habe endlich frei aufspielen können. In der Vergangenheit hat man nicht so sehr darauf wert gelegt, dass ich meine Stärken ausspiele, sondern dass ich daran arbeite, was ich nicht so gut kann.
Du hast die Bundesliga lange warten lassen, obwohl du schon früh als großes Rapid-Talent gegolten hast. Wie bist du als Hollabrunner überhaupt zu Rapid gekommen und nicht zur Austria-Akademie?
Das haben mich schon einige Leute gefragt, aber es war so, dass wir mit der U11 ein Freundschaftsspiel gegen Rapid gehabt haben. Wir haben zwar ziemlich hoch verloren, aber Rapid hat mich danach zum Probetraining eingeladen, nach dem ich fix aufgenommen wurde. Die Austria ist erst eine Woche später gekommen und wollte mich überzeugen, dass es doch praktischer mit ihrer Akademie vor der Haustür wäre, aber da war ich schon fest entschlossen, den Schritt zu Rapid zu machen.
Warum hat es nach 75 Spielen für Rapid II nie für einen Einsatz bei den Profis gereicht?
Zoki Barisic hat mich schon mit 16 zum Training mit den Profis raufgeholt. Ich war auch bei einigen Testspielen dabei und mir wurde viel versprochen. Ich hätte auch erwartet, dass ich irgendwann in einem Bewerbsspiel zum Einsatz komme und reinschnuppern kann, aber dazu ist es leider nie gekommen. Ich bin auch einige Male verliehen worden, deshalb war mein Weg anders als normal.
Mit 21 warst du bei Den Bosch in der zweiten holländischen Liga, was hast du davon mitgenommen?
Es war eine lehrreiche Zeit, Liga und Mannschaft hatten gute Qualität, wir waren auch Herbstmeister und haben um den Aufstieg gespielt, aber für mich persönlich ist es nicht so gut gelaufen. Ich war jung, ganz ohne Familie und es war alles komplett anders. Ich habe die Umstellung nicht geschafft und bin nur zu wenigen Einsätzen gekommen.
Auf deiner zweiten Auslandsstation, beim FK Kukesi in Albanien, lief es besser?
Ich war damals schon beim FAC, als ich das Angebot von Kukesi bekommen habe. Peter Pacult war im Aufsichtsrat des FAC und ein paar Jahre davor Trainer von Kukesi. Er hat mir viel Positives berichtet und mir geraten, es zu probieren. Meine Eltern kommen aus dem Kosovo, deshalb war die Sprache kein Problem, auch sportlich ist es am Anfang gut gelaufen. Kukesi war damals ein Spitzenklub, ich habe Europa-League-Qualifikation gespielt, aber dann ist der Präsident ausgestiegen und es ist finanziell bergab gegangen. In der abgelaufenen Saison wären sie fast in die 3. Liga abgestiegen.
Du hast mit Konrad Laimer, Xaver Schlager, Stefan Posch und anderen WM-Startern im ÖFB-Nachwuchs gespielt. War es für dich hart, sie bei Spitzenklubs zu sehen, während du in der 2. Liga gespeilt hast?
Nein, so habe ich nie gedacht. Die Jungs haben es sich verdient. Sie haben so viel drauf, bei ihnen war es immer nur eine Frage der Zeit, bis sie so weit oben sind. Ich denke, ich hätte es mir auch schon früher verdient, in der Bundesliga zu spielen. Aber es ist, wie es ist. Mein Beispiel zeigt vielleicht, dass man es trotzdem schaffen kann, wenn man nicht aufgibt, auch wenn es schon unrealistisch scheint.
Warst du zufrieden mit deinem ersten Startelf-Auftritt gegen den WAC?
Zufrieden schon, aber ich will natürlich auch noch Tore und Assists liefern. Aber der Sieg war vor allem für uns als Mannschaft wichtig, weil er uns Selbstvertrauen für die Bundesliga gibt. Mit vier Punkten aus den ersten drei Spielen passt es bisher auch gut, nur mit dem GAK-Spiel waren wir nicht zufrieden.
Gegen den WAC warst du laut Opta-Statistik der Spieler, der in der 3. Runde die meisten Zweikämpfe (8) mit 100-Prozent-Quote absolviert hat. Das ist eigentlich nicht deine Kernkompetenz, oder?
Das überrascht mich jetzt auch, ich bin eigentlich kein Zweikampf-Monster, sondern eher der Techniker und Kreative, der auch einmal Risiko nimmt. Da ist es normal, dass nicht alles aufgeht und du nicht jeden Zweikampf gewinnst. Aber gegen den WAC ist mir viel gelungen.
Was darf man sich von Austria Lustenau in der Aufstiegssaison erwarten?

Das Ziel ist natürlich in der Liga zu bleiben. Ich glaube, dass wir eine enorme Qualität haben und wenn wir, wie gegen den WAC, das spielen, was wir können, ist vieles möglich. Wir wollen einfach so viele Punkte sammeln wie möglich.
Am Samstag müsst ihr zu Sturm, hast du gegen die Grazer schon einmal gespielt?
Nur in einem Testspiel mit der Admira. Der Marktwert der Mannschaft sagt eh alles. Die haben enorme Klasse. Und die Fans sorgen auch noch für einen Hexenkessel.
Hast du vor so vielen Leuten schon gespielt?

Ja, schon. Mit Rapid in einem Testspiel gegen den HSV. Und beim Abschiedsspiel von Steffen Hofmann war ich auch dabei, da war das Stadion auch voll.
Darf es nach Lustenau noch einmal ins Ausland gehen?
Ich habe jetzt ein Jahr Vertrag mit Option auf ein weiteres. Danach könnte das Ausland schon noch ein Thema sein, weil ich auch an meine Zukunft denken muss. Aber es hängt nur von mir ab und welche Leistungen ich bringe.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures