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15. Okt. 2026

Patrick Greil Altach

Altachs Patrick Greil: „Zaric und Pacult – zwei Fußball-Welten!“

Patrick Greil gehört beim SCR Altach zu den verlässlichsten Stützen. Im Interview mit bundesliga.at spricht der 30-Jährige über Dankbarkeit gegenüber Red Bull Salzburg, den befreienden Sieg über den WAC und seine Gedanken über die Zukunft, bei denen er manchmal hin- und hergerissen ist. 

Am Sonntag geht es für euch zum FC Red Bull Salzburg (14.30 Uhr, live auf Sky), wo du von 2007 bis 2012 in der Jugend gespielt hast. Ist es für dich noch ein gefühltes Wiedersehen mit der Ex?

Ja, schon! Das war eine aufregende Zeit für mich, da hat es mit dem Fußball so richtig begonnen. Und ich bin dem Verein auch sehr dankbar, wie ich dort ausgebildet wurde, ich habe eine Menge gelernt. Außerdem ist es auch die Rückkehr in meine Salzburger Heimat. Ich freue mich immer wieder, zwei Tage dort zu verbringen, kenne das Hotel, die Umgebung. Es ist schon cool, wiederzukommen. 

Patrick Greil Altach Spiel

Warum bist du damals weg aus Salzburg?

Ich war retardiert, also körperlich weit hinter den anderen Jungs und konnte deswegen einfach nicht mithalten. Zudem gab es auf meiner Position große Konkurrenz. Valentino Lazaro hat meistens vor mir gespielt, was ich durchaus verstehen konnte. Irgendwann war die Tür geschlossen für mich, was aber auch okay für mich war. Ich bin dann zu kleineren Vereinen in der Umgebung gegangen. 

War das ein schwerer Schritt? Auch vor dem Hintergrund, dass die Perspektive ja sehr verlockend in Salzburg ist, wenn man es schafft, sich durchzusetzen.

Jein! Ich habe es ja kommen sehen und war Gott sei Dank realistisch genug, meine Situation richtig einzuschätzen. Ich wusste einfach, es reicht zu dem Zeitpunkt nicht. Ich habe das Thema Profifußball dann auch aus dem Kopf gehabt, ging in die Schule, hab ein Studium angefangen. Selbst mit 20 war der Profifußball noch weit weg. Was in Ordnung war, da ich das Gefühl hatte, dass ich auch ohne Profifußball ein zufriedenes Leben führen könnte.  

Es hieß, du wärst sonst Lehrer geworden.

Ja, das hatte ich vor. (lacht) Ob ich das Studium durchgezogen hätte, ist eine andere Frage. Selbst jetzt sehe ich diesen Beruf als Option für die Zukunft, ich finde ihn cool und spannend. Der Fußball hat ja ein Ablaufdatum, mal sehen, was dann auf mich zukommt. 

Du hast in deiner Karriere drei Assists gegen Salzburg beigesteuert, so viele wie gegen keinen anderen Bundesligisten. Zufall oder Extramotivation?

Gegen Salzburg bin ich schon immer sehr motiviert, das muss ich sagen. Erstens schauen immer viele aus der Familie zu, zweitens ist es immer ein großes Ziel, den stärksten Gegner der letzten Jahre zu schlagen. Man kann da schon von Extramotivation sprechen. 

Werfen wir einen Blick zurück. Ihr habt am vergangenen Wochenende den WAC mit 3:0 geschlagen, ein besonders brisantes Kellerduell. Wie ist es euch gelungen, die Nerven zu bewahren?

Patrick Greil Altach Jubel

Wir haben die drei Wochen Pause intensiv genutzt, um uns inhaltlich auf dieses Spiel vorzubereiten. Die Situation war zwar unangenehm, was unsere Punkteausbeute betrifft. Aber wir sind eine erfahrene Truppe und haben gemerkt, dass wir oft konkurrenzfähig und die Leistungen besser waren, als es die Punkte zeigen. Es gab also keine große Verunsicherung, das Selbstvertrauen war nie weg. Gegen den WAC waren wir endlich auch effizient, deswegen konnten wir uns belohnen.  

Trotzdem verlief der Start in die Saison nicht nach euren Vorstellungen, zwei Siege stehen sechs Niederlagen gegenüber. Einfache Frage: Woran lag es?

Wir hatten Veränderungen auf Schlüsselpositionen und im Trainerteam, da braucht es manchmal Zeit, bis es sich einspielt. Und der Kader hat sich in der Breite verändert, das hat man schon gespürt. Am Ende ist es nicht so leicht zu sagen, warum wir zu wenige Tore geschossen und zu viele kassiert haben.  

Du hattest vergangene Saison ein herausragendes Jahr mit 21 Scorerpunkten (15 + 6). Hand aufs Herz: Gab es im Sommer Angebote aus dem Ausland?

Ja, aber nix Vernünftiges! Ich hatte auch kein Bedürfnis, mich zu verändern. Ich bin Familienvater, heuer 30 geworden, hab aus meiner Sicht alles gesehen, was ich als Profi sehen wollte. Mein Wohlbefinden hier in Altach ist extrem hoch, das hätte ich nur für wenige Dinge aufgegeben.  

Was wäre denn „was Vernünftiges“ gewesen?

Eine super spannende Liga. Vielleicht 2. Liga Deutschland oder England, aber selbst da hätte ich überlegt. Und so ehrlich muss ich sein: Bei einem Angebot, das mein Leben finanziell gravierend verändert hätte, hätte ich schon nachgedacht. Aber das war nicht der Fall. Ich habe meinem Berater auch gesagt, dass er nichts forcieren, keinen Druck aufbauen muss.

Würde dich etwas Abenteuerliches wie Indien, Südafrika oder Ähnliches reizen? Es gibt ja ein paar Beispiele.

In der Frage bin ich total hin- und hergerissen, hüpfe zwischen Abenteuer und Sicherheit. An einem Tag bin ich der Familienvater, der auf Sicherheit schaut und total froh ist, im schönen Österreich zu leben. Am nächsten Tag kommt der Abenteurer in mir durch und sagt: Jetzt bei Bali United zu spielen, wäre schon cool. Es ist ja nicht nur meine Entscheidung, sondern auch die meiner Familie. 

Aktuell wirst du von Ognjen Zaric trainiert, mit 37 Jahren ein noch recht junger Trainer. Du hast aber auch in Klagenfurt viele Spiele unter Peter Pacult gemacht, ein Haudegen der Szene. Was liegt dir mehr?

Patrick Greil Austria Klagenfurt

(lacht) Das sind wirklich zwei komplett verschiedene Fußball-Welten. Für mich ist die spannende Erkenntnis, wie zwei völlig verschiedene Ansätze gleichzeitig zum Erfolg führen können. Es gibt nicht nur diesen einen Weg, dieses eine Rezept. Das gleiche gilt für den Misserfolg, da habe ich ja auch einige kennengelernt. Wenn es eine hundertprozentige Wahrheit.

Wie geht es deinem Sportmanagement-Studium? Du müsstest ja langsam auf die Zielgerade einbiegen…

(lacht) Ja, ich schreibe gerade an meiner Bachelor-Arbeit. Die sollte mit Ende Dezember fertig sein und nach sieben Jahren erbittertem Kampf das Studium abschließen.

Was ist das Thema?

Ich schreibe über das Schnabelholz, unser Stadion in Altach. Da geht es um Zufriedenheit und Wiederbesuchsabsicht, demnächst wird es auch eine große Umfrage dazu geben, wie die Zuschauer ihr Stadionerlebnis bewerten. Der Verein hat auch schon Interesse angemeldet, ich bin gespannt, was unsere Fans darüber denken. 

Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures