07. Aug. 2026
Andi Leitners erstes Mal: "Das war das schlechteste Spiel, das man sich vorstellen kann“
Ried-Keeper Andi Leitner bestreitet gegen Rapid sein 250. Spiel in der ADMIRAL Bundesliga. In der Rubrik "Mein erstes Mal" erzählt der 32-Jährige über seine Anfänge im Tor, sein erstes Auslands-Abenteuer und warum sein Startelf-Debüt der reinste Albtraum war.
Andi, du stehst vor deinem 250. Spiel in der ADMIRAL Bundesliga. Wann bist du das erste Mal im Tor gestanden?
Das war so früh, dass ich es gar nicht sagen kann. Auf jeden Fall auf der Wiese vor dem Elternhaus, da musste mein Papa, der ja zehn Jahre lang Tormann beim Kapfenberger SV war, immer auf mich losfeuern. Mein erster Verein war dann der SV Breitenau, wir waren ja gleich das erste Haus vor dem Fußballplatz.
Dein erster Transfer?

Der war mit 13 zu Sturm Graz oder eigentlich in die Sporthauptschule Weiz, wobei auch gleich der Wechsel zur Austria in die Stronach-Akademie fixiert wurde, zu deren letztem Jahrgang ich gehört habe. Mit mir sind damals Marcel Sabitzer und Kevin Friesenbichler gewechselt. Als Frank Stronach Hollabrunn zugesperrt hat, sind wir auch alle drei gemeinsam zur Admira.
Dein erster Einsatz im Erwachsenen-Fußball?
Das müsste kurz vor meinem 17. Geburtstag eine verregnete 0:2-Niederlage mit den Admira Juniors in Neusiedl unter Oliver Lederer gewesen sein. Er war sicher der Trainer, der mich am meisten gefördert und gefordert hat. Er wollte immer schon einen Tormann, der gut mitspielt und fußballerische Qualitäten hat, davon habe ich für meine Karriere sehr profitiert.
Deinen ersten Bundesliga-Einsatz hättest du dir wahrscheinlich anders vorgestellt. In der 45. Minute für den ausgeschlossenen Tischler eingewechselt, hast du gleich einen Elfer gegen dich gehabt.

Ja, das ist schnell gegangen. Ich bin rein und Ilco Naumoski hat mir den Elfer reingeschossen. Gleich nach der Pause hat er auch noch das 2:0 gemacht. Aber das war noch nichts gegen mein Startelf-Debüt gegen Ried eine Woche später. Das war das schlechteste Spiel, das man sich vorstellen kann. Beide Tore waren unfassbare Fehler von mir. Das erste war ein Stanglpass der Torlinie entlang, den ich mir selbst reingehaut habe, das zweite war fast noch schlimmer. Da hab' ich einen eigentlich schon gefangenen Ball von René Gartler noch einmal ausgelassen. Danach hat es ein Zeit’l gedauert, bis ich wieder eine Chance bekommen habe. Aber eines muss ich sagen, von Didi Kühbauer, der damals unser Trainer war, gab es nie ein böses Wort dazu. Heute kann ich darüber schmunzeln – und immerhin war es gegen meinen heutigen Verein.
Mit deinem ersten Abstieg 2022 (mit der Admira) ist auch deine Serie von 128 Bundesliga-Spielen ohne Unterbrechung gerissen.
Das war wirklich nicht abzusehen. Wir waren nie Letzter, hatten auch zwei Runden vor Schluss noch vier Punkte Vorsprung. Aber dann haben die Dinge ihren Lauf genommen. Dass es im letzten Spiel auswärts beim LASK nicht leicht werden würde, war schon vorher klar – bei 0:3 zur Pause war dann die Messe gelesen. Das war's auch mit der Serie. Aber seit ich in Ried bin, habe ich auch erst ein Meisterschaftsspiel verpasst. Gleich in der ersten Saison gegen Liefering. Es war eine Magen-Darm-Geschichte, da war leider nichts zu machen.
Dein erstes Auslands-Abenteuer bei Petrolul Ploiesti war schnell wieder beendet. Wie schaust du darauf zurück?
Der Transfer war auch etwas aus der Not geboren. Ich war nach dem Admira-Abstieg schon zwei Monate vereinslos und als dann ein wiederholtes Angebot von Petrolul gekommen ist, habe ich mir gedacht, dass ich jetzt wohl zusagen muss. Die Bedingungen waren nicht die besten - nicht nur, weil es nicht einmal einen eigenen Trainingsplatz gab. Am Anfang habe ich gespielt, aber als ich nach einiger Zeit mein Gehalt einklagen musste, war klar, dass das nicht gut ankommen würde. Zum Glück konnte ich nach einem Dreiviertel-Jahr wieder raus. Ins Ausland würde ich, wenn es für die ganze Familie passt, schon noch einmal gehen, aber Abenteuer muss es keines mehr sein.
Dein wertvollster Ex-Mitspieler ist mittlerweile Morten Hjulmand, der gerade um 40 Millionen zu Atletico Madrid gewechselt ist. Ist er auch Erster in deiner Bestenliste?
Nein, dafür war er noch zu jung, er war ja erst 17 oder 18, als er zur Admira gekommen ist. Aber man hat damals schon seinen unfassbaren Willen und Arbeitseifer gesehen. Über Sabi (Marcel Sabitzer; Anm.), der immer noch zum meinen besten Freunden zählt, geht wahrscheinlich nicht viel drüber, obwohl auch Patrik Jezek selbst auf seine alten Tage noch richtig gut war.

Gegner bei deinem Jubiläumsspiel ist am Sonntag Rapid. Hast du noch Erinnerungen an dein erstes Spiel gegen die Grün-Weißen?
Auf das erste Mal im Hanappi-Stadion habe ich mich gefreut, obwohl ich nur Ersatz war. Leider war es dann ein Geisterspiel. Aber die Spiele gegen Rapid waren immer speziell. Auch die Heimspiele in der Südstadt, die gefühlte Auswärtsspiele waren. Cool war in der letzten Saison der erste Sieg der SV Ried in Hütteldorf. Die Rapid-Fans waren schon vorher unzufrieden und ich habe dauernd ihre Trillerpfeifen im Ohr gehabt. Dass wir dann diesen historischen Sieg gefeiert haben, war schon besonders. Wir können auch diesmal gewinnen. Das erste Saisonspiel war in Ordnung, aber es geht noch besser. Der neue Trainer hat viele Dinge, die gute funktioniert haben, bestehen lassen, aber auch eine neue Note reingebracht, die uns noch unberechenbarer macht.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures