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04. März 2026

Andreas Weimann Jubel Rapid

Andi Weimann: „Mehr hätte ich nicht tun können"

Fast 19 Jahre nach seinem Auszug nach England ist Andi Weimann zurück bei Rapid. Am vergangenen Wochenende hat er in Altach sein erstes Tor in der ADMIRAL Bundesliga erzielt. Am Sonntag wären Weimann-Tore wieder gefragt, um den Grün-Weißen einen Platz in der Meistergruppe zu sichern. Mit bundesliga.at sprach der 34-Jährige über Rapid, seine Playoff-Erfahrungen in England, seine besten Mitspieler und seine WM-Chancen.

Andi, am Sonntag heißt es "do or die" für Rapid. Hast du bei deinem Wechsel nach Hütteldorf gerechnet, dass es wirklich so eng wird im Kampf um die Top 6?

Ich habe die Bundesliga aus England zwar nicht ganz genau verfolgt, aber dass es sehr eng ist und fünf, sechs Teams nur durch ein, zwei Punkte getrennt sind, habe ich schon gewusst. Von daher war damit zu rechnen, dass es knapp wird. Wenn wir in den letzten vier Spielen, die ein, zwei Punkte, die möglich waren, mehr gemacht hätten, würde es jetzt auch anders ausschauen. Aber es ist so wie es ist. Wir haben es immer noch in der eigenen Hand. Klar, Salzburg ist kein einfacher Gegner, aber mir ist es so lieber, als ich wäre hinten und müsste auf eine Niederlage des Klubs vor uns hoffen.

Du warst in England einmal mit Westbrom und zweimal mit Derby im Playoff um den Aufstieg in die Premier League. War es da auch so knapp?

Das letzte Mal war ich vor zwei Jahren mit Westbrom in den Playoffs, da haben wir es auch erst am letzten Spieltag fix reingeschafft. Mit Bristol City haben wir es einmal in der letzten Runde verpasst. Vom Drumherum ist es schon immer ein großes Spiel, aber egal, was Medien, Fans oder auch dein Umfeld sagen, du musst das alles so gut es geht ausblenden. Das Wichtigste ist, dich so gut wie möglich auf dieses Spiel vorzubereiten, in der Trainingswoche genauso zu arbeiten wie vor jedem anderen Spiel. Das wird uns hoffentlich gelingen.

Du hattest in deiner langen Karriere viele namhafte Trainer: Sean Dyche, Alex McLeish, Steve McClaren - war auch einer mit einem ähnlichen Ansatz wie Johannes Hoff Thorup dabei?

Von den genannten Trainern eher nicht, die sind doch noch eine andere Schule. Unser Trainer ist sehr jung, nur um zwei Jahre älter als ich. Von der Herangehensweise war ihm wahrscheinlich Liam Manning am ähnlichsten, der aktuelle Huddersfield-Trainer, den ich kurz bei Bristol hatte. Er ist auch aus dieser Generation junger Trainer. Sie haben alle eine Philosophie, arbeiten sehr strukturiert und wissen genau, wie die Abläufe im Spiel sein sollen. Früher war's doch noch oft so, da hat der Trainer die Aufstellung gemacht hat und mehr oder weniger gesagt, ihr macht das schon. Heute ist nichts mehr dem Zufall überlassen.

Hat Hoff Thorup bei deinem Wechsel zu Rapid eine Rolle gespielt, weil du ihn schon aus der Championship gekannt hat?

Wirklich gekannt habe ich ihn nicht, ich habe ja im Vorjahr nur einmal gegen ihn gespielt, als er bei Norwich war und ich in der 96. Minute noch den Ausgleich für Blackburn geschossen habe. Aber wir haben vor dem Transfer natürlich telefoniert. Er hat mir erklärt, wir er spielen will und mich gefragt, warum ich kommen will, welche Position ich spielen würde, solche Dinge. Aber das ist ja bei jedem Transfer üblich. 

Wie ist es, nach so vielen Jahren wieder in Österreich zu spielen?

Andreas Weimann SK Rapid

Es fühlt sich gut an, ich genieße es, obwohl ich natürlich gerne mehr Spiele gewonnen hätte. Es ist schön für den Verein zu spielen, dessen Fan ich schon als Kind war. Und ich lerne jede Woche etwas Neues kennen. Bis auf Altach, wo ich schon einmal mit dem U21-Team gespielt habe, kenne ich ja kein Stadion. Nicht einmal unseres habe ich gekannt. Als ich da war, gab es noch das Hanappi-Stadion.

Ist mit deinem Tor in Altach ein Bubentraum in Erfüllung gegangen?

Absolut. Wenn du in der Jugend bei Rapid spielst, ist es natürlich das Ziel in die erste Mannschaft zu kommen und dort Tore zu schießen. Dass das erst fast 19 Jahre später passiert, hätte ich allerdings nicht für möglich gehalten.

Was ist gravierend anders im österreichischen Fußball?

In der Championship mit ihren 46 Runden war ich einen Samstag-Dienstag-Samstag-Rhythmus gewöhnt, deshalb fühlt sich jetzt die Trainingswoche viel länger an. In England bleibt ja zwischen den Spielen fast nur Zeit zur Erholung. Im Spiel ist die Intensität in der Championship vielleicht noch etwas höher. Aber gar nicht einmal, was das Laufen betrifft, es gibt nur weniger Unterbrechungen und Pausen. Wahrscheinlich auch, weil es in der Championship keinen VAR gibt. Und als Stürmer rechnest du in England bei jeder Ballannahme, dass du hinten eine raufkriegst. Das ist hier nicht ganz so arg, obwohl du auch hier nicht viel Zeit hast, den Ball anzunehmen.

Du hast nicht nur über 500 Spiele in England gemacht, du hattest in deiner Karriere auch schon 500 Mitspieler. Gibt es den einen, den du auf jeden Fall in deiner Traumelf hättest?

Andreas Weimann und Christian Benteke Jubel Aston villa

Da waren schon ein paar sehr gute dabei, Mit Ashley Young und James Milner, der jetzt neuer Premiere-League-Rekordspieler ist, habe ich nur einige Male gespielt, als ich frisch bei Aston Villa in die Mannschaft gekommen bin, deshalb würde ich die gar nicht nennen. Aber wer unglaublich war, war Christian Benteke. In der Saison, in der ich mit ihm bei Villa gespielt habe, hat er unglaubliche 24 Tore geschossen. Er hätte einen Fixplatz in meinem Dream Team. 

Du wärst wohl schon mit einem Kaderplatz in Ralf Rangnicks WM-Aufgebot zufrieden. Wie schätzt du die Chancen ein?

Andreas Weimann, Nationalteam ÖFB

Jeder österreichische Fußballer würde gerne dabei sein, nicht nur ich. Aber ich denke, dass ich mit meinem Wechsel in die ADMIRAL Bundesliga meine Chancen verbessert habe, weil ich auf mehr Spiele, mehr Minuten komme. Jetzt liegt es an mir. Wenn es sich nicht ausgeht, kann ich mir nichts vorwerfen, weil ich alles probiert habe. Ich habe dafür meine Frau und meine Kinder vier Monate lang alleine in England gelassen. Mehr hätte ich nicht tun können. 

Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures