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05. Mai 2026

Eric Orie

Baden Frederiksen & Orie: Zwei Plädoyers für Europa Teil 2

Am 9. Mai feiert Europa den Europatag - und die Klubs der ADMIRAL Bundesliga feiern mit. Was der Fußball mit europäischen Werten zu tun hat und was sie auf ihren ausgedehnten Europa-Tourneen zu schätzen gelernt haben, erzählen WSG-Tirol-Profi Nikolai Baden Frederiksen und Altachs Sportkoordinator Eric Orie.

Eric Orie - Gekommen, um zu bleiben

Europäische Werte wie Toleranz, Inklusion, Offenheit, aber auch Leistung, sieht Eric Orie im Fußball abgebildet. „Er ist ein Spiegel der Gesellschaft", so der Sportkoordinator des SCR Altach. „Und auch wenn wir gerade wieder schwierigere Zeiten haben, es hat sich vieles zum Positiven verändert. Als Holländer bin ich in einem sehr offenen Land aufgewachsen, leben und leben lassen, das war auch immer meine Einstellung. Mithilfe jahrelanger Initiativen sind Rassismus und Homophobie heute ein großes Stück weit aus dem Stadion verdrängt worden.“ 

Als er 1993 vom VV Venlo zur Wiener Austria kam, war Europa noch ein anderes. Auch wenn der eiserne Vorhang schon geöffnet war, "die Kluft zwischen dem Osten und dem Westen war immer noch spürbar. Meine Eltern haben sich schon ein bisschen Sorgen gemacht, wo der Bub da hinkommt, als ich ihnen gesagt habe, dass ich nach Wien gehe.“ Es war nicht nur ein Europa ohne Schengen, es war für Fußballer vor allem ein Europa ohne Bosman-Urteil, das ihnen erst ab 1995 die freie Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der EU garantierte. 

"Damals sind die Spielerberater gerade erst aufgekommen, die noch Videokassetten von ihren Spielern verschickt haben“, erinnert sich Orie an seinen Transfer. Peter Müller, der damalige Sekretär der Wiener Austria, hat ein Video von ihm gesehen und ihn zum Probetraining eingeladen. „Damals gab es noch den Intertoto-Cup und ich wurde gegen Norrköping getestet.“ Eigentlich zur Zufriedenheit von Trainer Pepi Hickersberger. „Aber offenbar wollten sie nur vorbauen, für den Fall, dass Peter Stöger weggeht. Aber weil der dann doch nicht zu Eintracht Frankfurt gewechselt ist, haben sie mich wieder heimgeschickt." Erst drei Wochen später haben sie den kleinen Mittelfeldspieler doch geholt. "Peter Stöger hat mich dann mein ganzes Fußballerleben lang unterstützt, einige Male wollte er mich sogar als Co-Trainer, aber es hat nie gepasst.“

Eric Orie

In Wien hat sich der damals 23-jährige Eric sofort wohl gefühlt. Andi Ogris, Franz Wohlfahrt & Co. haben dafür gesorgt, dass er schnell Wienerisch gelernt hat („Wie bei Chukwuemeka, war ,Bist du deppert’ auch bei mir das erste, das sie mir beigebracht haben“), das mittlerweile einem alemannischen Einschlag gewichen ist. Fußballerisch war die Austria für ihn ein Aufstieg, obwohl der österreichische Fußball in den Niederlanden in den 1990er-Jahren keinen allzu hohen Stellenwert genoss. „Die Austria war gespickt mit Nationalspielern und ich habe plötzlich im Europacup der Meister in Barcelona gespielt“, waren seine (spärlichen) Auftritte in Violett die Highlights in der Karriere des heute 58-Jährigen. Und spätestens als Frank de Boer und Ajax von Red Bull Salzburg regelrecht vorgeführt wurden, hätten die Holländer auch ihre Meinung über den österreichischen Fußball revidiert.

Wie Nikolai Baden Frederiksen begab sich auch Eric Orie nach seinen Stationen in Österreich (auf die Austria folgten noch Mödling und St. Pölten) auf eine ausgedehnte Europa-Tour mit Zwischenstopps in England und Italien (als Spieler), Liechtenstein, Griechenland und Deutschland (als Trainer). In Vorarlberg, wo er seine aktive Karriere auslaufen ließ, hat er seine Frau kennengelernt, eine Familie gegründet und sich niedergelassen. "Es gab schon auch die Möglichkeit, wieder nach Holland zurückzukehren, aber wegen der Kinder sind wir geblieben“, zählt Eric Orie heute wie etwa Bjerregaard, Schinkels, Vastic oder Alar zu jenen Ex-Fußballern, die als Legionär gekommen sind und als Europäer geblieben sind.

Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures