08. Juli 2026
Bundesliga-Heimkehrer Behounek: „Es muss nicht jeder immer Ja und Amen sagen"
Raffael, du bist mit Willem II vor wenigen Wochen zum zweiten Mal in die Eredivisie aufgestiegen. War es keine Überlegung, noch ein Jahr zu bleiben?
Die Entscheidung, den Klub zu verlassen, hatte ich schon länger getroffen. Zwischendurch haben sie zwar gefragt, ob ich meine Entscheidung revidiere, wenn wir aufsteigen, aber mein Entschluss hatte nichts damit zu tun. Es waren drei sehr schöne, aber auch intensive Jahre. Das letzte Jahr war etwas holprig, da hat der Aufstieg einiges überdeckt.
Woran ist es dann gelegen?
Ich muss sagen, ich habe zum letzten Trainer eigentlich gar kein Verhältnis gehabt. Wir haben uns in der Früh gegrüßt und das war's auch schon. Seine Spielidee war mit meiner bzw. mit den Spielern, die wir hatten, nicht wirklich kompatibel. Das war für einen Verbleib natürlich auch nicht förderlich. Wir waren im Umgang respektvoll und professionell, ich habe auch immer gespielt, aber es hat mir ein wenig an Wertschätzung gefehlt. Das war beim alten Trainer noch anders.
Wärst du nach Österreich zurück gekommen, wenn nicht ausgerechnet dein früherer WSG-Trainer Thomas Silberberger angerufen hätte?
Grundsätzlich habe ich nicht vorgehabt, schon nach Österreich zurückzukehren. Aber im Fußball weiß man nie, was kommt. „Silbi" hat mir schon im April geschrieben, ob ich im Sommer nicht kommen will. Diese Idee ist dann über ein, zwei Monate gereift. Am Ende waren es drei Komponenten, die den Ausschlag gegeben haben. Erstens der Trainer, den ich jetzt doch schon sechs Jahre gut kenne. Zweitens, der soziale Aspekt. Es ist schon schön, in zweieinhalb Stunden bei Freunden und Familie in Wien zu sein. Und drittens das Wirtschaftliche. Das war bei mir nie wirklich ausschlaggebend, aber gehört eben zum Geschäft dazu. Nach den ersten Wochen kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich mich für den WAC entschieden habe.
Wie würdest du dein Verhältnis zu Silberberger beschreiben?

Wir haben auf mehreren Ebenen ein besonderes Verhältnis. Nicht, dass immer alles eitel Wonne war zwischen uns. Wenn du jahrelang gegen den Abstieg spielst, ist das sehr nervenzerrend und es kommt auch mal zu Reibungen. Aber auch darüber bin ich froh, dass bei ihm nicht jeder "Ja und Amen" sagen muss. Damit kommt man auch nicht weiter. Ich habe ihm einfach viel zu verdanken. Er hat mich in Wattens zum Bundesliga-Stammspieler gemacht und mir den Weg zur Profikarriere geebnet. Von daher ist er mehr für mich als ein Trainer. Und hier beim WAC war es mit ihm von Anfang an gleich wieder wie früher.
Mit Giacomo Vrioni hast du in Wolfsberg einen weiteren alten Bekannten aus Tiroler Zeiten getroffen. Hat’s der Torschützenkönig 2019/20 noch drauf?
Ich hoffe es, der ganze Verein hofft, dass er wieder die Form aus seiner Wattens-Zeit haben wird. Ein bisschen Zeit wird er noch brauchen, weil er aus einer Verletzung heraus gekommen ist und noch nicht hundertprozentig fit ist. Aber wir sind guter Dinge, denn wenn er fit ist, ist er ein Topstürmer in dieser Liga. Das hat er schon bewiesen.
Du hast durchklingen lassen, dass du genug hast von Abstiegskampf. Der WAC war vor einem Jahr Cupsieger, in der abgelaufenen Saison hat er mit der 2. Liga geflirtet. Was ist deine Erwartungshaltung für die neue Saison?
Eine Saison wie die letzte will keiner mehr erleben. Bis zum Wechsel von Trainer Kühbauer zum LASK war der WAC Zweiter, was für Mechanismen danach eingesetzt haben, kann keiner erklären. Die Erwartungshaltung für die neue Saison ist auf jeden Fall eine andere. Ich visiere schon die Meistergruppe an, das ist auch der Anspruch des Vereins. Dass man einmal in der Qualifikationsgruppe landet, ist auch Rapid, dem LASK und der Austria schon passiert, ich will einfach so erfolgreich wie möglich sein.
Bringst du in deinem Spiel nach drei Jahren Niederlande etwas Neues mit?
Sich selber einzuschätzen, ist schwer. Schneller bin ich nicht geworden (lacht). Aber man entwickelt sich immer weiter, ich bin jetzt 29 und sicher reifer geworden. Dass ich anders spiele, glaube ich nicht. Aber vielleicht werden uns das bald die Experten erklären. Grundsätzlich war ich zufrieden mit den drei Jahren in den Niederlanden. Der Abstieg im zweiten Jahr war unnötig, weil wir zur Saisonhalbzeit schon zehn Punkte Vorsprung gehabt haben. Dann ist irgendjemand auf die Idee gekommen, die Spielidee zu ändern und offensiver spielen zu wollen, ohne die Spieler dafür zu haben. Das Ergebnis war, dass wir in der Rückrunde 15 Mal verloren und nur zwei Punkte geholt haben. Aber dass wir den Wiederaufstieg geschafft haben, war der perfekte Abschied für mich.
Hast du wie in Österreich für legendäre Interviews gesorgt oder hat die Sprachbarriere das verhindert?
Die Sprache wäre nicht das Problem gewesen. Ich habe auch das eine oder andere Interview gegeben, aber nicht mehr so wie in Österreich. Ich brauch' das nicht mehr, dass ich mich da im Stress nach dem Spiel zu etwas hinreißen lasse. Da bin ich auch ruhiger geworden. Vielleicht ist es das, was ich aus den drei Jahren Holland mitnehme.
Noch kurz zur WM, bei der der Ex-Salzburger Erling Haaland für Furore sorgt. Du hast in der ADMIRAL Bundesliga einmal gegen ihn gespielt, was hast du für eine Erinnerung daran?
Wir haben mit Mattersburg gegen Salzburg 1:4 verloren, aber er hat nur ein Elfertor gemacht. In der Pause hat unser Co-Trainer gemeint, dass wir ihn auch einmal umhauen sollen. "Nicht böse sein“, hab' ich gesagt, "aber dann hab' ich eine Rote Karte. Weil anders komm' ich zu dem gar nicht hin.“ So physisch überlegen war er damals schon. Dass er so abgeht, ist natürlich unglaublich. Aber er ist einfach überragend und nicht zu verteidigen. Egal wo, er hat sich überall auf Anhieb durchgesetzt. In Dortmund hat er gleich im ersten Spiel drei Tore geschossen. Für mich ist er einzigartig und der beste Neuner der Welt.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures