27. Jan. 2026

Christian Keglevits im Legenden-Talk: „Bei mir hängt überall das Herz drin"
In den 1980er-Jahren war Christian Keglevits der wahrscheinlich schnellste Stürmer der ADMIRAL Bundesliga, vor 45 Jahren war er der letzte Teamdebütant, dem ein Doppelpack gelang. Am 29. Jänner feiert „Kegerl“ nicht nur seinen 65. Geburtstag, sondern auch seine Pensionierung. Für bundesliga.at nahm er sich davor noch Zeit für den Legenden-Talk.
Christian, mit 405 Spielen und 129 Toren hast du quasi doppelten Legenden-Status in der ADMIRAL Bundesliga. Ist das etwas, worauf du ein bisschen stolz bist?
Nicht nur ein bisschen, sehr! Mit meiner ersten Anmeldung bei einem Fußballverein habe ich die Fußballprofis bewundert und es war mein großer Kindheitstraum, selbst einmal Profi zu werden. Wenn sich das dann so erfüllt, dass man darauf eine Karriere und ein Leben aufbauen kann, ist das das Schönste, was passieren kann. Ich habe 1994 meine Karriere beendet, war dann noch zehn Jahre lang Trainer und bis seither weg vom Fußballgeschäft. Dennoch passiert es laufend, dass mich Leute auf ein schönes Tor oder ein gutes Spiel von mir ansprechen. Das gibt mir das Gefühl, etwas gut gemacht zu haben.
Man kennt dich vor allem als Rapid- und Sportclub-Spieler, daran dass du bereits mit 15 Jahren für Eisenstadt in der 2. Liga debütiert hast, werden sich nicht mehr viele erinnern. Wie war das damals?
Ja, ich bin damit überhaupt einer der Jüngsten im Ranking der 2. Liga. Dass ich damals zum SC Eisenstadt gekommen bin, habe ich Gerhard Hitzel zu verdanken gehabt. Es war die Zeit, als die Leistungszentren gegründet wurden und ich bin gerade mit der Burgenland-Auswahl Meister geworden. Da hat Hitzel versucht, uns alle im LZ Burgenland zusammenzuholen. Ich war einer von mehreren Spielern, die sich dafür entschieden haben. Als dann einmal alle Stürmer beim SCE ausgefallen sind, hat mich Trainer Sepp Schneider raufgeholt und mir nach dem Abschlusstraining gesagt, dass ich gegen Tulln spielen werde. Ich habe dann gleich ein Tor geschossen und bin in der Mannschaft geblieben. Einige Male habe ich noch im LZ ausgeholfen und wir sind in dem Jahr auch Meister geworden.
1979 bist du mit 18 zu Rapid gewechselt und warst auf Anhieb Stammspieler. Wie war es für dich als so junger Spieler beim Rekordmeister?
Walter Skocik war damals Rapid-Trainer. Er hat mich aus der 2. Liga gekannt, weil er vorher Spielertrainer in Bregenz war und ich ihn einige Male schlecht ausschauen hab’ lassen (lacht). Außerdem war Gigsl Kaltenbrunner mein Eisenstadt-Trainer, der natürlich auch ein Nahverhältnis zu Rapid gehabt und mich wärmstens empfohlen hat. Mein Glück war vielleicht, dass Rapid gerade im Umbruch war und Skocik eine Mannschaft aufgebaut hat, die nach über zehn Jahren ohne Meistertitel endlich wieder um die Meisterschaft mitspielen sollte. Das ist dann, als Krankl, Panenka, Brucic dazu gekommen sind, auch gelungen, weil die älteren Spieler sich mit den jungen gut ergänzt haben.
Akzeptanz findest du nur, wenn du Leistung bringst. Dafür musst du dich in jedem Training durchsetzen. Bei mir war es schon so, dass ich jedem gezeigt habe: „Wenn du mich stoppen willst, musst du dich mehr anstrengen.“ Natürlich braucht es auch Trainer, die etwas in dir sehen, die deine Stärken ausnützen wollen. Meine Stärken, die Schnelligkeit, den Kampfgeist, den Zug zum Tor, wollten sie.

Du hast deine Schnelligkeit angesprochen, würdest du in Niki Wurmbrand Ähnlichkeit zum jungen „Kegerl“ sehen?
Ja, das ist mir auch schon durch den Kopf gegangen, wenn ich ihm zuschaue. Aber ich glaube, dass ich sogar noch schneller war.
Apropos Wurmbrand. Er hat gleich bei seinem Debüt getroffen, weißt du, dass du der letzte Teamdebütant bist, dem ein Doppelpack gelungen ist?
Das habe ich nicht gewusst, ich bin zwar ein großer Fan des Nationalteams, aber so genau kenne ich die Statistik nicht. Das war 1980 gegen Ungarn, ist mehr als 45 Jahre her. Leider wollten nicht alle Teamchefs immer auf meine Stärken zurückgreifen – oder es gab auch Konkurrenten, die noch besser waren.
Trotzdem warst du 1990 bei der WM dabei, das Highlight deiner Teamkarriere?
Für mich war jedes Länderspiel eine große Ehre, weil es immer ein großes Ziel von mir war, für Österreich zu spielen. Aber mein bestes Spiel war wahrscheinlich das 3:0 gegen die DDR, bei dem Toni Polster alle drei Tore geschossen hat und wir uns für die WM 1990 qualifiziert haben. Da habe ich den Elfer zum 1:0 herausgeholt und auch das dritte Tor vorbereitet. Leider ist es dann bei der Endrunde nicht so gut gelaufen. Ich war schon im Vorfeld verletzt, bin zurückgekommen, aber die Verletzung ist im Training noch einmal aufgebrochen, deshalb bin ich ohne Einsatz geblieben.
Was traust du dem heutigen Team bei der WM 2026 zu?
Für mich ist die heutige Nationalmannschaft sicher eine der besten, die wir je hatten. Ich habe noch mit der 98er-Generation gespielt, aber in der Breite sind wir jetzt noch besser aufgestellt. Wir haben gut 20 Spieler auf höchstem Niveau, die bei ihren Klubs ständig gefordert werden. Ich traue ihnen bei der WM viel zu. Wenn alle Schlüsselspieler fit sind und ihr Top-Niveau erreichen, ist sogar Argentinien zu schlagen.
In deiner zweiten Rapid-Saison hast du – wie Hans Krankl – 16 Tore erzielt, beim WSC waren es sogar einmal 22 Tore. Dennoch hast du dich um 1990 als kampfstarker Mittelfeldspieler neu erfunden. Wie kam es dazu?

Das war eine Idee von Pepi Hickersberger, der bei Rapid noch mein Mitspieler war. Er hat mich wieder in den Teamkader geholt und mir erklärt, dass er im rechten Mittelfeld noch Defizite sieht und er mir diese Position mit meinen Tugenden zutrauen würde. Das hat mich auf den Geschmack gebracht und ich habe das dann im Nationalteam und auch bei Rapid gespielt. In Salzburg, beim LASK und bei meiner Rückkehr zum Sportclub war ich aber wieder Stürmer.
Du gehörst dem Rapid-Legendenclub an, wie ist dein Kontakt zu deinen anderen Vereinen?
Bei mir hängt überall das Herz drin, weil ich mich überall wohlgefühlt habe und auch beliebt war. Aufgrund der geografischen Lage besuche ich aber nur die Spiele eines Vereins regelmäßig – und das ist Rapid. Wobei es mit der neuen Anlage auch beim Sportclub wieder Bemühungen gibt, die Legenden wieder mehr einzubinden. Ich finde, das gehört zur Kultur eines Vereines einfach dazu. Viele Menschen brennen nur eine gewisse Zeit für einen Klub, verfolgen ihn dann zwar weiter, aber nicht mehr so intensiv. Diese Leute denken immer gerne an Spieler zurück, die etwas in ihnen ausgelöst haben und mit denen sie schöne Zeiten verbinden. Das ist auch für mich immer interessant, wie genau sich Leute, an einzelne Szenen erinnern und wie sie diese erlebt haben.
Du bist aber auch bei vielen internationalen Spielen zu Gast…
Fußballreisen sind mein Hobby. Ich arbeite mit einem Reisebüro zusammen und war erst vor ein paar Tagen wieder mit einer Gruppe in Madrid im neuen Bernabeu. Ich habe dort in den 1980er-Jahren einmal 0:0 gespielt. Die Erinnerung und die Ehrfurcht vor diesem Stadion haben mir eine Gänsehaut beschert. Grundsätzlich besuche ich einfach gerne Mannschaften, die guten Fußball spielen. Inter, AC Milan, Dortmund, Bayern, Derbies in aller Welt, aber das absolute Highlight ist die Premier League. Die Vielfalt an Vereinen ist faszinierend. Und dass runter bis zum Sechzehnten jeder jeden schlagen kann, ist einzigartig.
Gegen Aston Villa, ein Spitzenteam der Premier League, kämpfen die Nachfolger deines Salzburger Ex-Klubs um den Aufstieg in der Europa League. Haben sie Chancen?
Ich sehe Red Bull Salzburg schon als meinen Verein, Red Bull hat den alten Verein übernommen und Werte geschaffen, die Jahrzehnte bestehen werden. Die Akademie, das Stadion, die Trainingszentren - das ist kein kurzfristiges Engagement eines Sponsors, da wird etwas hinterlassen und der Fußball ist der eindeutige Gewinner. Was das Spiel gegen Aston Villa betrifft, wird das eine ganz schwere Aufgabe. Unter Emery ist da wirklich viel weitergegangen und Villa spielt sogar um den Titel mit. Aber Salzburgs Leistung gegen Basel gibt Hoffnung. Zu sagen, dass es sich mit einem Sieg noch für den Aufstieg ausgeht, wäre Hellseherei, aber es wäre auf jeden Fall ein Image-Erfolg.
Wie hast du zuletzt die Rapid-Spiele gesehen?

Es tut weh, diese großen Leistungsunterschiede zu sehen, dass es nicht gelingt, Kontinuität reinzubringen, um zumindest die Mindestziele ohne Zitterei zu erreichen.
Du feierst am Donnerstag deinen 65. Geburtstag (alles Gute!), das ist auch dein erster Tag in der Pension. Was war zuletzt dein Aufgabenbereich und wird man dich weiterhin auf den Fußballplätzen sehen?
Ich war am Flughafen Wien im Bereich der Security in der Schulungsabteilung, also in der Ausbildung der Mitarbeiter beschäftigt. Journalistisch habe ich mich als Chefredakteur der Mitarbeiterzeitung auch betätigt. An meinem 65. Geburtstag wird auch meine Pensionierung gefeiert, dann geht es ab in den Urlaub. Danach werde ich wieder in den Fußballstadien zu sehen sein. So lange mich meine Füße tragen.
Text: Horst Hötsch; Fotos: APA-Images / brandstaetter images / Votava; GEPA pictures