24. Feb. 2026
Comebacker Lukas Sulzbacher: „Ich werde es dem Trainer nicht einfach machen"
Auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss hat Lukas Sulzbacher beim 1:1 der WSG Tirol gegen die SV Ried sein Comeback in der ADMIRAL Bundesliga gefeiert. Wie sein Leidensweg war, warum er nicht früher zurückgekommen ist und wie sich die WSG in seiner Abwesenheit verändert hat, erzählt der Verteidiger im Gespräch mit bundesliga.at
Lukas, Gratulation zum gelungenen Comeback nach einem Jahr Verletzungspause. Wie ist es gelaufen?
Es hat sich gut angefühlt, genau ein Jahr nachdem die Verletzung passiert ist, wieder auf dem Platz zu stehen. Es war eine lange Wartezeit, und wenn du das, was du am liebsten machst, ein Jahr lang nicht machen kannst, fühlt sich’s noch viel länger an. Aber es ist gut gelaufen, mit dem Knie ist alles in Ordnung und es freut mich, dass ich mithelfen konnte, noch einen Punkt zu retten.
Wie hast du den Moment, in dem der Kreuzbandriss passiert ist, abgespeichert?
Es war am 22. Februar 2025 beim 3:3 gegen den damals noch von Didi Kühbauer trainierten WAC. Ich habe auf der linken Seite gespielt. Wer der Gegenspieler war, weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls hat er mit dem Ball eine Bewegung in die Mitte gemacht, die ich mitgemacht habe. Als er dann doch wieder nach außen gegangen ist und ich mich mitdrehen wollte, habe ich einen argen Stich im Knie gespürt. Ich habe schon gleich gewusst, dass etwas nicht passt, aber voll mit Adrenalin habe ich sogar versucht, noch weiterzuspielen. Aber es war schnell klar, dass das nicht geht. Das Spiel war am Samstag, am Sonntag hat sich der Physio das Knie angeschaut und die Befürchtungen bestätigt, am Montag hat dann das MRT den Kreuzbandriss festgestellt und am Dienstag war ich schon unter dem Messer.
Du hast ein Jahr bis zum Comeback gebraucht, warst du damit im Zeitplan oder gab es Komplikationen?
Es ist alles reibungslos verlaufen, ich habe während der Reha keine gröberen Probleme gehabt, auch keine Muskelprobleme, die sich öfter einstellen. Früher hat man gesagt, dass der Heilungsverlauf bei einem Kreuzbandriss sechs bis neun Monate in Anspruch nimmt. Von sechs Monaten sind alle Ärzte heute schon wieder weg, weil die Gefahr einer Reruption viel zu groß ist. Also bin ich von Anfang an von neun Monaten ausgegangen. Die waren dann irgendwann Ende November um, aber wir haben beschlossen, dass wir wegen der zwei noch ausstehenden Spiele auch nicht mehr ins Risiko gehen. Also war ich dann ab Jänner voll im Mannschaftstraining, hab im Trainingslager alles mitgemacht und auch schon die Testspiele absolviert. Und nach zwei Wochen im Matchkader war es jetzt gegen Ried endlich so weit.
Was war in der langen Pause schlimmer, das Zuschauen müssen oder die Plagerei in der Kraftkammer?
Wenn du auf der Tribüne sitzt und immer auf das Beste für deine Mannschaft hoffst, aber nicht eingreifen kannst, ist das schlimm für einen Fußballer. Die Arbeit in der Kraftkammer war natürlich auch anstrengend, aber das habe ich alles gut weggesteckt. Was bei mir noch dazugekommen ist und anfangs für Unsicherheit gesorgt hat, war, dass auch noch mein Vertrag ausgelaufen ist.
Da hat die WSG mit der Verlängerung aber gezeigt, dass die oft propagierte „große Familie" kein leeres Gerede ist?
Eine Vertragsverlängerung muss man sich verdienen. Ich glaube, schon, dass ich sie mit meinen Leistungen vor der Verletzung verdient habe, aber es gab seitens der WSG natürlich keine Verpflichtung. Dass ich doch einen neuen Vertrag bekommen habe, war ein großer Vertrauensvorschuss von Verein, Trainer und Sportdirektor, den ich jetzt mit Leistung zurückzahlen will.
Du hast den Großteil deiner Bundesliga-Spiele noch unter Thomas Silberberger bestritten. Wie sehr hat sich die WSG unter Philipp Semlic verändert?
Ich glaube, wir haben uns im Ballbesitz noch einmal stark verbessert und sind auch noch aggressiver gegen den Ball. Als Mannschaft haben wir definitiv große Entwicklungsschritte gemacht, das zeigt sich auch daran, dass wir auch die Großen wie Sturm und Salzburg geschlagen haben.
Wie hast du die Wandlung von Valentino Müller zum Torjäger verfolgt?
Tino ist einer meiner besten Freunde, wir waren auch während meiner Reha im ständigen Austausch. Es freut mich total für ihn, dass es bei ihm endlich so gut funktioniert. Ich hoffe, er bleibt dran.
Wie soll es mit dir weitergehen, nächstes Ziel Stammplatz?
Klar, jeder will spielen, da heißt es geduldig bleiben. Aber ich werde es dem Trainer nicht einfach machen. Im Fußball kann es sehr schnell gehen, ich werde meine Chance bekommen und sie nützen. Zum Glück bin ich ja schon bei Rapid so ausgebildet worden, dass ich auf beiden Seiten und auch im Zentrum spielen kann.
Du warst ja auch bekannt für deine weiten Einwürfe, auch da gibt es mittlerweile starke Konkurrenz. Bist du noch die Nummer 1 in dieser Disziplin?
Es gibt schon ein paar, die das gut können, wir haben mittlerweile auch mehrere Varianten, aber ich glaube, wenn es darum geht, wer am weitesten wirft, bin ich schon noch deutlich vorne.
Die WSG könnte mit zwei Siegen noch auf 31 Punkte kommen und theoretisch noch in die Meistergruppe einziehen. Ist das noch Thema bei euch?
Die Tabelle ist brutal eng, unsere letzten beiden Spiele im Grunddurchgang sind gegen die zwei Teams, die hinter uns stehen. Wir konzentrieren uns einmal auf das Spiel gegen Blau-Weiß Linz. Wenn dann theoretisch noch etwas möglich ist, werden wir weitersehen. Aber egal, ob wir oben oder unten sein werden, die Punkte sind überall wichtig.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures