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28. Apr. 2026

Dejan Stojanovic SCR Altach Torwart

Dejan Stojanovic: "Ich habe schon immer meinen eigenen Kopf gehabt"

Auf Altach-Torhüter Dejan Stojanovic warten spannende Aufgaben. Nach dem Cupfinale gegen den LASK will der Torhüter mit der besten Fangquote in der ADMIRAL Bundesliga auch noch dafür sorgen, dass die Vorarlberger die Saison mit den wenigsten Gegentoren abschließen. Mit bundesliga.at sprach er über seine Trainer Stefano Pioli und Neil Warnock und warum es vielleicht besser war, dass er erst nach Miroslav Klose ins Ländle kam.

Dejan, wie ist gerade die Stimmung bei euch in Altach - könnt ihr euch ganz auf das Cupfinale konzentrieren oder macht euch der Klassenerhalt in der ADMIRAL Bundesliga wieder Sorgen?

Das war schon eine intensive letzte Woche. Ärgerlich, dass wir in Tirol eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben haben. Nach dem 0:0 im Heimspiel gegen die WSG war die 0:3-Niederlage bei Blau-Weiß Linz schon ein Dämpfer für uns. Aber wir werden das wieder hinkriegen. Jetzt haben wir einmal genügend Zeit, um den Fokus auf das Finale zu legen, um in Klagenfurt eine optimale Leistung auf den Platz zu bringen.

Dein Vater Aco war Zweitliga-Torjäger in Bregenz, für den der Aufstieg in die Bundesliga etwas zu spät gekommen ist. Wie stolz ist er auf dich, dass du mit einem Vorarlberger Klub im Cupfinale stehst?

Er ist sowieso mega-stolz auf meine ganze Karriere. Mein Vater war schon immer mein größter Fan, aber auch mein größter Kritiker. Er war zwar Stürmer und ich bin Torhüter, aber er hat immer wertvolle Tipps für mich gehabt, weil auch ein Tormann verstehen muss, wie ein Stürmer denkt.

Dein älterer Bruder, der jetzt Trainer in der Akademie ist, war Stürmer wie dein Vater - wieso bist du im Tor gelandet?

Wahrscheinlich habe ich schon immer meinen eigenen Kopf gehabt, aber ich habe auch lange draußen gespielt, erst mit elf, zwölf Jahren bin ich fix ins Tor gegangen.

Dafür bist du schnell in Italien beim FC Bologna gelandet.

Ich war noch 17, als ich nach Italien gegangen bin, nachdem ich davor in der 2. Liga beim FC Lustenau schon auf mich aufmerksam machen konnte. Ich habe in Bologna viel gelernt, auch wenn ich dann bei den Profis nicht viel gespielt habe. Das hat mir später in der Karriere sehr geholfen.

Dejan Stojanovic beim FC Lustenau

Dein erster Profitrainer in Bologna war gleich Stefano Pioli, der später AC Milan zum Meistertitel geführt hat. Was sind deine Erfahrungen mit ihm?

Er war schon damals ein sehr guter Trainer, hat mir bereits sehr jung das Vertrauen geschenkt und mich in die richtige Richtung gelenkt. Leider sind nach dem Abstieg in die Serie B alle weg, die auf mich gesetzt haben und ich habe nur noch ein paar Spiele für Bologna gemacht.

Zwei Jahre davor hast du mit 19 dein Debüt gegeben – beim 0:6 gegen Lazio Rom hat dir der spätere Altach-Trainer Miroslav Klose fünf Tore geschossen. Ein Albtraum?

Miroslav Klose Trainer

Das war mein erstes Spiel in der Serie A, aber mein eigentliches Debüt habe ich schon ein paar Monate davor im Cup-Achtelfinale gegen Napoli gefeiert. Wir haben 2:1 gewonnen und ich habe ein Mega-Spiel gemacht. Beim 0:6 gegen Lazio war schon klar, dass wir in der Liga bleiben. Da ist es Schlag auf Schlag gegangen, zur Pause waren wir schon 0:4 hinten. Und Miro Klose hat seinen Spaß gehabt. Trotzdem war ich so fasziniert von ihm, dass ich nach dem Spiel mit ihm Trikot tauschen wollte. Aber ich hab’s nicht bekommen, ich glaube, er hat mich nicht einmal angeschaut. Das war ein bitterer Start, trotzdem habe ich auch eine Woche später gegen Parma wieder gespielt und bin nach einem 2:0-Sieg bei Eurosport in die Mannschaft der Runde nominiert worden.

Vielleicht war es nach dieser Erfahrung gut, dass du erst nach Klose nach Altach gekommen bist. Mit Neil Warnock, einem anderen großen Trainernamen, hast du in Middlesbrough Bekanntschaft gemacht. Warum ist das nicht so gut gelaufen?

Er ist ein spezieller Typ, keiner der lange um eine Sache herumredet, sondern dir alles ins Gesicht sagt, was auch okay ist. Auf jeden Fall war ziemlich schnell klar, dass er nicht auf mich setzt. Aber die ganze Situation war unglücklich. Ich bin nach Middlesbrough gekommen und unmittelbar nach meinem ersten Spiel gegen Charlton ist es wegen Corona zum ersten Lockdown gekommen. Nach drei Monaten Pause haben wir das erste Siel verloren und Jonathan Woodgate ist abgelöst worden. Unter Warnock habe ich zwar die Saison noch fertig gespielt und wir haben auch die Liga gehalten, aber in der nächsten Saison habe ich mich im Winter nach St. Pauli verleihen lassen, wo wir eine super Rückrunde gespielt haben.

Dejan Stojanovic bei St. Pauli

In Altach hast du seit drei Jahren den Einser-Status und überzeugst mit den besten Fangquoten der ADMIRAL Bundesliga. Wie fühlt sich das an?

Das liest und hört man natürlich gerne. Bei Klubs wie Altach bekommt man als Tormann aber auch öfter Gelegenheit, sich auszuzeichnen. In dieser Saison ist es viel besser, aber ich kann mich an mein erstes Spiel bei Rapid erinnern, wo wir gefühlt 40 Schüsse auf das Tor bekommen haben. Für jeden Torhüter ist es wichtig, viel zu spielen. Nur so bekommst du ein Gefühl dafür, wie die Spieler und der Verein ticken. In Altach stehen die Fans und der Verein voll hinter mir, bis auf St. Gallen, wo ich auch zwei Jahre Nummer 1 war, war das in meiner Karriere vielleicht nicht immer so. 

Altach vs Rapid Dejan Stojanovic

Nur Sturm Graz hat um ein Tor weniger kassiert als der SCR Altach. Ist das ein Ziel, die Saison mit den wenigsten Gegentore abzuschließen?

Gerade in letzter Zeit ist es uns gegen Mannschaften auf Augenhöhe leider nicht mehr so gut gelungen, ohne Gegentore zu bleiben. Deshalb wollen wir in den ausstehenden Spielen so oft wie möglich zu Null spielen, weil das bedeutet, dass wir dann auch die nötigen Punkte machen. Wenn wir dann auch die wenigsten Gegentore aller Teams haben, wäre das schon eine Leistung, auf die wir stolz sein können.

Du bist jetzt 32, ist das das beste Tormann-Alter?

Die Leute fangen schon an, mir zu sagen, dass ich die Zeit genießen soll, so lange es noch geht. Ich denke mir immer "Was redest du? ich bin doch gerade erst mittendrin“. Ich bin topfit und hoffe, dass ich schon noch ein paar gute Jahre vor mir habe.

In Altach?

Es ist gerade perfekt hier. Ich heirate im Sommer, wir haben zwei Kinder, mit dem Verein haben wir erste Vertragsgespräche geführt. Aber jetzt wollen wir uns auf die nächsten Spiele fokussieren, danach werden wir die Gespräch wieder aufnehmen. 

Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures