15. Sept. 2026
Deni Alar: „Wenn Kiteishvili bleibt, schafft er die 100 Bundesliga-Tore“
Bevor Salzburg und Sturm einander zum Schlager in der ADMIRAL Bundesliga treffen, bekommen sie es in der Europa League mit Levski Sofia bzw. Stade Rennes zu tun. Bundesliga.at bat deshalb den ehemaligen Sturm-Torjäger und Levski-Legionär Deni Alar um seine Einschätzung. Der Ex-Teamstürmer verrät außerdem, wen er im Titelkampf erwartet und warum er auch mit 97 Bundesliga-Toren gut leben kann.
Hallo Deni, du hast dem SV Gloggnitz zuletzt wegen einer Oberschenkelzerrung gefehlt. Bist du wieder fit und kannst dem Titelverteidiger in der Regionalliga Ost wieder helfen?
Nein, ich bin noch nicht im Training, werde noch ein paar Tage abwarten müssen, aber dann sollte es bald wieder gehen. Wir haben einen guten Start gehabt, leider habe ich mich dann verletzt und in den letzten Wochen ist es ein bisschen unglücklich gelaufen. Aber wir haben eine gute Mannschaft und sollten schnell wieder in die Gänge kommen.
Bevor es am Wochenende zum Duell zwischen Salzburg und deinem Ex-Klub Sturm kommt, müssen die Salzburger in der Europa League zu einem anderen Ex-Klub von dir, zu Levski Sofia. Wie waren deine Erfahrungen in Bulgarien?

Am Anfang war es gar nicht so schlecht, wir waren sogar eine Zeitlang Tabellenführer. Als wir dann ein paar Punkte zurückgefallen sind, hat uns der Präsident die Punkteprämien gestrichen und es ist eine recht turbulente Saison geworden. Dann ist auch noch Corona dazugekommen und hat alles noch komplizierter gemacht. Aber alles in allem war es keine schlechte Zeit.
Was erwartet Salzburg in Sofia, verfolgst du Levski noch?
Ich bin mit einem Fan in Kontakt geblieben, der mich mit Informationen versorgt. Er hat mir auch Videos von Levskis Meistertitel geschickt. Levski hat ja nach 13 oder 14 Jahren die Titelserie von Ludogorets Razgrad beendet. Nach so langer Zeit wieder Meister zu werden, war natürlich etwas Besonderes für den Klub und die Fans. Die Fans sind richtig gut. Das Stadion ist nicht immer voll, aber hinter dem Tor sorgen sie schon dafür, dass es immer laut ist.
Mit Julio Velazquez hat Levski einen spanischen Trainer, wie überhaupt sechs der acht Trainer der Salzburger Gruppengegner aus Portugal und Spanien kommen. Ein Trend?
Das weiß ich nicht. Man könnte auch sagen deutsche und österreichische Trainer sind im Trend, weil derzeit viele von ihnen in der Premier League sind. Es kommt immer darauf an, wer bei einem Klub Sportdirektor ist, wen er kennt und wer ihm empfohlen wird. Levski setzt schon seit Jahren auf viele Ausländer. Jetzt ist es mit Velazquez ein spanischer Trainer, aber ein sehr erfolgreicher.
Auch im Levski-Kader stehen viele Legionäre. Wo steht der bulgarische Fußball, die Nationalmannschaft ist ja weit von den Erfolgen der 1990er-Jahre entfernt?
Das Problem ist auch in Bulgarien, dass die Klubs oft nur noch drei, vier Einheimische haben, die noch dazu meist schon älter sind. Den Jungen fehlt dann die Spielpraxis und sie können sich nicht weiterentwickeln. Das wirkt sich vor allem im Nationalteam aus.
Red Bull Salzburg ist dagegen bekannt dafür, eine der jüngsten Mannschaften Europas zu haben. Kann man damit an die erfolgreichen Jahre anschließen?
Nur mit Jungen geht es auch nicht. Salzburgs Problem der letzten zwei, drei Jahre war schon, dass sie keine richtigen Führungsspieler mehr gehabt haben, wie es früher Ulmer, Ilsanker oder Schiemer waren. Alex Schlager war vielleicht einer, aber für einen Tormann ist es schwieriger, ins Spiel einzugreifen. Mit Tabakovic haben sie aber jetzt wieder einen echten Führungsspieler, der noch dazu jede Menge Tore macht.

Apropos Jugend, du bist ja im Nachwuchsbereich auch schon als Trainer tätig.
Ich bin seit Sommer Co-Trainer von Tommy Wright bei der U18 der Admira. Das passt gut zu meinen Trainingszeiten in Gloggnitz und ist interessant für die Zukunft, die ich schon weiterhin im Fußball sehe. Ich habe schon seit drei Jahren die Trainer-B-Lizenz und mache jetzt das Diplom für die B-Junioren.
Besonders für seine Nachwuchsarbeit ist auch Sturms Europa-League-Gegner Stade Rennes bekannt. Hast du auch Erfahrung mit französischen Klubs gehabt?
Nein, ich glaube, ich habe im Europacup nie gegen eine französische Mannschaft gespielt. Aber Frankreich verfügt natürlich über unglaubliche Talente, Paris steht zwar über allem, aber Rennes und Lyon bringen auch immer wieder gute Spieler hervor. Für die Zukunft müssen sich die Franzosen auf jeden Fall keine Sorgen machen. Sie könnten zwei oder drei Nationalmannschaften stellen.
Bei Sturm bekommt Kiteishvili nach seiner Verletzung wieder mehr Spielzeit. Wie abhängig sind die Grazer von ihm?
Kiteishvili ist der beste Spieler in Österreich, natürlich bist du von so einem Spieler abhängig. Vor allem aber haben die Grazer in den letzten ein, zwei Jahren keinen Stürmer gehabt, der regelmäßig trifft. Hätten sie den in der vergangen Saison gehabt, wären sie wieder Meister geworden. Auch jetzt muss man erst abwarten, wie Weiper einschlägt, wenn er voll fit ist.
Am Sonntag kommt es in der ADMIRAL Bundesliga zum Duell zwischen Salzburg und Sturm - werden beide Teams um den Titel mitmischen?
Da sind auf jeden Fall zwei Mannschaften, die um den Titel spielen, deshalb ist in diesem Spiel auch alles möglich, obwohl Salzburg daheim leichter Favorit ist. Für Sturm war der Sieg am Sonntag gegen den LASK enorm wichtig, sonst wäre es schwierig geworden. Ich glaube, dass sich vier Mannschaften den Titel ausmachen werden, wobei ich beim LASK und Salzburg leichte Vorteile sehe. Aber Rapid macht es auch gut.

Was zeichnet Rapid aus?
Yusi ist wieder richtig gut, weil er auch wieder richtig fit ist. Rapid spielt einen guten Fußball und steht verdient oben. Aber ich bin gespannt auf die nächsten Wochen und Monate, wie stabil die Mannschaft schon ist. Gut gestartet sind sie auch im letzten Jahr, aber jetzt sind sie deutlich weiter. Was noch fehlt, ist ein Sechser, der ihnen mehr defensive Stabilität verleiht.
Rapid ist das einzige der vier Teams, das nicht mehr im Europacup vertreten ist. Ein Vorteil?
Es kann ein Vorteil sein, aber wenn du in Liga und Europacup Erfolg hast, gibt das so viel Selbstvertrauen, dass du die Mehrbelastung nicht spürst. Außerdem ist das Ziel in der Meisterschaft ja der Europacup, wenn man dann schon nach ein paar Qualifikationsspielen von Doppelbelastung spricht, passt etwas nicht. Da muss man sich eben so aufstellen, dass man auskommt.
Wenn man auf deine Zahlen in der ADMIRAL Bundesliga schaut, fallen die 97 Tore ins Auge. Ist es ärgerlich, dass du um drei Tore die Aufnahme in den „Legendenklub“ verpasst hast?
Die 100 hätte ich schon noch gerne geschafft, leider habe ich am Ende bei Rapid nicht mehr viel Gelegenheit bekommen, die fehlenden Tore noch zu schießen. Aber es ist, wie es ist. 97 Tore sind auch nicht schlecht.
Vor allem, wenn man weiß, dass heute Pink und Kiteishvili mit 62 bzw. 60 Toren schon die besten aktiven Torjäger sind.
Heute geht es viel schneller ins Ausland. Aber Kiteishvili hat 60 Tore? Wenn er bleibt, schafft er den 100er noch.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures