10. Feb. 2026
Derby-Spezialist Helmut Kraft: „LASK kann Meister werden!“
Helmut Kraft ist ein echter Spezialist für das Oberösterreich-Derby. Vor dem kommenden Duell der SV Oberbank Ried gegen den LASK spricht der Ex-Trainer beider Mannschaften (2006/07 in Ried, 2010 in Linz) über Kuriositäten, die besondere Brisanz und den Aufschwung der OÖ-Rivalen. Und der 67-Jährige, aktuell Trainer beim Tiroler Viertligisten SV Fügen, verrät, was er seinen früheren Vereinen zutraut.
Sie haben als Trainer beider Mannschaften insgesamt sieben OÖ-Derbys gespielt, fünf mit dem LASK, zwei mit den Riedern. Was macht den besonderen Reiz grad dieses Derbys aus?
Wie bei jedem Derby spielt die geografische Nähe eine große Rolle. Hier im speziellen kommt hinzu, dass aus Sicht der Innviertler die Hauptstädter ja so etwas wie eine Prellbock-Funktion ausüben. Man möchte denen aus der Hauptstadt schon gerne zeigen, wer die eigentliche Nummer 1 im Land ist. Didi (Anm.: Kühbauer) hat den LASK derzeit als Nummer 1 von Oberösterreich positioniert, genau das werden die Rieder aber als große Herausforderung begreifen. Dass die beiden Mannschaften auch im Cup-Halbfinale aufeinandertreffen, befeuert die Ausgangslage zusätzlich.
Sie wurden mit Ried in der Saison 06/07 sensationell Vizemeister und zogen in den Europacup ein… Was war der Hauptgrund, dass so etwas mit einem Underdog wie Ried möglich war?
Wir waren nach sieben Runden Letzter (Anm.: Ried hatte die wenigsten Punkte geholt, dem GAK wurden aber vor der Saison 28 Punkte abgezogen), ich stand ganz knapp vor dem Rauswurf. Doch dann hat sich eine brutale Eigendynamik innerhalb der Mannschaft entwickelt. Wir hatten damals tolle Typen wie Herwig Drechsel, Oliver Glasner oder Hamdi Salihi im Sturm. Dazu Hans-Peter Berger im Tor. Die haben sich gegenseitig gepusht und konnten auch richtig gut Fußball spielen. Da die vermeintlich großen Klubs wie Rapid, Austria oder Sturm damals Probleme hatten, wurden wir hinauf bis auf Platz zwei gespült. Das war nicht nur für uns selbst, sondern für die ganze Liga eine Überraschung.
Ihre Zeit in Ried endete im Oktober 2007, ausgerechnet mit einem 3:0-Erfolg (!) im OÖ-Derby gegen den LASK. Wie war das möglich?

Das war für mich eine schwierige Situation damals. Ich hatte ein privates Thema zu der Zeit, meine Frau wollte, dass ich nach Innsbruck zurückkomme, wo mir Wacker ein Angebot gemacht hat. Der damalige Sportchef von Ried Stefan Reiter hat damals – halb im Spaß, halb im Ernst – zu mir gesagt: „Wenn wir das Derby gewinnen, lasse ich dich gehen.“ Wir haben dann wirklich gewonnen, ich bin zu Wacker gewechselt, obwohl Ried sportlich viel mehr Potenzial hatte.
Über Wacker Innsbruck und Wr. Neustadt heuerten Sie im Februar 2010 beim LASK an. War Ihre erfolgreiche Ried-Vergangenheit dabei ein Thema?
Nachdem ich im Winter bei Wr. Neustadt entlassen worden war, rief mich LASK-Präsident Peter Michael Reichel an und sagte: „Ein Trainer, der mit Ried Vizemeister wurde, muss Qualität haben!“ Im Frühjahr klappte es auch noch ganz gut, im Herbst dann leider nicht mehr. Deshalb gab es den Abschied, der mir sehr leidtat, weil ich mich in Oberösterreich – ob Ried, LASK oder auch bei Pasching – immer sehr wohlgefühlt habe.
Und jetzt wird’s kurios: Auch diesmal war Ihr letztes Spiel das OÖ-Derby, diesmal setzte es eine 0:1-Niederlage gegen Ried.
Das Derby war sicherlich der Knackpunkt. Diese Spiele haben eben diese Brisanz, so dass die jeweilige Klubführung viel empfindlicher auf Niederlagen reagiert. Hätten wir die Rieder geschlagen, wäre ich sicher nicht entlassen worden.
Seit dieser Zeit hat sich der LASK zu einem Top-Klub gemausert, der auch international große Auftritte hatte. Ried wurde dagegen eine Mannschaft, die zwischen den Ligen pendelte. Wie haben Sie die Reisen Ihrer Ex-Klubs aus der Ferne wahrgenommen?
Bei Ried gab es einige Aufs und Abs, vor allem nach dem Weggang von Stefan Reiter. Da musste sich der Verein erst einmal neu finden. Stefan war für mich derjenige, der viel Qualität in den Verein brachte und auch für Kontinuität stand. Beim LASK gab es auch nach meiner Zeit noch ein paar Turbulenzen, aber spätestens mit Oliver Glasner ging es Vollgas in die richtige Richtung. Heuer zu Saisonbeginn hatten sie einige Probleme, erst mit Didi hat es dann so funktioniert, wie sich die LASK-Fans das wünschen. So wie ich das aus der Ferne beobachte, wird derzeit in beiden Vereinen sehr gut, sehr seriös und nachhaltig gearbeitet.
Vor dem Duell am Samstag (17 Uhr, live bei Sky) stehen beide Teams im Rahmen ihrer Erwartungen sehr gut da. Beim LASK träumen manche nach der sensationellen Aufholjagd unter Didi Kühbauer schon vom Meistertitel… Für Sie nachvollziehbar?

(lacht) Diese Träume wundern mich nach dieser unglaublichen Serie nicht. Der Kader hat ja ohnehin eine hohe Qualität, mit Didi als Trainer bildet man eine total starke Einheit, die einfach funktioniert. Sie gewinnen ja sogar Spiele, wie zuletzt gegen Wattens, bei denen sie gar nicht so gut spielen. Das ist eine riesige Qualität, die erfolgreiche Teams auszeichnet. Ich glaube, dass der LASK heuer sehr gute Chancen hat, den Meistertitel zu gewinnen.
Auch der Trainer auf der anderen Seite, Maximilian Senft, ist in aller Munde und gilt als heiße Trainer-Aktie. Wie beurteilen Sie die Arbeit des noch jungen Kollegen?
Sie spielen für einen Aufsteiger eine ganz starke Saison und klopfen an den Top 6 an, was ich ihnen auch absolut zutraue. Allein das zeugt von sehr guter Arbeit. Maximilian Senft kann in Ried in Ruhe arbeiten, so wie es bei mir auch der Fall war. Das ist der große Vorteil am Standort Ried: Man muss nicht dauernd in der Auslage stehen und kann sich auf den Job konzentrieren. Senft arbeitet akribisch und detailverliebt und ist mit seiner Art sehr erfolgreich, auch wenn er ein ganz anderer Typ ist als der Didi.
Am Samstag hat Ried Heimrecht, das Hinspiel in Linz haben die „Wikinger“ mit 3:1 gewonnen. Gibt es für Sie einen Favoriten?
Überhaupt nicht! Ich habe die Rieder im Cup gegen Rapid gesehen, da waren sie extrem kampfstark und haben Rapid das Leben schwer gemacht. Wenn sie es gegen den LASK ähnlich anlegen, wird das eine ganz knappe Partie mit offenem Ausgang. In dieser Konstellation von einem Favoriten zu sprechen, wäre komplett verfehlt.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures