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24. Juli 2026

Didi Kühbauer LASK Trainer

Didi Kühbauer: „Das müssen wir schleunigst ändern!“

Der LASK-Erfolgscoach im Interview über den nötigen Kurswechsel in Österreich, den schwierigen Spagat zwischen Europacup und Meisterschaft und weshalb er einem Auslandsengagement nicht um jeden Preis hinterherläuft. Wie sich Ilco Naumoski als sein Teamchef-Assistent machen würde, was ihn an der WM getaugt und gewundert hat und welche Rolle Harakaté und Schöpf beim LASK spielen sollen.

Die letzte Saison wird mit dem Double schwer zu toppen sein. Wie legt ihr das bei der Zielsetzung an?

Wenn der Kader komplett steht, werden wir uns alle zusammensetzen und sagen, was wollen wir erreichen und was ist machbar? Keine utopischen Ziele. Was wir letzte Saison geschafft haben, war ja eigentlich utopisch. Wenn wir das wieder schaffen, weiß ich nicht, was ich machen würde.

Als Titelverteidiger seid ihr jetzt in einer neuen Rolle – Favoritenrolle in Wahrheit.

Ich glaub, da ändert sich wenig. Bei unseren Spielen gegen Rapid, Austria, Sturm oder Salzburg  gab es schon letzte Saison keinen Favoriten. Und gegen die Kleinen, die auch nicht schlafen, waren wir letzte Saison auch schon Favoriten. Ich muss den Spielern schon klar machen: Wenn einer jetzt glaubt, dass wir wegen dem Titel jetzt in jedem Spiel Favorit sind, ist das kein guter Zugang. Die Jungs wissen, mit der Leistung müssen wir es gut machen, nicht mit Worten.

Als nächsthöheres Ziel bleibt für euch jetzt der Europacup.

Klar, wollen wir jetzt mal schauen, ob wir die Champions League Quali schaffen -  natürlich ist uns bewusst, dass wir da gute Gegner kriegen. Sonst müssen wir Österreich in der Europa League gut vertreten. Und die Meisterschaft darfst du sowieso nicht vergessen. 

Nach dem Doublegewinn können aber wohl nur Europacup-Erfolge der nächste Step sein.

LASK Meisterjubel Kühbauer

Ja, aber trotzdem dürfen wir nicht den Fehler machen, nur an Europa zu denken und das nationale liegen zu lassen – das wäre fatal. Leistung abrufen, rotieren und fit bleiben – das wird im Herbst enorm wichtig sein.  

Viele finden, die Österreichischen Klubs waren durch das Pressing, bei dem sich alle an Salzburg orientiert haben, in den letzten Jahren zu ausrechenbar.

Die Ursache liegt in den Jahren davor, weil wir nur noch auf das Kollektiv und gegen den Ball arbeiten geschaut haben und so keine 1 gegen 1 Spieler entwickelt haben. So haben wir unten im Nachwuchs die Leute verloren. Das müssen wir schleunigst ändern. Damit wir mit dem Ball nicht mehr diese Probleme haben.

Nach den Erfolgen war ja gewisses Interesse an dir als Trainer da. Muss da jetzt nicht das Ausland das große Ziel sein?

Ganz ehrlich. Ich bin jetzt 55 Jahre und noch immer in der Lage, Trainer in einer guten Mannschaft zu sein. Das ist ein Privileg. Weil ich weiß, wie viele Trainer es in Österreich gibt. Klar sagt jeder, das Ausland ist das nächste Ziel. Aber wenn es jetzt nichts wird, bin ich nicht der, der daheim hockt, gegen die Wand schaut und sagt, ich hab was verpasst. Diesen Zwang dem Nachzurennen hatte ich noch nie, das geb ich ganz ehrlich zu. Es ist nicht so, dass ich deshalb jetzt schlaflose Nächte hab.

Aber hast du es offensiv betrieben? Manager angesetzt?

Ich hab natürlich einen Manager, aber es ist nicht so, dass ich ihm gesagt hab, such mir sofort was. Davon bin ich weit entfernt. Ich bin ehrgeizig, egal, ob im Inland oder Ausland.

Hättest du dir nach dem Doublesieg noch mehr Interesse an deiner Person gewünscht?

Didi Kühbauer Trainer LASK

Ich hab mir schon gedacht, a Wahnsinn, das gibt’s ja nicht, dass sie mir bei Real wieder den Mourinho vorziehen. Nein, im Ernst. Ich bin nicht enttäuscht und Realist, wir sind ein kleines Land. Das Interesse der Zuschauer steigt, die Stadien werden besser – die sollten noch besser werden. Das hebt auch die Liga.

Würde dich der Teamchefposten reizen oder kommt das erst ab einem gewissen Alter?

Ich bin sehr gut im täglichen Training und Austausch mit den Spielern. Teamchef zu sein, ist keine einfache Arbeit, weil da bist du nicht kluborientiert – da sind die Salzburger, Rapidler oder Austrianer eins, und da hast du natürlich noch mehr Druck. Der Druck wäre mir ja wurscht. Aber ich hab keine Minute daran gedacht, das wird sich auch die nächsten Jahre vermutlich nicht ändern.

Dein Ex Mattersburg-Kollege Ilco Naumoski hat bei uns gesagt, irgendwann wird der Didi Teamchef.

In Nordmazedonien wahrscheinlich, aber mit ihm als Assistent. Da wird er aber nicht lange auf der Bank sitzen. Ich bin ja tiefenentspannt, aber bei ihm kann ich nicht die Hand ins Feuer legen, ob er die 90 Minuten überlebt (lacht). 

Ihr hattet ja starke Testspielgegner – schon im Blickrichtung Europacup vermutlich.

Unsere Spiele waren nicht 100 Prozent überzeugend, aber das sagt für die Saison nichts aus. Wennst gegen Fenerbahce spielst, ist klar, fußballerisch wirst Zweiter sein. Da haben wir es ganz gut gemacht, gegen Kleinere weniger. Vorbereitung ist nie zu werten, ich will nur sehen, dass sie alles reinhauen und die Sachen umsetzen, die wir besprechen. Das ist wichtiger als Resultate.

Was sagst du zu den Hydration Breaks und anderen WM-Neuerungen?

Ich weiß nicht, ob es was bringt, wenn die Stadion eh schon runtergekühlt sind, klar hilft es den Trainern für kurze Zeit, andererseits ist es noch eine Pause mehr. Die VAR Entscheidungen waren für mich auch manchmal überraschend. Und die nicht exekutierte Rotsperre, so etwas darf nicht sein. Die Stadien und die Größe war aber unglaublich und top. Sonst hat mich die WM nicht so geflasht mit neuen Erkenntnissen. Die Pauseneinlage hab ich verschlafen. Der Körper ist da wahrscheinlich bewusst runtergefahren. Das war nicht so meins, weil das geht für mich eher in Richtung Superbowl. 

Öftere und längere Pausen sind ja auch für den Körper schwierig, sagt die Sportwissenschaft.

Ja, das hat eh der Klubarzt von Rapid gemeint. Der Sportler sollte bei der Geschichte schon noch das Wichtigste sein.

Von euren Neuzugängen, was bringt ein Harakaté in die Mannschaft ein?

Harakate LASK Testspiel

Es ist noch zu früh, das zu sagen. Man sieht schon, dass er ein guter Kicker ist. Er war vorher bei St. Pölten, dann beim GAK – er hat bei allen seine Assists und Tore gemacht. Bei uns wird man natürlich anders begutachtet, aber ich sehe das als Chance für ihn. Ich erwarte und wünsche mir, dass er bei uns den nächsten Schritt macht. Er ist noch jung, kann dann vielleicht noch andere Ligen sehen. Aber das wünsch ich mir eh für alle Spieler.

Nicht mehr so jung ist Alessandro Schöpf. Warum hast du dich für ihn entschieden?

Weil er ein sehr guter Fußballer und Typ ist. Weil er immer präsent ist und du ihn immer anspielen kannst. Das heißt nicht, dass er immer gut spielt, aber er ist einer, der der Mannschaft Professionalität mitgibt. Das ist auch sehr wichtig. Du kannst nicht nur mit Jungen spielen. Du brauchst die Spieler, die internationale Erfahrung haben. Richtig kennengelernt hab ich ihn bei Wolfsberg und da hat mir schon imponiert, wie er als Profi agiert. Vor dem Training, nach dem Training, der ist ein richtig guter Profi. Vielleicht nimmt er ein paar mit, die das auch ins Mindset aufnehmen.

Text: Christoph König; Fotos: GEPA pictures, LASK