27. Okt. 2026
Die besten Saisonstarts in der Geschichte der ADMIRAL Bundesliga
Bundesliga-Legende Michael Streiter hat zwischen 1983 und 2001 für den FC Tirol und die Wiener Austria 451 Bundesliga-Spiele bestritten. Für bundesliga.at nimmt der Präsident seines Heimatvereins FC Volders die acht besten Saisonstarts der Bundesliga-Geschichte unter die Lupe. Spoiler: Rapids aktuelle 27 Punkte reichen "nur" für Platz 5.
8. FC Tirol 2001/02 (26 Punkte, 22:0 Tore)

„Das war die letzte Saison meiner Karriere, in der ich aber nur mehr im damaligen Supercup zum Einsatz gekommen bin, weil meine Bandscheiben nicht mehr mitgespielt haben“, erinnert sich Tirols Bundesliga-Rekordspieler Michael Streiter, „nach 20 Jahren als Profi hatte mein Körper einfach genug“. Die bis heute gültige Rekord-Torsperre von 1.085 Minuten, die Keeper Marc Ziegler damals aufstellte, hat der Ex-Teamverteidiger sozusagen erste Reihe fußfrei verfolgt. "Das war eine Mega-Leistung. Aber nicht nur von Marc. Um so lange ohne Gegentor zu bleiben, muss es in der Truppe von vorne bis hinten stimmen.“ Und das hat es. „Obwohl Marc schon auch ein paar Unhaltbare herausgefischt hat“, so Streiter. "Er war für mich der erste Torhüter einer neuen Generation in Österreich, die mit ihrer Größe und Schnelligkeit gepunktet hat.“ Erst dem Tiroler Florian Sturm im Bregenz-Dress gelang es in der 12. Runde, den Tiroler Riegel erstmals zu knacken.
7. FK Austria Wien 1983/84 (umgerechnet 26 Punkte, 31:6 Tore)
„Das war meine erste Bundesliga-Saison. Ich bin mit 17 aus meinem kleinen Dorf nach Innsbruck gekommen und habe innerhalb von drei, vier Wochen in der Mannschaft Fuß gefasst“, spielte Michi Streiter plötzlich gegen Stars wie Prohaska, Nyilasi oder Drabits, „die ich vorher nur im Fernsehen gesehen habe.“ Nach zehn Runden hatte die Austria-Tormaschine 31 Tore auf dem Konto, elf davon gingen auf die Kappe des Ungarn Tibor Nyilasi. In der 13. Runde musste sich das violette Starensemble auf dem Tivoli gegen Streiter & Co. aber 1:2 geschlagen geben. Zweifacher Torschütze war Roland Hattenberger, sonst gar nicht als Torjäger bekannt. „Der Roli war aus Stuttgart gekommen und hat mich mit der Mentalität, die er aus Deutschland mitgebracht hat, geprägt. Er hat nicht 90 Minuten alles gegeben, sondern wirklich erst als der Schiedsrichter abgepfiffen hat.“
6. FC Tirol 1999/00 (27 Punkte, 22:3 Tore)

Zehn Jahre waren seit dem letzten Meistertitel unter Ernst Happel vergangen, als der ehemalige Publikumsliebling Kurt Jara als Trainer auf dem Tivoli neues Feuer entfachte – und mit einem Traumstart die Basis für den achten Meistertitel und einen drei Jahre anhaltenden Höhenflug legte (dem freilich ein böser Absturz folgte). Michael Streiter war nicht mehr mit von der Partie, er war zur Wiener Austria gewechselt. "Es hat Gründe gegeben, aber die hatten nichts mit Kurt Jara zu tun“, hadert er nicht damit, dass er dadurch zwei Meistertitel verpasste. "Ich habe bei der Austria auch zwei schöne Jahre gehabt und bin sogar noch einmal ins Nationalteam zurückgekehrt."
5. SK Rapid 2026/27 (27 Punkte, 31:9 Tore)
”Eine tolle Serie“, applaudiert Michael Streiter Rapid, ”aber wie lange hält sie diesmal?“ Was den 60-Jährigen zweifeln lässt: "Mir hat bei Rapid in den letzten Jahren die Konstanz im Kader gefehlt. Wenn ich jede Saison sechs, sieben Stammspieler austausche, kann es nicht funktionieren. Peter Stöger ist im Vorjahr auch durchgestartet und hat dann einen Einbruch erlebt. Obwohl es diesmal schon stabiler zu sein scheint.“ Dass jetzt Rapid aber vorne mitmischt, ist für den Tiroler eine Bereicherung: „Das ist gut und spannend für die Liga. Es ist fast so wie zu unserer Zeit. Wir haben mit den beiden Wiener Klubs und Salzburg um den Titel gekämpft. Und die Admira war auch nie weit weg.“
4. SK Rapid 1987/88 (umgerechnet 28 Punkte, 28:9 Tore)

Das Rapid-Solo der Saison 1987/88 wurde erst in der 22. Runde gestoppt, in den ersten zehn Runden waren es nur Michi Streiter und seine Kollegen, die Otto „Maximale" Baric mit einem 3:3 die maximale Punktzahl verdarben. Die Bundesliga sah sich nach der einseitigen Punktejagd gar gezwungen, ab der Saison 1988/89 die Punktehalbierung im damaligen Playoff-System einzuführen. An diese wiederum hat Streiter nicht die beste Erinnerung: "Die hat uns einmal den Titel gekostet." In der Saison 1990/91 war’s, als die Tiroler statt zwei durch die Halbierung nur mit einem Punkt Vorsprung auf die Austria ins Meister-Playoff gingen. Genau der Punkt fehlte dann in der Endabrechnung. An Otto Baric hat Michael Streiter dennoch positive Erinnerungen. Nicht nur, weil er ihn ins Nationalteam zurückgeholt hat. "Er wollte mich in der großen Salzburg-Zeit immer wieder nach Salzburg lotsen, aber vor dem Bosman-Urteil war das nicht so einfach, mein Klub hat immer zu viel verlangt. Das war auch nach der WM 1990 so, als ich zwei Angebote aus der Deutschen Bundesliga hatte."
3. Red Bull Salzburg 2019/20 (28 Punkte, 46:9 Tore)

46 Tore in 10 Runden - mit einem Ewigkeitsrekord starteten die Salzburger Bullen in die Saison 2019/20. Kein Wunder, war es doch die Herbstsaison, in der Jesse Marsch den entfesselten Erling Haaland auf die Gegner losgelassen hat. Elf Tore hat der heute weltbeste Torjäger in seinen acht Einsätzen in den ersten zehn Runden erzielt. „Der Name Haaland sagt schon alles", so Michael Streiter, der von 2007 bis 2009 zuerst als Trainer der Red Bull Juniors und dann als Co-Trainer des großen Giovanni Trapattoni in der Mozartstadt gearbeitet hat. „Unglaublich, welche Spieler in Salzburg groß geworden sind, damals haben sie wirklich die größten Talente in Europa gekriegt.“
2. Red Bull Salzburg 2018/19 (30 Punkte, 26:8 Tore)
44 Jahre nach ihrer Premierensaison erlebte die ADMIRAL Bundesliga erstmals eine Mannschaft, die mit zehn Siegen in die Saison startete. Der Siegeslauf der Salzburg-Elf von Marco Rose wurde erst in der 11. Runde gestoppt, als ihr Wacker Innsbruck ein 1:1 abrang. Mit vielen seiner Spieler hatte Rose bereits die Youth League gewonnen. „Das war schon erfrischend“, so Streiter, der als Trainer der Red Bull Juniors einer der Wegbereiter war. "Angefangen hat es mit Altstars aus Deutschland, wie Zickler, Niko Kovac oder Linke. Aber dann hat ein neuer Wind geweht. Neben den internationalen Stars, die die Salzburger herausgebracht haben, darf man auch die Österreicher wie Xaver Schlager, Konrad Laimer oder Nicolas Seiwald nicht vergessen. Dieser Weg wurde dann ja auch vielfach kopiert.“
1. Red Bull Salzburg 2021/22 (30 Punkte, 26:5 Tore)

Matthias Jaissle war es, der das Kunststück von zehn Start-Siegen wiederholte und dabei sogar noch ein besseres Torverhältnis erzielte. Ob es die beste Salzburger Mannschaft war, mag Michael Streiter gar nicht beurteilen. „In diesen Jahren hat Red Bull Salzburg auf jeden Fall sehr viel bewegt und mit seinem Offensiv-Pressing auch in Europa tiefe Spuren hinterlassen.“
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures