09. Mai 2026

Die Geschichte der EU-Legionäre – nur ein Land fehlt!
Aus keinem EU-Land kamen auch nur ansatzweise so viele Legionäre wie aus Deutschland. Ein Trend, der sich bereits zum Start der Bundesliga manifestierte. Wobei es mittlerweile 907 Gastarbeiter aus fast allen aktuellen Staaten der EU nach Österreich verschlug. Aber eben nur fast…
Der Trend war schon ganz am Anfang erkennbar, obwohl die Regularien viel schärfer und aus heutiger Sicht nur schwer nachvollziehbar waren. Aber als die Bundesliga 1974/75 in ihre erste Saison ging, gab es einen Aufnahmestopp für ausländische Spieler. Lediglich die Legionäre, die in der letzten Spielzeit der Nationalliga in Österreich kickten, bekamen den Status des „Fußball-Österreichers“ – und durften bleiben.
So kam es, dass gerade einmal 30 ausländische Spieler bei den damals zehn höchstklassigen Vereinen unter Vertrag standen, 22 von ihnen kamen aus Ländern, die heute zur Europäischen Union (EU) gehören. Dazu sechs aus dem damaligen Jugoslawien und zwei aus Uruguay. Die mit Abstand größte Gruppe der EU-Ausländer kam aus Deutschland – so wie es bis heute kein Land gibt, das auch nur annähernd so viele Gastarbeiter nach Österreich geschickt hat wie der nördliche Nachbar. Hier die Übersicht aller EU-Legionäre der Saison 1974/75:
EU-Legionäre 1974/75 | ||||
|---|---|---|---|---|
| # | Deutschland | Dänemark | Ungarn | Rumänien |
| 1 | Emil Krause | Ove Flindt-Bjerg | Kottan György | Nicolae Lupescu |
| 2 | Karl Rosner | Kjell Seneca | Ferenc Scheidl | |
| 3 | Peter Grosser | Bent Jensen | Barna Liebhaber | |
| 4 | Horst Romes | Johnny Bjerregaard | ||
| 5 | Heinz Libuda | |||
| 6 | Michael Lorenz | |||
| 7 | Wolfgang Gayer | |||
| 8 | Hans Rebele | |||
| 9 | Herbert Gronen | |||
| 10 | Hans-Dieter Weiss | |||
| 11 | Rudolf Nafziger | |||
| 12 | Michael Polywka | |||
| 13 | Raimund Bincsik | |||
| 14 | Hans Reich | |||
Dabei waren es teils hoch interessante Spieler aus der EU, die bei der Geburtsstunde der Bundesliga dabei waren. Manche kamen als große Stars, andere entwickelten sich zu solchen, einige blieben für immer hier, wieder andere machten noch woanders Karriere. Wir baten Hans Huber, ORF-Legende und damals hautnah als berichterstattender Zeitzeuge dabei, die wichtigsten Namen einzuschätzen:
- Peter Grosser: „Er war eine richtig große Nummer bei Bayern München und vor allem bei 1860 München, ehe er zu Austria Salzburg kam. Sein Transfer war 1969 eine echte Sensation, zumal er auch für das deutsche Nationalteam gespielt hat. Ein großartiger Techniker, an dem die Fans ihre Freude hatten, auch wenn er über seinem Zenit hinaus war.“
- Rudolf Nafziger: „Sein Transfer zum LASK 1972 galt als ungewöhnlich, da er eine prägende Figur der Mannschaft des FC Bayern in den 60er-Jahren war. Er kam zusammen mit Gustl Starek nach Linz und hat als Rechtsaußen immer noch eine gute Rolle gespielt.“
- Emil Krause: „Er spielte das, was damals rechter Außendecker genannt wurde, hatte aber immer schon einen großen Offensivdrang. So hat er Hans Krankl ein paar Tore aufgelegt und war auch beim legendären 11:1-Sieg über den GAK 1977 dabei.“
- Johnny Bjerregaard: „Der Däne gehört zu den Rapid-Legenden und war sozusagen der Vorgänger von Hans Krankl als grün-weißer Top-Torjäger. Er hatte eine unglaubliche Tor-Quote. Als die Bundesliga gegründet wurde, stand er allerdings schon bei Eisenstadt unter Vertrag.“
Während den 14 Deutschen von 74/75 bis heute noch 239 weitere Landsmänner folgten, waren es bei den vier Dänen nur noch 42. So liegen die Skandinavier auch nur auf Rang sieben, was die gesamte Anzahl von Legionären aus EU-Ländern angeht. Hinter den unangefochtenen Deutschen liegen Kroatien, Tschechien, Polen und Ungarn auf den Plätzen. Was das Regulativ angeht, wurde der Ausländerstopp 1977 aufgehoben, es gab aber eine Beschränkung, dass maximal zwei und später drei ausländische Spieler pro Partie eingesetzt werden durften. Erst mit der Umsetzung des Bosman-Urteils zur Saison 1996/97 wurde jegliche Beschränkung aufgehoben.
Interessant: Mittlerweile gab es Spieler aus allen aktuell 26 weiteren EU-Staaten neben Österreich in der heimischen Liga – mit Ausnahme von Estland! Aus dem nördlichsten der drei baltischen Staaten hat sich noch kein Kicker ins Land der Berge verirrt, aus Lettland (vier) und Litauen (sechs) dagegen schon. Drei Staaten haben bis heute einen einzigen Kicker nach Österreich entsandt, wobei man auch hier etwas genauer hinschauen muss:
- Zypern: Von der Mittelmeerinsel spielte Markos Rainer Rauffmann in der Saison 1996/97 beim LASK. Der gebürtige Deutsche aus Kleve (NRW) ließ sich 2002 in Zypern einbürgern. Für die Linzer erzielte der Mittelstürmer drei Tore in 16 Spielen.
- Irland: Conor Noß wurde zwar in Düsseldorf geboren, absolvierte aber Spiele für irische Nachwuchs-Nationalteams, da seine Mutter aus Dublin stammt. Von 2023 bis 2025 stand er bei Blau-Weiß Linz unter Vertrag, mittlerweile spielt er beim deutschen Drittligisten MSV Duisburg.
- Malta: In diesem Fall muss nicht getrickst werden. Andre Schembri ist waschechter Malteser und absolvierte im Herbst 2009 13 Spiele für Austria Kärnten (ein Tor, zwei Assists, zwei gelbe Karten). Aktuell ist er Co-Trainer beim zyprischen Zweitligisten Neo Salamina Famagusta.
Hier eine Übersicht aller EU-Länder, aus denen von 1974 bis heute Spieler in der österreichischen Bundesliga unter Vertrag standen:
EU-Länder | |||
|---|---|---|---|
Land | Spieler | Land | Spieler |
| Deutschland | 253 | Italien | 12 |
| Kroatien | 116 | Griechenland | 11 |
| Tschechien | 68 | Bulgarien | 9 |
| Polen | 57 | Finnland | 9 |
| Ungarn | 55 | Rumänien | 8 |
| Niederlande | 48 | Litauen | 6 |
| Dänemark | 46 | Lettland | 4 |
| Slowenien | 45 | Portugal | 3 |
| Slowakei | 39 | Luxemburg | 2 |
| Spanien | 35 | Zypern | 1 |
| Frankreich | 32 | Malta | 1 |
| Belgien | 23 | Irland | 1 |
| Schweden | 23 | Estland | 0 |
Insgesamt waren es 907 EU-Ausländer aus 26 Staaten, die in Österreich erst Schillinge und später Euros verdienten. Darunter prägende Figuren wie Jonatan Soriano (Red Bull Salzburg / Spanien), spätere Top-Stars wie Oliver Bierhoff (Austria Salzburg / Deutschland), Rekordspieler wie Steffen Hofmann (Rapid / Deutschland) oder Kultfiguren wie Jan Age Fjörtoft (Rapid / Norwegen).
In der aktuellen Saison der ADMIRAL Bundesliga sind es 66 Spieler aus 12 EU-Ländern, die hierzulande dem Ball auf höchster Ebene hinterherjagen. Darunter mit Mathias Olesen vom GAK der erst zweite Luxemburger nach Marvin Martins von der Austria, der den Weg nach Österreicher gefunden hat. Immer noch federführend: die Deutschen mit insgesamt 19 Spielern. Dieser Trend ist und bleibt einfach ungebrochen.

Text: Markus Geisler; Statistiken: Opta; Foto: GEPA pictures