30. Okt. 2026
Entweder / Oder mit Mario Despotovic: „Ich hätte auch Harry Kane gewählt!“
Die SV Oberbank Ried ist immer für Spektakel gut. Bei Sturm Graz erst in der Nachspielzeit den Ausgleich kassiert, beim LASK in einem grandiosen Cup-Fight mit 4:5 nach Verlängerung unterlegen. In der ADMIRAL Bundesliga stehen die Innviertler auf Rang 5, nachdem sie mit vier Siegen, drei Remis und drei Niederlagen und zuletzt fünf Spielen ohne Pleite in die Saison gestartet sind. Vor dem Auswärtsspiel in Altach (Samstag, 17 Uhr, live auf Sky) baten wir Mario Despotovic, der in diesem Sommer das Traineramt übernommen hat, zum Entweder/Oder-Spiel.
Kairo oder Ried?
(lacht) Das hat mich meine Freundin auch vor Kurzem gefragt… Ist aber schwer zu beantworten. Hier die wunderschöne Natur, dort das pulsierende Stadtleben. Ich finde aber, dass man in Ried alles hat, was man braucht und dass die Lebensqualität insgesamt hier etwas höher ist.
5:4 oder 1:0?
Mein Gedanke ist: Langfristig schlägt offensiver Fußball defensiven Fußball. Und ein 5:4 gibt eindeutig mehr her, wenn man als Fan ein intensives Spektakel sehen will. Klar will ich als Trainer immer, dass hinten die Null steht. Aber es ist doch schön, wenn zwei Mannschaften offensiven Fußball zeigen wollen, wie zuletzt bei Bayern gegen PSG. Davon haben alle mehr, als wenn es 0:0 ausgehen würde.
Brille oder keine Brille?
(schmunzelt) Im Alltag brauche ich meine Brille so gut wie nie, außer wenn ich Auto fahre. Und am Platz setze ich sie immer nur dann auf, wenn es um Details geht, die auf der anderen Seite des Platzes passieren.
Deutschland oder Kroatien?
Natürlich haben beide Länder ihre absoluten Vorzüge, aber wenn ich mir das Klima in Kroatien mit Sonne und Meer anschaue – das ist schon großartig! Das durfte ich genießen, als ich bei Hajduk Split gearbeitet habe. Geboren bin ich in Kroatien, meine Familie zog nach Neuss, als ich sechs Jahre alt war. Mein Vater hat mich damals zum 1. FC Köln mitgenommen, und ich erinnere mich noch gut an die ganz spezielle Atmosphäre in Müngersdorf mit Spielern wie Bruno Labbadia und vor allem Toni Polster.
Despot oder Kumpeltyp?
Das kommt drauf an, man muss situativ beides können. Wenn es ein Gespräch braucht, in dem auch mal Härte gefragt ist, dann gibt es das auch. Wir können aber auch kumpelig miteinander sein, wenn es gut läuft. Heikel wird es immer dann, wenn du als Trainer einem Spieler erklären musst, dass er es nicht in die Startelf oder in den Kader geschafft hat. Jeder ist nur ein Mensch, der Teil der Gruppe sein und spielen will, wenn er die ganze Woche gut trainiert hat. Da ist mir wichtig, dass die Entscheidung wirklich gut durchdacht ist, damit ich am Ende des Tages mit mir selbst im Reinen bin.
Pep Guardiola oder Jürgen Klopp?
Puh, zwei Extreme, beide Top-Trainer, von denen ich versucht habe, etwas mitzunehmen. (lacht) Ich sage: Im Ballbesitz Pep Guardiola, von der Intensität, den Emotionen und dem Gegenpressing her Jürgen Klopp. Als Typ würde ich aber einen dritten Trainer nominieren: Carlo Ancelotti. Er hat sich immer im Griff, ist ruhig an der Seitenlinie, setzt seine Emotionen nur ein, wenn die Mannschaft sie wirklich braucht. So etwas gibt den Spielern Selbstvertrauen. Über ihn habe ich viele gute Sachen gehört, wie er als Trainer tickt.
Drama ohne Happy End oder Happy End ohne Drama?
Du spielst auf das Cup-Spiel gegen den LASK an… Wir spielen Fußball, um das Match zu gewinnen, deswegen kann ich so ein Spiel niemals toll finden, auch wenn es spektakulär und hochintensiv war. Manchmal ist Drama dabei, manchmal nicht, aber am Ende geht es ums Gewinnen. Wenn wir so viel wie am Mittwoch investieren und am Ende nicht belohnt werden, spüre ich nur Enttäuschung. Aber wir wissen, dass wir daran wachsen werden und unsere Lehren draus ziehen – trotzdem wäre ich gerne eine Runde weitergekommen.
Harry Kane oder Kylian Mbappe?
Ich hätte auch Harry Kane gewählt. Wie er bei den Bayern spielt und auftritt, wie übertrieben gut er als Stürmer ist, aber auch als Spielmacher, wenn er sich im Aufbau fallen lässt – das ist einfach herausragend. Aus meiner Sicht hat er den Titel absolut verdient.
Wolfgang Fiala oder Lukas Brandl?
(lacht) Bei der Frage ziehe ich den Joker. Was ich sagen kann: Beide sind Menschen, die extrem professionell arbeiten und ihren Job mit großer Qualität ausfüllen. Ich sehe aber keinen Sinn darin, da etwas zu vergleichen.
Dreier- oder Viererkette?
(lacht) Ganz klar: 3,5er-Kette! Man muss hin und wieder flexibel sein, sich daran anpassen, was der Gegner macht. Und dann auch mal während des Spiels umstellen. Es kommt ja auch darauf an, welche deiner Spieler dir zur Verfügung stehen. Deswegen ist es auch wichtig, verschiedene Spielertypen im Kader zu haben, um es anpassen zu können. Das Wichtigste ist aber, dass die Spieler auf dem Feld genau über ihre Rollen Bescheid wissen, das ist viel entscheidender als das System, in dem sie agieren. Es geht am Ende immer um deine Prinzipien, darum, was du erreichen willst und wo du dafür den Hebel ansetzt.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures