07. Okt. 2026
Ercan Kara: „Meine Torstatistiken habe ich alle im Schädel“
Sein Tor gegen den LASK im Europacup-Playoff vor bald eineinhalb Jahren war das vielleicht jemals am lautesten bejubelte im Allianz Stadion. Am Sonntag ist Erci gegen die Linzer wieder gefragt. Bevor es so weit istärt der Rapid-Stürmer im Gespräch mit bundesliga.at, warum er für Didi Kühbauer ein „Mini-Zlatan" war, warum er im Kampf um ein Messi-Leiberl den Kürzeren zog und was es mit seiner Torstatistik auf sich hat.
Erci, wenn die Statistiken stimmen, hast du bei Slovan, wo du schon mit 15 in der Stadtliga debütiert hast, und deinem zweiten Verein, dessen Namen du nicht so gerne hörst, nur je ein Tor erzielt. Da drängt sich die Frage auf: Wann bist du zum Torjäger geworden?

Ich war bis auf eine kurze Zeit, in der ich Verteidiger gespielt habe, von klein auf Stürmer und habe immer viele Tore geschossen. Bei Slovan habe ich in einer einzigen Oberliga-Saison 32 Tore gemacht, bei Karabakh waren es einmal 35 Tore in 29 Spielen. Die Oberliga scheint nur in den meisten Datenbanken nicht auf, aber beim ÖFB sind alle Tore abrufbar.
Es stimmt offenbar, was man sich so erzählt: Du kennst deine Torstatistiken ganz genau. Führst du Buch darüber oder sammelst du Zeitungsausschnitte?
In erster Linie habe ich sie alle im Schädel, so wie die meisten Stürmer, denke ich. Natürlich hat meine Mama am Anfang alle Zeitungsartikel über mich gesammelt, mittlerweile ist es schwierig, weil es irgendwann zu viele geworden sind. Aber die wichtigsten hebe ich schon auf.

Du hast ja vor allem in der MLS auch gegen richtig große Namen des Weltfußballs gespielt, gegen Higuain, Chicharito … hast du eine Trikot-Sammlung nach Hause gebracht?
Nicht nur Trikots. Ich habe mit Orlando auch den US-Cup gewonnen, was deshalb ganz speziell war, weil es für den Klub die erste Trophäe auf höchster Ebene war. Aber wenn ich an getauschte Dressen denke, fällt mir zum Beispiel Christian Fuchs ein, der damals noch bei Charlotte gespielt hat. Ich habe auch noch andere, weil wirklich viele berühmte Spieler in der MLS unterwegs waren – ich habe gegen Shaqiri gespielt, gegen Bernardeschi, Busquets. In meinem letzten Spiel sogar gegen Messi.
Da ist sich kein Leiberl ausgegangen?
Nein, wir haben 14 Argentinier in der Mannschaft gehabt, da war ich chancenlos, obwohl er fünf Leiberl gebracht hat. Aber das habe ich verstanden, dass ich gegen seine Landsleute zurückstecken muss. Die sind in der Kabine gesessen und haben geweint vor Glück. Ich habe ein Foto beim Handshake mit Messi, das ist auch schön.
Wer waren denn deine besten Mitspieler bisher?
Die will ich eigentlich nicht aufzählen, weil ich sicher einige vergesse. Aber bei Orlando war Pato ein unglaublicher Fußballer, im Nationalteam natürlich Marko Arnautovic, David Alaba – und das nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich. Von Rapid hat Mama Sangaré im letzten Jahr eine unglaubliche Karriere gemacht.
Ein besonderes Verhältnis scheinst du zu Yusuf Demir zu haben, wenn man euch beim Jubeln sieht.
Ja, mit Yussi habe ich schon in meiner ersten Rapid-Zeit zusammengespielt. Ich bin einfach glücklich über seine Leistungen und froh, dass wir so einen talentierten und kreativen Spieler in der Mannschaft haben. Er hilft uns sehr und steigert sich von Spiel zu Spiel auf ein höheres Level. Es macht richtig Spaß, mit so einem Spieler zusammenzuspielen. Und ich bin als Stürmer sicher einer, der am meisten von ihm profitiert.
Aus deiner ersten Rapid-Zeit kennst du auch LASK-Trainer Didi Kühbauer, der euch am Sonntag in Linz empfängt. Wie denkst du an ihn zurück?
Sehr positiv, er ist ein Mensch, mit dem ich sehr gut konnte, und den ich sehr schätze. Er ist ein unglaublicher Trainer, der genau gewusst hat, welche Knöpfe er bei mir drücken muss. Aber darüber muss man gar nicht viel sagen, weil seine letzten Erfolge ohnehin für ihn sprechen.

Er hat dich in einem Interview einmal …
… Mini-Zlatan genannt.
Das auch, aber auch einen Spieler mit „Torjäger-Gen und Siegermentalität“. Beschreibt dich das gut?
Das zeigt schon, dass er mich sehr gut kennt.
Und das mit dem "Mini-Zlatan" stimmt auch?
In jungen Jahren war das schon lustig zu hören, mit so einer Ikone verglichen zu werden. Er ist halt darauf angesprochen worden und hat dann diesen Schmäh gemacht, aber ich weiß auch, dass das nicht ernst war.
Ist der Vergleich mit LASK-Stürmer Samuel Adeniran eher angebracht?
Auch da will ich nicht vergleichen. Er ist ein guter Spieler, er hat seine Qualitäten, ich habe meine Qualitäten.
Welche Qualität unterscheidet Johannes Hoff Thorup von anderen Trainern, die du bisher bei Rapid hattest?
Er ist der Trainer, der die Sachen am meisten von allen spielerisch lösen will. Seine moderne Art und Weise tut uns gut. Er will uns immer und in allen Bereichen ans Limit bringen und so das Beste aus uns herausholen. Er sorgt dafür, dass wir alle an einem Strang ziehen, damit wir Erfolg haben können. Das sieht man an unseren Ergebnissen.
Welches Ergebnis traust du euch in Linz zu?
Wir wollen immer gewinnen und werden alles reinwerfen, damit wir in Linz als Sieger vom Platz gehen. Der LASK ist eine sehr gute Mannschaft, das wird keine einfache Partie, aber in 90 Minuten kann alles passieren. Wir können auf jeden Fall selbstbewusst in das Spiel gehen.
Gegen den LASK hast du bisher vier Tore erzielt, hat das Last-Minute-Tor, das euch 2025 im Playoff auf den letzten Drücker noch den Europacup-Startplatz gesichert hat, immer noch einen hohen Stellenwert für dich?
Das war ganz klar eines meiner wichtigsten Tore für Rapid, ein Tor, an das sich jeder aus der neueren Rapid-Generation erinnern wird. Einfach, weil es eine Erlösung in letzter Sekunde war. Wie das Stadion dann eskaliert ist, wie die Fans meinen Namen gesungen haben – das war ein Erlebnis, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures