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20. Jan. 2026

Jusuf Gazibegovic im Sturm Graz Stadion

Gazibegovic: „Ich habe gesehen, dass es nicht nur rosige Zeiten gibt im Fußball“

Jusuf Gazibegovic ist nach einem Jahr Köln zumindest für die Frühjahrssaison zurück bei Sturm. Was er mit den Grazern vor hat, warum es schade ist, dass er gegen Feyenoord noch nicht ran darf und wie er seinen WM-Traum mit Bosnien-Herzegowina verwirklichen will, verrät der 25-Jährige im Gespräch mit bundesliga.at.

Gazi, wie fühlt sich's an, wieder zu Hause zu sein?

Sehr gut! Es ist schön, nach einem schwierigen halben Jahr wieder zu Hause zu sein, bei meinem alten Klub, bei dem ich nicht erst lange wieder rein finden muss und alle kenne - auch den neuen Trainer Fabio Ingolitsch, der ja schon in Liefering mein Co-Trainer war.

Du bist seit ein paar Wochen zurück, inwieweit hat sich das Sturm-Spiel in deiner einjährigen Abwesenheit verändert?

Sturm-Spieler Jusuf Gazibegovic wirft ein

Es gibt ein paar neue Spieler, einige wichtige Spieler, die die erfolgreichen Zeiten mitgemacht haben, sind nicht mehr da, trotzdem fühlt sich’s nicht an, als hätte sich groß etwas geändert. Die Idee von Sturm, die Intensität im Spiel, ist immer noch gleich. Es gibt ein paar Schrauben zu drehen und Fabio will auch ein bisschen was ändern, aber die Spielweise bleibt die gleiche.

Wie hast du dich verändert, was konntest du aus Köln mitnehmen, obwohl du im Herbst nur einen Bundesliga-Einsatz hattest?

Ich habe gelernt, dass es nicht nur rosige Zeiten gibt im Fußball und dass man sich durchbeißen muss. Auch wenn ich das letzte halbe Jahr praktisch nicht gespielt habe, habe ich doch gesehen, was in einer Topliga verlangt wird und habe sicher einige Erfahrungen gemacht, die sich für meine weitere Karriere noch als Pluspunkte herausstellen werden. Ich habe aber auch gesehen, dass man, wenn es gar keinen Ausweg mehr gibt, neue Wege suchen muss. Deshalb habe ich den Schritt nach Hause gemacht. 

Was ist schiefgelaufen?

Ich glaube, dass ich mir mit den Leistungen, die ich im Training gezeigt habe, wirklich Spielzeit verdient hätte. Aber egal, was ich angeboten habe, ich habe keine Chance bekommen. Trotzdem bin ich dem Sportdirektor dankbar, dass er mir jetzt die Chance gegeben hat, mich ein halbes Jahr lang bei Sturm zeigen zu können.

Dafür musst du dich noch gedulden, beim Auftakt in der Europa League gegen Feyenoord bist du ja nicht spielberechtigt.

Ja, schade, ich hätte gerne gespielt und der Mannschaft geholfen. Aber ich glaube, sie hat auch so genug Qualität, in Feyenoord zu bestehen, auch wenn es das letzte Mal nicht so schön war dort.

Du sprichst die Duelle vor dreieinhalb Jahren an, wie sind die Erinnerungen daran?

Sturm Spieler Jusuf Gazibegovic im Zweikampf mit einem Feyenoord Rotterdam Spieler

Das 0:6 auswärts will man natürlich schnell vergessen, aber im Heimspiel haben wir dann gezeigt, dass wir an einem guten Tag auch so einen Gegner schlagen können. Das hat die Mannschaft seither immer wieder mal bewiesen. Und damals war immerhin Arne Slot Feyenoord-Trainer, der dann nicht umsonst bei Liverpool gelandet ist und zumindest in der vorigen Saison auch dort gleich erfolgreich war.

Wie schätzt du die Kräfteverhältnisse diesmal ein?

In der Europa League steht Feyenoord heuer ja nicht so gut da, sogar einen Platz hinter uns. Aber das macht die Mannschaft nicht weniger gefährlich. Sie hat hohe Qualität und hätte eigentlich mehr aus sich herausholen müssen. Ich weiß nicht, warum es nicht besser gelaufen ist, aber von der Qualität der Mannschaft müsste Feyenoord eher zu den Top-Klubs der Europa League zählen und im oberen Viertel der Tabelle stehen. Aber wir wissen, dass uns nur zwei Siege helfen, dementsprechend wird die Mannschaft in das Spiel gehen.

Bevor es in der ADMIRAL Bundesliga gegen Ried losgeht, wartet im Cup-Viertelfinale Fabio Ingolitschs Ex-Klub Altach. Hat er euch schon gesagt, dass ihr ihn da nicht blamieren dürft?

Nein, darüber haben wir noch nicht gesprochen, wir haben uns bisher auf die zwei Gegner in der Europa League konzentriert. Aber Altach war schon im Herbst richtig gut, die hat Fabio gut aufgestellt. Das wird sicher ein richtiger Cup-Fight.

Weißt du schon, wie es nach der Leihe weitergeht?

Es gibt noch keine fixen Pläne, ich will mich jetzt einmal zeigen, gute Leistungen bringen und mit Sturm so erfolgreich wie möglich sein. Danach würde ich schon noch gerne mal in Köln angreifen und zeigen, dass ich auch in der Bundesliga spielen kann.

Davor hast du mit Bosnien-Herzegowina sogar noch die Chance zur WM zu fahren. Was rechnest du dir in den Playoffs gegen Wales und vermutlich Italien aus?

Wir wollen es unbedingt schaffen, waren ja gegen Österreich schon knapp dran und haben gezeigt, dass wir genug Talente und auch erfahrene Spieler haben, um mit jedem mitzuhalten. Ich traue uns zu, in Wales einen Sieg zu holen. Wenn wir dann in unserem Stadion, wo es für keinen leicht ist, auch gegen Italien etwas vorlegen, ist alles möglich. Die WM wäre ein Traum. Und sie war natürlich auch ein wichtiger Grund für meinen Wechsel. Nur mit Spielzeit kann ich mich wieder für das Nationalteam empfehlen.

Text: Horst Hötsch
Fotos: GEPA pictures