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21. Apr. 2026

Onisiwo; Jubel Red Bull Salzburg

Karim Onisiwo: „Wollen wieder ein Feuer entfachen!“

Wie sich der 34-jährige Favoritner ausgerechnet in seinem alten Grätzl mit Red Bull Salzburg im Titelrennen zurückmeldete. Warum der bullige Joker der Roten Bullen noch ein großes Karriereziel offen hat und sich seine Family schon mal um Plätze für das Rapid-Spiel umschauen sollte.

Was für eine Geschichte für Karim Onisiwo! Der 34-Jährige schoss gegen die Austria sein erstes Liga-Saisontor nach mehr als einem Jahr und damit Red Bull Salzburg zurück ins Titelrennen. Ausgerechnet dort, wo der Favoritner nur 500 Meter Luftlinie entfernt am Laaer Berg aufgewachsen ist und seine Mutter noch heute wohnt. Und das nach einer langen sportlichen Durststrecke und einer Reihe von Verletzungen, die ihn in der Mozartstadt nie richtig über die Jokerrolle hinauskommen ließen. Vor dem brisanten Rematch gegen die Veilchen (Mi. 18:30 Uhr), für die er als 12-Jähriger noch in der Jugend auflief, baten wir ihn zum bundesliga.at-Interview.

Mit dem 3:1-Sieg gegen die Austria habt ihr euch im Titelrennen zurückgemeldet.

Das war auf jeden Fall ein ganz wichtiger Sieg, um vorne dran zu bleiben. Wenn wir im Rennen bleiben wollen, müssen wir das Spiel daheim gegen sie aber auch noch gewinnen.

Brennt ihr auf Revanche nach der Heimniederlage gegen sie zuletzt?

Ja, die hat bitter weh getan. Jetzt haben wir aber schon mal einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Und den von unserem Trainer vorgegebenen Weg wollen wir jetzt auch weiter gehen und wieder ein Feuer entfachen im eigenen Stadion.

Wie war dieses erste Tor nach so langer Zeit für dich – noch dazu so ein wichtiges?

Onisiwo Jubel Red Bull Salzburg

Wenn du länger kein Tor schießt, dann ist das natürlich umso befreiender. Noch mehr gefreut hat mich aber, dass man die Freude bei der ganzen Mannschaft gesehen hat. Sogar die Ersatzspieler, die aufgewärmt haben, sind zu unserer Jubeltraube gelaufen. Da sieht man, dass die Mannschaft in Takt ist und beim Endspurt alle mitziehen wollen.

Seit du Anfang 2025 in Salzburg angedockt bist, warst du sehr oft angeschlagen.

Ja, das waren sicher 4, 5 Verletzungsrückschläge, die mich immer wieder zurückgeworfen haben: Oberschenkel vorne und hinten, die Hüfte und einmal das Innenband nach einem Pressball. Aber seit einem halben Jahr bin ich wieder voll fit – schon vor der Vorbereitung hat alles wieder gepasst.

Dass du den Bann ausgerechnet in Favoriten gebrochen hast, ist wohl umso schöner für dich?

Ja, weil es auch mein erster Auswärtseinsatz gegen die Austria war seit ich in Salzburg bin – es war das erste Mal, dass ich überhaupt hierher mitgefahren bin. Dann gleich so ein wichtiges Tor zu schießen, mit dem wir was mitnehmen, ist schon ein sehr schönes Gefühl.

Vor allem, weil du ja nur ein paar Blocks vom Stadion entfernt aufgewachsen bist.

Meine Mutter wohnt heute noch in dem riesigen Bau oberhalb vom FavAC Platz. Sie konnte das Spiel zwar nicht sehen, aber es waren ganz viele von meiner Familie da. Mein Onkel, meine Cousine, mein Cousin und meine Tante. Ich bin nach dem Tor gleich zu ihnen in die Ecke unserer Fantribüne gelaufen. Sie haben mir offenbar Glück gebracht, deshalb müssen sie beim Spiel gegen Rapid am Sonntag auch alle kommen.

Onisiwo Red Bull Salzburg

Du hast in Wien und Salzburg ja durch deine vielen Stationen fast jeden Fußballplatz gesehen. Wer waren denn als Junger deine Vorbilder?

Natürlich der David Alaba, mit dem ich lange im Käfig und bei der Austria zusammengespielt hab, der dann einen großartigen Weg gemacht hat. Da hab ich mir auf jeden Fall was abschauen können. Unsere Familien haben sich ja sehr gut gekannt. Aber das hat sich dann etwas verloren, weil während er bei Bayern gespielt hat, hab ich mich über die unteren Ligen in Österreich hochgekämpft. Mein größtes Vorbild auf österreichischer Ebene war für mich der Marko Arnautovic, den ich ja schon damals bei Twente verfolgt hab.

Dein Trainer Daniel Beichler lobt, dass du aktuell brutal trainierst.

Ich hab die letzten Wochen auch nochmal einen Schritt gemacht. Wenn man 4-5 Monate durchtrainieren kann und nicht verletzt ist, kommt man ganz anders rein. Ich hatte eine super letzte Woche im Training, konnte das jetzt mit einem Tor bestätigen. Natürlich strahlt es damit für die Öffentlichkeit noch mehr aus – da ist die Aufmerksamkeit nochmal höher.

Ist das Ziel dich nochmal in die Stammelf reinzubeißen?

Dafür trainiert jeder – ich auch, jeden Tag. Wir schauen, dass wir die Jungs die spielen an die Grenzen treiben. Die müssen das Gefühl haben, immer performen zu müssen, sonst sind die nächsten da. Da brauchen wir jetzt auch eine Konstanz, damit wir das Level die letzten 5 Spiele halten. Damit wir dann wirklich um den Meistertitel mitreden können.

Als Routinier mit so viel Erfahrung. Was ist für dich der Grund, dass sich Salzburg in letzter Zeit so schwer getan hat.

Onisiwo Red Bull Salzburg

Schwer zu sagen. Als ich im Jänner 2025 gekommen bin, war grad ein großer Umbruch. Mit Stefan Lainer und mir und noch dem einen oder anderen sind ein paar routinierte Spieler gekommen, es wurde etwas umstrukturiert, die Altersgrenze ein wenig nach oben verschoben, obwohl wir immer noch die mit Abstand jüngste Mannschaft in der Liga haben.  Das hat anfangs ganz gut geklappt. Dann war ich aber oft verletzt, bin oft ausgefallen und konnte mir keinen Stammplatz erkämpfen. Da gab es schon schwierige Phasen für mich. Ich hoffe aber, dass wir das noch rechtzeitig meistern und den Schwung und die Struktur, die Daniel Beichler reingebracht hat, bis zum Ende der Meisterschaft halten können. Wenn das eine Rad mal ins andere greift, wird das wieder laufen.

Du hast ja sogar früher noch für Austria Salzburg gegen Red Bull Salzburg gespielt. Da gibt es coole Actionfotos von Duellen mit Stefan Lainer.

Onisiwo; Austria Salzburg

Auch mit Mattersburg einmal. Da gibt es schöne Erinnerungen – wobei: Oft hab ich da nicht gewonnen (lacht).

Dein Vertrag läuft im Sommer aus. Wie geht es dann weiter?

Sicher wird es die einen oder anderen Gespräche geben, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Aber darauf schau ich noch nicht. Jetzt muss ich einmal fit bleiben und Spielminuten sammeln. Ich hab ja auch noch keinen Meistertitel geholt. Mein voller Fokus ist daher auf den nächsten Spielen. Dann schauen wir weiter.

Wie taugt dir der Modus mit der Meistergruppe? Da ist jedes Spiel ein Endspiel oder?

Ja, das ist auf jeden Fall noch interessanter als früher, auch für die Zuschauer. Durch die Ausgeglichenheit ist jetzt noch viel mehr Spannung drinnen.   

Text: Christoph König; Fotos (c): Red Bull Salzburg, GEPA pictures