05. Nov. 2026
Marco Hoffmann: "… und auf einmal steht man da oben"
Aus der Landesliga an die Spitze der Torschützenliste der ADMIRAL Bundesliga – Hartberg-Torjäger Marco Hoffmann ist in nur zweieinhalb Jahren zum Nationalteamkandidaten aufgestiegen. Wie das gekommen ist und warum er nach dem Altach-Spiel auf jeden Fall etwas zu feiern hat, erzählt der Burgenländer im Gespräch mit bundesliga.at.
Marco, vor zweieinhalb Jahren hast du deine Tore noch für den USV Halbturn in der Burgenlandliga geschossen, heute führst du die Torschützenliste der ADMIRAL Bundesliga an und stehst im ÖFB-Team auf Abruf. Musst du dich manchmal selber zwicken?
Es ist in den letzten drei Jahren einfach stetig besser geworden und auf einmal steht man da oben. Das ist eine schöne Momentaufnahme und eine Belohnung dafür, was ich mir in den letzten Wochen und Monaten erarbeitet habe. Dass ich im Nationalteam auf Abruf stehe, stärkt das Selbstvertrauen und hilft mir, positive Energie auf den Platz zu bringen. Aber es geht sehr schnell im Fußball, es wartet immer schon das nächste Spiel. Mein Ziel ist natürlich, weiter Tore zu schießen und den Lauf so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.
Was sagen deine Halbturner Ex-Kollegen zu deinem Aufstieg?
Sie sind schon stolz und ich kriege viele Nachrichten von ihnen. Und wenn ich nach Hause komme, schaue ich natürlich, dass ich ihre Spiele besuche.
Warst du am Wochenende auch bei ihrem 1:7 in Pinkafeld, bei dem dein Hartberger Teammanager Dario Tadic drei Tore erzielt hat?
Ja, ich war dort, das war weniger erfreulich. Dem Dario gehe ich seither ein bisschen aus dem Weg, aber er hat es auch wirklich gut gemacht.
Als du 2024 ein Angebot aus Hartberg bekommen hast, warst du bereits 20. War es von Anfang an klar für dich, dass du es in der Bundesliga probieren möchtest?
Für die Entscheidung habe ich mir schon Zeit genommen. Das Angebot war bereits im Winter da, also ein halbes Jahr vor meinem Wechsel. Mir war aber wichtig, das Kapitel in Halbturn positiv abzuschließen und mitzuhelfen, dass wir nach dem Aufstieg in der Burgenlandliga bestehen – was uns auch gelungen ist. Das Ziel war dann zwar schon die Bundesliga, aber auch in Hartberg habe ich am Anfang zuerst nur oben trainiert, aber in der Landesliga gespielt, um mich an das Niveau zu gewöhnen.
Hat es den einen Moment gegeben, an dem du gewusst hast, dass du es in der Bundesliga schaffen kannst?
Nicht direkt den einen Moment, aber ich habe schon in den ersten Trainings gemerkt, dass es Bereiche gibt, in denen ich gleich mithalten konnte. An das Tempo und die Arbeitsmoral, jeden Tag im Training alles zu geben, habe ich mich erst gewöhnen müssen. Aber ich habe schon gesehen, dass es sich für die Bundesliga ausgehen sollte. Mit dem ersten Cup-Tor gegen Lafnitz und dem ersten Bundesliga-Tor gegen Sturm bin ich dann richtig angekommen.
Du warst ja bis 15 im Rapid-Nachwuchs. Was war der Grund, dass du damals zurück zu deinem Heimatverein gegangen bist?
Ich muss vorausschicken, dass ich bei Rapid nur positive Erfahrungen gemacht, viel gelernt und coole Persönlichkeiten kennengelernt habe. Mit Yusi Demir, Leo Querfeld und Milos Kerkez, der heute bei Liverpool spielt, war das schon ein richtig guter Jahrgang. Ich war damals körperlich einfach noch nicht auf dem Niveau und die Pubertät hat sicher auch mitgespielt. Deshalb habe ich mit meinem Papa beschlossen, zurückzugehen und möglichst früh im Erwachsenen-Fußball einzusteigen.
War dein Papa Werner, ein Regionalliga-Torjäger, der für Parndorf auch in der 2. Liga stürmte, dein Vorbild?

Mein Vorbild war immer Cristiano Ronaldo. Aber mit dem Papa habe ich nach den Spielen natürlich viel geredet. Weniger über Taktisches und Technisches als mehr über die Einstellung und darüber, im Spiel nicht den Kopf zu verlieren. Ein paar Gene dürfte ich schon auch von ihm geerbt haben.
Im Vorjahr war noch Elias Havel Hartbergs Top-Stürmer und Führender der Herbst-Torschützenliste, wie ist es dir gelungen, so schnell in diese Rolle zu schlüpfen?
Unserem Trainer ist es wichtig, jeden Spieler in die Positionen zu bringen, in denen er seine Stärken am besten ausspielen kann. Für mich heißt das, Bälle und Flanken in die Box, da bin ich am stärksten.
Vor Havel hat Entrup den Sprung ins Nationalteam geschafft. Warum ist Hartberg so ein guter Boden für Stürmer?
Warum gerade für Stürmer, kann ich nicht sagen, aber generell ist es so, dass wir in Hartberg ein ruhiges Umfeld haben, in dem sich Spieler entwickeln können. Außerdem haben wir ein Team, das sich gegenseitig unterstützt und keinen Druck von außen hat.
Havel ist mittlerweile in der Serie A, Entrup in der 2. deutschen Bundesliga. Peilst du auch einmal einen Wechsel ins Ausland an?
Mit Elias, der gerade dabei ist, sich von seiner Verletzung zu erholen, bin ich in gutem Kontakt. Er erzählt mir nur Gutes aus Genua. Einmal in einer Top-5-Liga zu spielen, wäre schon cool.
Du hast gegen Rapid, Salzburg, LASK und Sturm getroffen, aber noch nie gegen euren nächsten Gegner Altach. Ist es diesmal so weit?
Dass ich gegen diese Gegner schon getroffen habe, motiviert mich natürlich noch mehr, auch gegen Altach treffen zu wollen.
Zum Feiern wirst du nach dem Spiel auf jeden Fall etwas haben …
Ja, meinen 23. Geburtstag.
Alles Gute!
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures