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17. März 2026

Michael Parensen - SK Sturm Graz

Parensen: „Wir haben die Möglichkeit, unsere eigene Geschichte zu schreiben"

Sturm Graz hat sich mit dem 5:2-Sieg gegen die Wiener Austria zum Auftakt der Meistergruppe einen Drei-Punkte-Polster auf die Verfolger geschaffen. Warum das Spiel für Sport-Geschäftsführer Michael Parensen emotionaler war als andere, wie zufrieden er nach 15 Monaten mit dem Umbruch in Graz ist und weshalb es so eng zugeht in der ADMIRAL Bundesliga erörtert er im Gespräch mit bundesliga.at 

Herr Parensen, wer Sie am Sonntag in der Generali Arena gesehen hat, hätte nicht gedacht, dass Sturm Graz als 5:2-Sieger vom Platz gegangen ist. Leiden Sie immer so mit?

Ja, ich war diesmal sehr emotional, was ich normal nicht so bin. Aber ich glaube, das ist verständlich nach dieser ersten Halbzeit und nach den wenig erfolgreichen Spielen gegen die Wiener Austria in den letzten Jahren. Ich war der Meinung, dass wir eine sehr gute Trainingswoche hinter uns hatten, in der wir, wie auch schon in den letzten Wochen, viele gute Schritte nach vorne gemacht haben. Davon haben wir aber in der ersten Hälfte fast gar nichts auf den Platz gebracht. Wir waren weit weg vom Gegner, haben ihm viel zu viele Räume gelassen und waren auch im Eins gegen Eins nicht gut. Deshalb war ich da emotionaler als sonst.

Denken Sie auch sechs Jahre nach Ihrem Karriereende bei Union Berlin noch wie ein Fußballer?

Ich glaube, das wird nie ganz weggehen, obwohl ich natürlich versuche, eine gewisse Distanz einzuhalten, um die Dinge besser werten zu können. Aber man lebt trotzdem mit und gerade gegen die Austria stand zum Start in die Meistergruppe ja auch viel auf dem Spiel.

Sturm durchlebt gerade eine Phase der Veränderung, Trainer Fabio Ingolitsch hat die jahrelang erfolgreiche Raute eingemottet. Sehen Sie die Notwendigkeit dieser Veränderung auch?

Michael Parensen und Fabio Ingolitsch - SK Sturm

Der Fußball entwickelt sich ja laufend, deshalb muss man sich auch laufend anpassen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein, da bin ich ganz klar beim Trainer. Wir haben diesen Weg Anfang des Jahres ja auch ganz bewusst eingeschlagen und sehen, dass es immer besser funktioniert, auch wenn wir noch an den Automatismen arbeiten müssen.

Die Raute stand auch für die erfolgreiche Zeit des Duos Schicker/Ilzer, dem noch viele Sturm-Fans nachtrauern. Wie schwer war es, in ihre Fußstapfen zu treten?

Damit muss man klarkommen. Es ist normal, dass, wenn sich an einer jahrelangen personellen Kontinuität, die noch dazu höchst erfolgreich war, etwas ändert, die Vorgänge der Nachbesetzung kritisch hinterfragt werden. Das ist kein Problem, das muss ich aushalten. Aber wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere eigene Geschichte zu schreiben, mit einem neuen Weg, der genauso erfolgreich sein kann. Obwohl es dafür natürlich keine Garantie gibt.

Was, würden Sie sagen, ist Ihnen gut gelungen, wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Die Übergangsphase war etwas holprig, aber man darf nicht vergessen, dass wir auch die Struktur geändert und die Basis für die Zukunft gelegt haben. Dafür, dass solche Veränderungen nie ganz ohne Schmerzen abgehen, ist dieser Prozess gut gelungen. Vielleicht hätte man ihn kommunikativ besser begleiten können, um den Menschen unser Vorhaben besser zu erklären.

Schicker stand für eine sehr erfolgreiche Transferpolitik, haben sich diesbezüglich die Rahmenbedingungen für österreichische Klubs in den letzten Jahren verschlechtert?

Es gibt schon Länder, die wirtschaftlich enorm aufgeholt haben. Zum Teil auch aufgrund von Investoren, die es bei uns in diesem Ausmaß nicht gibt. Im Wintertransferfenster hat etwa Tschechien enorm viel umgesetzt. Vielleicht sind wir da in Österreich ein Stück weit gefordert, noch kreativer zu werden. Bei Sturm rücken ganz klar die eigenen Spieler wieder mehr in den Fokus. Wenn man diesen Weg verstärkt verfolgt, kann man auch daraus gut Profit schlagen. Das ist nicht einfach, aber es ist eine Chance. Denn Topspieler zu bekommen, wird immer schwieriger.

Michael Parensen SK Sturm

Sie arbeiten jetzt seit gut 15 Monaten in Graz. Gibt es deutsche Bundesligaklubs, die mit Sturm vergleichbar sind?

Ja, das ist schon vergleichbar. Ich würde Sturm nicht direkt mit einem anderen deutschen Klub vergleichen, weil das keinem Klub ganz gerecht werden würde, eher generell mit den Traditionsklubs in Deutschland. Sturm ist eine Macht in der Region, ein Verein, der eine emotionale Dimension erreicht. Wie die deutschen Traditionsklubs hat Sturm eine großartige Fanbase, die Euphorie entfachen, aber auch kritisch auf den Verein schauen kann. Sturm wäre auf jeden Fall auch für Deutschland ein interessanter Klub, weil er Menschen bewegt.

In der ADMIRAL Bundesliga geht es eng zu wie nie zuvor. Warum ist es so schwer für Klubs wie Sturm oder Salzburg, sich deutlicher abzusetzen?

Das liegt mit Sicherheit an den ähnlichen Spielanlagen der Teams. Salzburg und dann auch Sturm waren mit ihrer sehr aggressiven Spielweise und ihrem Pressing, mit dem sie die Gegner praktisch überrannt haben, jahrelang sehr erfolgreich. Das hat dazu geführt, dass sich die Gegner darauf eingestellt haben und meist einen tiefen Block dagegen stellen. Die spielerische Linie ist damit ins Hintertreffen geraten. Dazu kommt, dass mittlerweile auch die Spieler taktisch schon dazu ausgebildet sind, Läufe in die Tiefe zu suchen, aber nicht darauf, wie man einen tiefen Block bespielt. Wir wollen bei Sturm die Intensität schon hochhalten wie bisher, arbeiten aber mit Hochdruck daran, auch dafür Lösungen zu haben.

Um dann auch wieder im Europacup erfolgreicher zu sein?

Jacob Hödl - SK Sturm Europa League

Naja, am Ende hat uns in der Europa League ein Punkt zum Aufstieg gefehlt, wir waren also nicht so weit weg. Aber da bin ich schon dabei, dass es unser Anspruch sein muss, im internationalen Wettbewerb noch eine Runde weiterzukommen und die Ligaphase zu überstehen, um auch wieder genügend Punkte zu sammeln, um Österreich in der UEFA-Fünfjahreswertung nach vorne zu bringen.

Wie viele Klubs werden bis zum Ende im Bundesliga-Titelkampf mithalten?

Derzeit muss man wirklich alle fünf anderen Klubs ebenso auf der Rechnung haben, weil wirklich jeder in der Liga jeden schlagen kann. Es wird auf alle Fälle bis zum Schluss eng bleiben.

Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures