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30. Sept. 2026

GAK Peter Michorl Action

Peter Michorl: „So wollte ich nicht in Erinnerung bleiben“

Nach zwei Jahren in Athen kehrte Peter Michorl im Sommer in die ADMIRAL Bundesliga zurück und schloss sich dem GAK an. Im Interview mit bundesliga.at spricht der 31-Jährige über seine Learnings im Ausland, den Horrorfilm beim 0:8 bei Rapid und das Mindset des neuen Trainers Gerald Scheiblehner.

Am vergangenen Sonntag hat deine frühere Wahlheimat Griechenland erstmals gegen Deutschland gewonnen. Gab es viele Nachrichten aus Athen?

Darüber tatsächlich nicht. Ich habe noch einige Kontakte zu Spielern von Atromitos, aber da geht es eher um den verpatzten Saisonstart mit nur zwei Punkten aus den ersten fünf Spielen. Dort scheint es dieses Jahr beinhart um den Abstiegskampf zu gehen. 

Du warst zwei Jahre bei Atromitos, ein Klub, der im Schatten der großen Athener Vereine steht. Was war das größte Learning in dieser Zeit?

Es war eine wichtige Erfahrung, mich mal außerhalb meiner Komfortzone zu bewegen, den Schritt raus aus Österreich zu wagen. Das größte Learning war, dass man Spielern, die aus dem Ausland nach Österreich kommen, eine gewisse Zeit zugestehen muss, sich zu akklimatisieren. Gerade in südlichen Ländern herrscht eine ganz andere Mentalität, an die man sich erstmal gewöhnen muss. Deshalb: Jedem das Vertrauen schenken und erst nach zwei, drei Monaten schauen, wohin die Reise gehen kann. Es wäre falsch, jemanden schon nach kurzer Zeit abzuschreiben, weil es nicht auf Anhieb funktioniert.

Peter Michorl GAK

Wo liegen die größten Unterschiede?

(lacht) Vor allem in der Pünktlichkeit. In Österreich gilt das als Teil der Disziplin, in Griechenland sieht man das nicht so streng.

Du hast in Interviews öfter vom Leben in Athen geschwärmt. Warum wolltest du nach zwei Jahren trotzdem nach Österreich zurück?

Das Leben dort war richtig schön, ich habe fünf Minuten vom Meer entfernt gewohnt, das war besonders. Meine Beweggründe lagen in zwei Punkten. Zum einen war ich sehr weit getrennt von meinem Sohn, das war eine riesige Challenge, weil ich einfach viel Zeit mit ihm verbringen möchte. Nicht leicht zu handhaben über solch eine Distanz.

Und zum anderen?

Sportlich verlief mein Ende beim LASK nicht auf die Art und Weise, wie ich den Leuten in Österreich gerne in Erinnerung bleiben würde. Ich habe den Schritt zum GAK auch deshalb vollzogen, um zu beweisen, dass ich doch noch viel Qualität mitbringe. 

Peter Michorl LASK

Warum war der GAK, der dich ja schon im Winter gerne geholt hätte, dafür der richtige Anker? Gab es Alternativen?

Es war schon ein Thema, in Athen zu verlängern. Weil sich der GAK aber schon länger um mich bemüht hat und Tino Wawra (Anmerkung: Sportdirektor) einfach nicht lockergelassen hat, war mir relativ schnell klar, dass ich den Schritt machen möchte. Als Spieler willst du spüren, dass der Verein dich wertschätzt, dich alle haben wollen – das war beim GAK der Fall.

Der Saisonstart mit den Rotjacken verlief durchaus turbulent, negativer Höhepunkt war sicher die 0:8-Niederlage bei Rapid. Ist die Annahme richtig, dass man sich als Spieler dabei wie in einem Horrorfilm vorkommt?

GAK Peter Michorl gegen Rapid

Der Vergleich passt! Ich habe so etwas noch nie erlebt, die Woche danach war richtig ekelhaft. Aber auch das ist eine wertvolle Erfahrung. Nicht nur für uns Spieler, sondern für den ganzen Verein. Und ich traue mich zu behaupten, dass so etwas nicht mehr passieren wird.

Am Tag danach trennte dich der Klub von Trainer Ferdinand Feldhofer. Hat man da als Führungsspieler auch ein schlechtes Gewissen?

Wenn ein Trainer entlassen werden muss, haben einige Beteiligte etwas falsch gemacht, das betrifft dann wahrscheinlich viele im Verein.  Klar spürt man da Verantwortung. Wir haben es nicht auf die Reihe bekommen, gut in die Saison zu starten, dann ist der Trainer im Fußball das schwächste Glied. Aber ja, man fühlt sich schlecht, weil man ja weiß, dass man selbst auch einiges falsch gemacht hat, nicht nur der Trainer. 

Unter Gerald Scheiblehner habt ihr – inklusive Cup – vier Spiele nicht verloren und den Gegentorschnitt auf 0,75 gesenkt. Wie hat er Stabilität in die Mannschaft bekommen?

Peter Michorl GAK und Trainer Gerald Scheiblehner; Pressekonferenz

Jeder kennt den Fußball, den Gerald Scheiblehner spielen lassen will. Er ist ein akribischer Arbeiter, der nicht nur am, sondern auch neben dem Platz viel von uns fordert. Du kannst dir bei ihm als Spieler nicht erlauben, im Training oder gar im Spiel auch nur eine Sekunde runterzuschrauben. Er fordert immer 100 Prozent Aktivität und Aufmerksamkeit. Seine Spielidee passt gut zu uns, wir spüren, dass wir im Aufwind sind und wollen den Trend in den kommenden Wochen fortsetzen.

Wie fordert er euch außerhalb des Platzes?

Da geht es um Dinge wie Sauberkeit in der Kabine, Pünktlichkeit zu Terminen, das ganze Drumherum. Solche Dinge sind ihm sehr wichtig. Wir müssen uns wohlfühlen, wenn wir ins Trainingszentrum kommen, deshalb legt er großen Wert auf Ordnung und Professionalität in jedem Detail.

Spätestens seit seiner erfolgreichen Ära bei Blau-Weiß Linz hat Scheiblehner einen speziellen Ruf in Österreich. Was macht ihn besonders?

(lacht) Er hat einen sehr trockenen Schmäh, den ich sehr gut finde… Was ich überragend finde, ist sein Mindset. Er geht in wirklich jedes Spiel, um es gewinnen zu wollen. Das ist genau die richtige Einstellung, die es im Fußball braucht. 

Du warst beim LASK gefürchtet für deine gefährlichen Standards, hast auch beim GAK schon zwei Tore per Corner vorbereitet. Wie viel Zeit investierst du dafür?

Peter Michorl LASK

Die Wahrheit ist: ganz wenig! Wenn wir mit der Mannschaft Standards trainieren, schlage ich ein paar Flanken oder schieße ein paar Freistöße, das war’s! Gott hat mir einen guten linken Fuß mitgegeben, den bringe ich eben öfter ins Spiel. 

Was ist das Geheimnis eines guten Standards?

Wir machen uns vor jedem Spiel die Schwachstellen des Gegners aus. Dann weiß ich, wohin ich die Bälle schießen soll, damit sie am gefährlichsten sind. Ich würde sagen: 50 Prozent sind ein gut getretener Ball, 50 Prozent die Spieler in der Mitte, die sich durchsetzen müssen. 

Wir befinden uns mitten in einer XXL-Länderspielpause. Kannst du dem etwas abgewinnen oder findest du die Unterbrechung auch nervig?

Zweischneidig. Gerade für uns hat die Unterbrechung einen großen Vorteil. Durch den Trainerwechsel hatten wir unter Gerald Scheiblehner keine Vorbereitung. Wir können in diesen drei Wochen also viel im taktischen Bereich arbeiten und anpassen, den Stil des Trainers verinnerlichen. Andererseits ist es auch etwas schade, da wir zuletzt ja einen guten Drive hatten, vier Spiele ungeschlagen blieben. 

Nach der Pause kommt das erstarkte Red Bull Salzburg nach Graz. Gilt auch da das Mindset, das Spiel gewinnen zu wollen?

Peter Michorl GAK

Ja, natürlich! Wir werden alles daransetzen, dieses Spiel zu gewinnen. Warum auch nicht? Wir wissen, dass wir gegen eine der besten Mannschaften Österreichs antreten und um die enorme Qualität von Salzburg, aber auch dort haben die Spieler nur zwei Beine und kochen mit Wasser. In 90 Minuten kann alles passieren, genau das lebt uns auch der Trainer vor.

Traust du dich eine Kampfansage Richtung Meistergruppe zu machen? Ihr seid nach sieben Runden Teil eines breiten Mittelfelds der Liga.

Wir stehen in keiner schlechten Position, von Platz fünf bis Platz neun haben alle Teams acht Punkte. Wir haben in den direkten Duellen gegen diese Mannschaften gezeigt, dass wir sie schlagen können, aber genauso gut verlieren können, wenn wir nicht auf 100 Prozent kommen. Viel hängt in dieser engen Liga an der Tagesverfassung. Wenn wir aber so weitermachen, wie in den ersten Spielen unter dem neuen Trainer, bin ich guter Dinge, dass wir die Top 6 erreichen können. 

Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures