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06. März 2026

Peter Pacult und der Strich: „Das war ein Meilenstein!“

Dass ein Aufsteiger auf Anhieb in die Meistergruppe kommt, gab es in der Geschichte der ADMIRAL Bundesliga erst einmal. In der Saison 2021/22 schaffte es Austria Klagenfurt sensationell, nach der 22. Runde auf Rang sechs zu stehen. Ein Kunststück, das die Mannschaft danach sogar noch zweimal wiederholte. Erfolgstrainer damals: Peter Pacult. Wir baten den 66-Jährigen, sich an das Husarenstück zu erinnern und den aktuellen Kampf um den Strich zu analysieren. Kann die SV Oberbank Ried das Kunststück wiederholen?

Herr Pacult, seit Wochen wird um den Strich diskutiert, der Kampf um die Meistergruppe ist eine Runde vor Ende des Grunddurchgangs in vollem Gange. Sind Sie froh, dass Sie momentan in der Beobachterrolle sind, oder würden Sie gerne mitmischen?

Ich war mit Leib und Seele Fußballer und Trainer und hab solche Phasen immer gemocht, war gerne dabei. Andererseits kann es auch nicht schaden, mal eine Pause zu machen. Ich muss auch nicht mit aller Gewalt ganz schnell auf die Trainerbank zurückkehren. Ich greife gerne wieder an, wenn das Gesamtpaket passt, wenn alles Hand und Fuß hat.

Austria KLagenfurt Fans; Peter Pacult

Hand und Fuß hatte das, was Sie in der Saison 21/22 mit Austria Klagenfurt geschafft haben. Wie war es im Nachhinein möglich, mit einem Aufsteiger in die Meistergruppe zu kommen?

Die Mannschaft war vom damaligen Sportchef Matthias Imhof sehr gut zusammengestellt, hat top zusammengearbeitet und sich diesen Erfolg redlich verdient. Wir haben die Basics gemacht, die es braucht, um erfolgreich zu sein. Klagenfurt war zu dem Zeitpunkt lange weg von der großen Bühne, dementsprechend hoch ist diese Leistung zu bewerten. Allerdings hat man damals schon gemerkt, dass es finanziell nicht zum Allerbesten bestellt ist.

Mit Markus Pink und Turgay Gemicibasi standen zwei torgefährliche Offensivkräfte in Ihrem Kader, die gemeinsam für 21 Treffer sorgten.

Markus Pink hat uns schon in der 2. Liga raufgeschossen, zudem hatten wir mit Patrick Greil und Fabian Miesenböck Spieler, die für entscheidende Tore gut waren. Im Sommer sind uns dann Transfers gelungen, die gerade im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten sensationell waren. Nicolas Wimmer in der Abwehr und Gemicibasi in der Offensive. Das war der Grundstein, warum wir es in die Meistergruppe geschafft haben.

Am Ende war es richtig knapp. Klagenfurt hat in der 22. Runde 0:3 bei Rapid verloren, Ried spielte gegen Sturm 2:2, wäre bei einem Sieg aber an euch vorbeigezogen.

Wenn und Aber… Rapid hatte damals Probleme und wäre mit einer Niederlage womöglich selbst aus den Top 6 gerutscht. Ried hatte es in der eigenen Hand, am Ende hat es für sie nicht gereicht. Für uns als Aufsteiger war das eine Riesensache.

Wo steht dieser Erfolg in Ihrem Highlight-Ranking? Sie haben ja einiges erlebt…

Peter Pacult; Trainer Austria Klagenfurt

Es gehört sicher zu den Höhepunkten und war auch ein Meilenstein in meiner Trainer-Geschichte. Nicht nur, als Aufsteiger in die Meistergruppe zu kommen, sondern es auch dreimal nacheinander zu schaffen. Leider haben es die Zuschauer nicht so honoriert, wie es sich die Mannschaft verdient hätte. Aber für mich gehört es ins obere Regal meiner Erlebnisse.

In diesem Jahr könnte es mit Ried wieder ein Aufsteiger schaffen, auch wenn sie nurmehr Außenseiterchancen haben. Die „Wikinger“ müssen die Austria schlagen und auf Umfaller von Rapid und Altach hoffen. Ihre Einschätzung?

Ich finde es fast etwas schade für Ried. Im letzten Spiel gegen den GAK, aber auch in der Woche davor bei der WSG Tirol haben sie wichtige Punkte liegengelassen. Da fehlt ihnen etwas die Konstanz. Trotzdem spielen sie als Aufsteiger eine tolle Saison, überzeugen durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit. Dort steht kein Spieler über der Mannschaft. Die Chance auf die Meistergruppe lebt aber schon noch. Rapid hat mit Tabellenführer Salzburg eine ganz schwere Aufgabe, Altach bei Sturm Graz ebenso. Entschieden ist noch nichts, das wird ein ganz interessanter Sonntag!

Wenn man mit Spielern spricht, ist die einhellige Meinung, dass die letzten Spiele vor der Teilung ein ganz besonderes Flair haben, fast nicht zu vergleichen sind mit den Spielen davor. Haben Sie das als Trainer auch so erlebt?

Selbstverständlich! Man schaut jede Woche auf die Tabelle, hat ein Blick auf die kommenden Gegner, sieht sich das Programm der Konkurrenten ganz genau an. Natürlich verfolgt man das alles. Aber im Endeffekt geht es darum, sein eigenes Ding zu machen. Das war auch unsere große Stärke bei Austria Klagenfurt – wir haben uns beim Wesentlichen immer auf uns konzentriert. Alles andere kann man nicht beeinflussen. Dazu kommt, dass die Medien in der Zeit alles hochkochen und immer neue Rechnungen präsentieren. Klar beeinflusst auch das die Spieler und die Trainer. 

Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures