12. Feb. 2026

Polster und Herzog: Das Derby der Legenden
Es gibt nur wenige Kicker, die so für ihren jeweiligen Verein stehen wie Andreas Herzog und Toni Polster. Der Rapid-Edeltechniker schnürte bis 1992 die Schuhe für die Grün-Weißen und dann noch einmal 2002/03. Der Goalgetter war bis 1987 ein Violetter. Danach sorgten beide im Ausland und im Nationalteam für Furore. Und neuerdings auch als Buch-Autoren, in dieser Woche wurde ihr gemeinsamer Schmöker „Wir lachen bis heute“ präsentiert. Vor dem 348. Wiener Derby am Sonntag (17 Uhr, live auf Sky) baten wir die Legenden zum Derby-Talk.
Als Spieler habt ihr gemeinsam in der Nationalmannschaft für Sternstunden gesorgt. Habt ihr mal drüber nachgedacht, als Trainerteam aufzutreten?
Herzog: Dann bräuchten wir aber noch einen Defensiv-Guru in unserem Trainerteam, der uns den Laden hinten dicht macht. Unsere Mannschaften würden viele Tore schießen, aber auch viele bekommen. Aber man soll im Fußball ja nie etwas ausschließen.
Polster: Ich sag mal so: Wenn ich irgendwo als Co-Trainer arbeiten würde, dann sicher nur unter dem Andi. Aber Spaß beiseite: Das ist schon sehr unwahrscheinlich. Er ist gut aufgehoben als TV-Experte bei Sky, ich als Trainer bei der Wiener Viktoria.
Herzog: Irgendwann werde ich schon wieder einen Trainerjob machen, auch wenn die Angebote aktuell nicht übermäßig vorhanden sind. Ich war jetzt eine Zeit lang weg, das hatte aber familiäre Gründe. Das möchte ich auch nicht missen, Familie ist mir schon wichtiger als der Job.
Polster: Ich arbeite noch so lange bei der Viktoria, wie es mir Spaß macht, danach ist die Trainerkarriere für mich wohl beendet.
Am Sonntag treffen „eure“ Vereine zum 348. Wiener Derby aufeinander. Schaut ihr gemeinsam?
Polster: Du bist doch bestimmt wieder im Fernsehen, Andi, oder?
Herzog: Nein, diesmal nicht. Aber ganz ehrlich: Ich freue mich jedes Mal, wenn ich den Toni sehe. Aber ich freue mich mindestens genauso, wenn ich ihn am Tag des Derbys nicht sehe. Da schaue ich lieber allein oder mit ein paar Rapid-Kollegen als mit einem Austrianer.
Toni, du hast 20 Derbys gespielt (5 Siege, 7 Unentschieden, 8 Niederlagen, 12 Tore), Andi, bei dir stehen 22 Duelle (7/6/9, 4 Tore) in der Bilanz. Gegeneinander habt ihr nie gespielt. Eure prägendsten Derby-Erinnerungen?
Polster: In den ersten zwei Jahren, als ich bei der Austria oben dabei war, hatten wir keine Chance. Dann haben wir Herbert Prohaska und Tibor Nyilasi geholt und wurden dreimal Meister, ich wurde dreimal Schützenkönig. Mit den Beiden kam der Umschwung und wir waren die klare Nummer 1 in Wien. Legendär waren die Finalspiele im ÖFB Cup. Eins haben wir im Elfmeterschießen verloren (1985), im Jahr drauf dann 6:4 nach Verlängerung gewonnen. Das waren Wahnsinnsspiele.
Herzog: Als Hans Krankl Trainer wurde und das erste Derby im Happel-Stadion anstand, hat er uns verboten, den Austrianern die Hand zu geben. Mir war das sehr unangenehm, weil ich viele Spieler ja aus der Nationalmannschaft gut kannte. Er hat uns vor diesen Spielen jedenfalls richtig heiß gemacht, wir haben nacheinander 4:1, 5:2 und 6:3 gewonnen. Drei Siege in Folge, das hatte Seltenheitswert, zumal die Austria eine sehr gute Mannschaft hatte. Die Motivation hat also anscheinend geholfen.
Kommen wir zur Gegenwart. Rein sportlich gilt für beide Teams am Sonntag: Verlieren verboten!
Polster: Es geht beinhart um das Erreichen der Meistergruppe!
Herzog: Mit dem Auswärtssieg in Salzburg hat sich die Austria in eine richtig gute Position gebracht. Vor dem Start dachte ich, dass sich die Austria schwertun würde, aber Rapid steht jetzt schon richtig unter Druck.
Polster: Man muss vor der Leistung in Salzburg den Hut ziehen, das war ein eminent wichtiger Sieg. Jetzt wäre es wichtig nachzulegen.
Wie wichtig ist der Faktor, dass auch Auswärtsfans wieder im Stadion dabei sein dürfen?
Polster: Ich hoffe, dass wir über solche überflüssigen Themen nie wieder reden brauchen. Genießen wir doch die Spiele, feuern wir unsere jeweilige Mannschaft an und freuen uns über ein spannendes Spiel. Warum sollte ein Rapidler einen Austrianer hassen oder umgekehrt? Das ist doch Blödsinn! Beide Mannschaften brauchen einander, also lasst uns ein gemeinsames Fußballfest feiern.
Herzog: Toni hat Recht, aber ich finde es schon gut, wenn wieder Fans beider Vereine im Stadion sind. Ich hoffe, dass das so bleibt, weil es ja bedeuten würde, dass nichts mehr passiert. Ich liebe es, wenn Fans euphorisch oder angefressen sind, aber bitte alles im Rahmen.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures / APA