23. Jan. 2026
Ried-Coach Senft: „Nehmen Kampf um Top 6 an!“
Der längstdienende Trainer der ADMIRAL Bundesliga spricht über den Hauptgrund, warum er der SV Oberbank Ried erhalten blieb und erklärt, warum seine Spiele härter und intensiver arbeiten müssen als anderswo. Und er verrät, dass er auch bei seinem anstehenden Dienstjubiläum nicht zum Party-Tiger wird.
Beim Blick auf Ihre Statistiken stechen drei Dinge ins Auge: Sie haben den drittbesten Punkteschnitt aller Liga-Trainer (inklusive einer Saison in der ADMIRAL 2. Liga), Sie sind hinter Fabio Ingolitsch der zweitjüngste Trainer der Liga und der mit der mit Abstand längsten Amtszeit (2 Jahre, 10 Monate). Worauf sind Sie am meisten Stolz?
Auf die Entwicklung der Mannschaft und sicher auch auf die lange Amtszeit, die im Trainergeschäft nicht alltäglich ist. Das spricht für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Verein, dem Trainerteam und mir. Wir haben über die letzten Jahre viel Vertrauen zueinander gewonnen, und zwar auch in schwierigen Zeiten, weil wir gerade diese konstruktiv und gemeinsam gemeistert haben. Dementsprechend viel Substanz steckt in dieser Partnerschaft.
In der Winterpause hätte es die Möglichkeit gegeben, einen fliegenden Wechsel zu Sturm Graz zu vollziehen. Was war ausschlaggebend, dass Sie im Innviertel geblieben sind?
Da gibt es viele Gründe. Der Wichtigste: Hier gibt es ein gelebtes Miteinander zwischen Mannschaft, Staff und Management. Dieser Zusammenhalt zaubert einem täglich ein Lächeln ins Gesicht, wenn man zur Arbeit geht. Mir ist es ganz wichtig, mit welchen Menschen ich so viel Zeit verbringe, zumal es ja oft mehr Zeit ist, als man für die eigene Familie hat. Wenn wir dann auch noch erfolgreich sind, so wie aktuell der Fall, ist es natürlich umso schöner. Wir sind aber alle lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass auch wieder schwierigere Phasen kommen werden.
Gab es trotzdem ein paar schlaflose Nächte, als das Angebot vorlag?
Nein. Ich bin ein sehr guter Schläfer, da bin ich sehr privilegiert. (lacht) Schlafmangel habe ich nur dann, wenn meine Kinder nachts mal nicht schlafen wollen.
Durch die lange Winterpause steht Ried seit fast sechs Wochen auf einem Platz in der Meistergruppe. Hing die Tabelle bei Ihnen am Weihnachtsbaum?
Die Tabelle ist eine faire Momentaufnahme der Leistungen der Teams im Herbst. Aber auch nicht mehr. Ich finde auch, dass unsere Leistungen diesen Tabellenstand absolut widerspiegeln. Dementsprechend stehen wir zurecht auf einem Top-6-Platz.
Den ihr jetzt auch mit aller Macht verteidigen wollt!?
Genau. Wir sind beim Kampf um die Top-6-Plätze mittendrin und nehmen ihn auch vollumfänglich an. Zuerst haben wir allerdings noch ein ganz wichtiges Cupspiel gegen Rapid vor der Nase.
Ihr seid mit drei Siegen in die Winterpause gegangen. Stimmt es, dass man mit so einer Serie die Feiertage noch mehr genießen kann?
Ein solches Finish hingelegt zu haben, war schon ein sehr zufriedenstellendes Gefühl. Zumal ja auch der historische Auswärtssieg bei Rapid ein Teil dieser Serie war. Wir wissen aber auch, dass die Siege schon ein bisschen zurückliegen und dass wir hart arbeiten müssen, weitere Siege in der Bundesliga einzufahren. Wir sind nach wie vor der Aufsteiger und haben nicht vergessen, wo wir herkommen. Wir erinnern uns auch noch gut daran, wie sich Auswärtsspiele in Lafnitz oder Kapfenberg anfühlen.
Was war im Nachhinein betrachtet der wichtigste Grund, warum es euch als Aufsteiger so schnell gelungen ist, in der Bundesliga Fuß zu fassen?
Aus meiner Sicht das Commitment der Mannschaft zu der Art und Weise, wie wir täglich arbeiten und Fußball leben. Die ist für die Spieler sehr herausfordernd und anstrengend. Wir verlangen unseren Jungs viel ab und haben andere Trainingsabläufe als die meisten Mannschaften. Da braucht es Vertrauen und ein starkes Commitment.
Können Sie Beispiele geben, was in Ried anders abläuft?
Wir haben beispielsweise einen eigenen Trainingstag nur für Standardsituationen. Oder eine große Anzahl an Einzelmeetings mit den Spielern, sowohl was das Thema individuelle Videoanalyse betrifft als auch was die mentale Vorbereitung auf die einzelnen Spiele angeht. Die Häufigkeit und Intensität dieser Gespräche sind auf verschiedenen Ebenen herausfordernd und anstrengend. Daran kann man festmachen, wie akribisch und detailorientiert wir in Ried arbeiten.
Heißt: Als Ried-Spieler muss ich bereit sein, eine Spur härter zu arbeiten und mehr zu investieren als anderswo.
Unser Anspruch ist es, uns während der Spielvorbereitung einen Vorteil zu erarbeiten. Klar ist auch, dass Spieler und Betreuer bei uns die Bereitschaft mitbringen müssen, sich auch auf ungewöhnliche Ideen einzulassen.
Von den letzten fünf Spielen bis zur Ligateilung sind drei auswärts, es geht noch gegen Sturm, LASK und die Austria – mit welchem Mindset schicken Sie Ihre Spieler ins Rennen?
Wir passen unser Mindset immer der kommenden Herausforderung an. Wir werden am jeweils ersten Trainingstag der Woche damit beginnen, uns ganz konkret auf den kommenden Gegner vorzubereiten, und zwar auf unsere Art und Weise. Das beginnt mit Einzelmeetings, die sich durch die ganze Woche ziehen. Wir sprechen dann über konkrete Lösungen, die wir für den kommenden Gegner bereit haben wollen. Ich sehe in dieser Anpassungsfähigkeit einen großen Mehrwert, denn ich brauche für das Derby gegen den LASK eine andere mentale Vorbereitung als für ein Auswärtsspiel in Altach.
Ihr habt die ersten beiden Testspiele in der Vorbereitung verloren, 2:4 gegen Ingolstadt und 1:2 gegen Gornik Zabrze. Sind Rückschlüsse auf den Ligastart erlaubt?
Ein Testspiel bietet für uns grundsätzlich viele Lernfenster, so war es auch in diesen beiden Spielen. Grundsätzlich bin ich nicht so unglücklich, ein Freundschaftsspiel zu verlieren, weil ich der Meinung bin, dass man aus Niederlagen meistens ein Stück weit mehr lernen kann als aus Siegen. Das war auch hier der Fall.
Sie haben das Cupspiel gegen Rapid (Samstag, 31. Jänner, 17.30 Uhr) bereits angesprochen. Wie wichtig ist dieser Re-Start nach der Pause, auch vor dem Hintergrund, dass Ried eine klassische Cup-Mannschaft ist?
Der Cup ist für den Verein und unsere Fans traditionell sehr wichtig. Wir möchten die Chance nutzen, ins Halbfinale einzuziehen, dementsprechend liegt der Fokus derzeit auch ausschließlich auf diesem Match.
In sechs Wochen feiern Sie Ihr dreijähriges Jubiläum als Cheftrainer der SV Ried. Was muss bis dahin passieren, damit es eine große Party gibt?
Ich bin ehrlich gesagt kein großer Party-Tiger. Ich sollte mir den Termin wohl noch im Kalender eintragen, damit ich ihn im Eifer des Gefechts nicht vergesse (lacht). Wahrscheinlich werde ich mit meinem Staff bei einem guten Essen und guten Getränken darauf anstoßen. Viel mehr wird es nicht. Wir haben mit dieser Mannschaft noch viel vor, da steht mein persönliches Jubiläum sicher nicht im Vordergrund.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures