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02. Juli 2026

Stefan Schwab vor einem Logo

Rückkehrer Schwab: „Mit Ried die Bundesliga genießen“

Er war Kapitän bei Rapid und PAOK Saloniki und kickte zuletzt in der 2. deutschen Liga bei Holstein Kiel. Nun will Stefan Schwab mit der SV Oberbank Ried die ADMIRAL Bundesliga rocken. Warum sich der 35-Jährige auf diese Aufgabe freut und was er dabei beweisen will, verrät er im Interview mit bundesliga.at.

Du hast das, was man eine klingende Vita nennt, warst Führungsspieler im Ausland und einmaliger Nationalspieler. Was hat dich jetzt bewogen, nach Österreich zurückzukehren?

Mehrere Punkte. Für uns als Familie war klar: Wenn unser ältester Sohn mit der Schule startet, wollen wir nach Österreich zurück. Meine Frau und ich sind aus Salzburg, wir sehen hier in Zukunft unseren Lebensmittelpunkt. Als klar war, dass wir Kiel verlassen würden, lag die Priorität auf der Bundesliga, wobei der Markt natürlich nicht einfach ist. Und klar war auch: Wenn ich nach Österreich zurückgehe, ist Rapid mein erster Ansprechpartner.

Wo du von 2014 bis 2020 unter Vertrag standst und einen gewissen Kultfaktor genießt.

Wir waren in den letzten zwei Jahren immer wieder im Austausch, aber es kam aus diversen Gründen nicht zu einer Rückkehr. Ried hat sich auch schon vor einem Jahr sehr um mich bemüht, damals wollte ich aber unbedingt die 2. deutsche Bundesliga mitnehmen und habe mich für Holstein Kiel entschieden. Jetzt hat es sich super ergeben, wir hatten tolle Gespräche, ich freue mich sehr auf die Aufgabe.

In Kiel lief es sicher nicht so, wie du es dir vorgestellt hattest. Woran lag es?

Natürlich hatte ich mir mehr erwartet. Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben und bin davon ausgegangen, auch so lange dort zu bleiben. Der Verein wollte nach dem Abstieg wieder ins Aufstiegsrennen eingreifen, dann misslang der Saisonstart, der Trainer hat umgebaut und ich war nicht mehr Stammspieler. Ich habe mich aber zurückgekämpft und durfte vor allem im DFB-Pokal ein paar echt coole Highlights erleben. Wolfsburg, HSV, Stuttgart, das waren großartige Erlebnisse. Aber so richtig festsetzen konnte ich mich nie. Als dann Tim Walter im Frühjahr als Trainer übernahm, hat er mir ganz offen und ehrlich kommuniziert, wie meine Rolle aussieht. Nicht als Stammspieler, aber als wichtiger Spieler von der Bank und für die Kabine. Diese Rolle habe ich zu 100 Prozent angenommen. Am Ende waren es trotzdem zu wenige Spiele von Beginn an, und dennoch war es ein positives und lehrreiches Jahr für mich. 

Du wirst kurz nach Saisonstart 36 Jahre alt. War das Karriereende für dich ein Thema?

Nein, gar nicht! Ich finde es schade, dass in Österreich relativ wenig auf ältere Spieler gesetzt wird. Es geht ja um Leistung und nicht ums Alter. Klar braucht man junge Spieler, die man entwickeln und mit denen man Transfererlöse erzielen kann. Das ist legitim. Ich bin aber der Überzeugung, dass gute ältere Spieler diesen jungen Profis und damit dem ganzen Verein helfen können, um diesen Prozess zu beschleunigen. Ich fühle mich jedenfalls körperlich fit, hab die letzten Jahre auf gutem Niveau gespielt und traue mir zu, hier eine gute Rolle spielen zu können.

Menschen, die dich kennen, sagen: Nur wenige Profis achten so auf ihren Körper wie Stefan Schwab.

(lacht) Ja, hinten heraus rentiert es sich dann… Wenn man über viele Jahre Profi ist und alles tut, um körperlich fit zu sein, verlängert das die Karriere. Das ist jetzt keine neue Erkenntnis, aber viele verstehen das erst relativ spät. Ich habe es schon früh verstanden, was auch an meinem guten Umfeld liegt. Vor allem mein Bruder, der selber im Profisport tätig war (Anm.: Roland war Volleyballer) und mein Berater ist, hat mir immer wieder gesagt: Du hast einen geilen Job, und wenn du ihn lange ausführen willst, musst du Gas geben. Das habe ich beherzigt.

Ried steckt mitten in einem Umbruch, hat einige Leistungsträger verloren und will vermehrt auf junge Österreicher setzen. Da ist es naheliegend, dass deine Rolle die ist, diese Spieler mit deiner Routine anzuleiten.

SVR-Spieler Stefan Schwab klatscht ab

In erster Linie ist meine Rolle, dass ich Gas geben und zeigen will, dass ich auch in meinem Alter ein guter Spieler bin und der Mannschaft helfen kann. Und helfen heißt ja mehreres: Mit meinen sportlichen Qualitäten und Ambitionen, aber auch mit meinem Beitrag, eine gute Kultur und ein gutes Klima zu schaffen, in dem man respektvoll und positiv miteinander umgeht. Ich will mit meiner Erfahrung zeigen, wie man mit Erfolg oder auch Misserfolg umgeht. Ich kann dabei eine Balance mitbringen, die dabei hilft, das Schiff in einer Zeit des Umbruchs mit neuem Trainer und vielen neuen, jungen Spielern auf Kurs zu halten.

Du sprichst den neuen Trainer an, Mario Despotovic, der hierzulande noch vielen unbekannt ist. Hat er bei dem Transfer eine Rolle gespielt?

Wir haben vorab telefoniert und uns kennengelernt, das war ein sehr gutes Gespräch. Deswegen kam von Vereinsseite das Feedback: Der Trainer möchte es machen! Dann war auch für mich schnell klar, dass ich es machen will. Auch, weil er einen Fußball spielen lassen will, der mir entgegenkommt und mit dem ich mich identifizieren kann.

Ried hat als Aufsteiger eine starke Saison gespielt und wäre fast über das Play-off in den Europacup gekommen. Was ist drin in der kommenden Saison?

Das Vereinsziel werden wir während der Vorbereitung erörtern und dann auch nach außen kommunizieren. Mein persönliches Ziel lautet, mit der Mannschaft eine gute Saison zu spielen und die Bundesliga zu genießen. Ich freue mich sehr auf die vielen Duelle gegen Ex-Klubs und Vereine, gegen die ich seit sechs Jahren nicht mehr gespielt habe. Wir haben derzeit viele junge Spieler aus der Akademie und der zweiten Mannschaft dabei, das Transferfenster ist auch noch lange offen – da wäre es zu früh zu sagen, dass wir die Meistergruppe angreifen oder in erster Linie den Klassenerhalt fixieren wollen.

Du hast mit der Admira und mit Rapid 22-mal gegen Ried gespielt. Was haben die Spiele gegen die „Wikinger“ ausgemacht?

Es war immer ein riesiger Unterschied, ob wir daheim oder in Ried gespielt haben. Mit Rapid haben wir zu meiner Zeit in Hütteldorf immer gewonnen, uns im Innviertel aber viel schwerer getan und oft verloren. Dabei war es in Ried immer lässig: Stadion komplett voll, super Stimmung, kompakt, eng, es gab immer viele Zweikämpfe. Ried ist aber trotzdem ein sehr familiärer, bodenständiger Verein, der in der Region stark verwurzelt ist. Ich habe das Gefühl, dass jeder, der aus dieser Region kommt, Ried-Fan ist, das taugt mir total. Alle halten zusammen. Anders wäre es wohl kaum möglich, mit einer Stadt dieser Größe 35 Jahre Profifußball zu spielen. 

Am 9. August kommt es gleich in der 2. Runde zum Wiedersehen mit Rapid.

(lacht) Ich habe den Spielplan genau im Kopf und freue mich auch auf Duelle gegen Klubs wie den GAK, LASK oder auch Aufsteiger Austria Lustenau. Aber klar, gegen Rapid wird es natürlich speziell. Vielleicht gar nicht so sehr das Heimspiel in der 2. Runde, aber mit Sicherheit das Retourmatch in Hütteldorf. Und trotzdem will ich mit Ried Gas geben und diese Spiele gewinnen.

Du bist im ÖFB-Team ein One-Hit-Wonder, hast 2017 unter Franco Foda einmal gegen Uruguay gespielt. Deine Einschätzung: Ist gegen Spanien im Sechzehntelfinale der WM die Sensation möglich?

Dass es unglaublich schwer wird und wir der große Außenseiter sind, ist klar. Mich freut es, dass wir weitergekommen sind und die erste WM seit 1998 genießen können. Gegen Spanien muss wirklich alles zusammenpassen, ein Aufstieg wäre eine riesige Sensation. Aber ausschließen darf man im Fußball nichts.

Text: Markus Geisler
Foto: GEPA pictures, SV Oberbank Ried