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05. Aug. 2026

Tabakovic - FC Red Bull Salzburg

Salzburgs Haris Tabakovic im Interview: „Ich bin sehr heiß!“

Der Österreich-Rückkehrer hat mit Salzburg viel vor. Wie er Pafos und die Ligakonkurrenz einschätzt, warum die Bullen mit seiner Verpflichtung ein Statement gesetzt haben, Veränderung nötig war und jeder Verein Goalgetter braucht. Was den 32-Jährigen die Deutsche Bundesliga gelehrt hat, wie emotional sein Tor gegen Österreich war und warum er für die WM zu unrecht abgeschrieben wurde.

67 Tore in 90 Spielen in den zwei höchsten Spielklassen. Haris Tabakovic hat seine Karriere in Österreich so richtig gezündet, ehe er in Deutschland für Aufsehen gesorgt hat und mit Bosnien zur WM gefahren ist. Jetzt ist er wieder da und will Red Bull Salzburg als Leithammel und Goalgetter zurück zu alter Stärke schießen. Vor dem wichtigen Europacupduell mit Pafos hat er bundesliga.at Rede und Antwort gestanden. 

Deine Karriere hat in Österreich so richtig abgehoben. Wie schön ist es, wieder da zu sein?

Sehr schön. Zur Austria Lustenau in die zweite Liga zu gehen war damals ein richtiger Schritt nach schwierigen Jahren davor. Hier hab ich Selbstvertrauen gewonnen, den Körper aufgebaut und das hat sich dann auch in den Leistungen widergespiegelt. Die letzten 5, 6 Jahre ging es dann bei mir von den Toren und Ligen steil nach oben.

Deine Europacup-Bilanz ist mit 2 Toren in 18 Spielen noch ausbaufähig. Wie heiß bist du auf die Europa League Quali gegen Pafos – was wisst ihr vom Gegner, wie wollt ihr es angehen?

Ich bin sehr heiß. Das ist eine Hürde, die wir unbedingt nehmen wollen. Aber es wird definitiv ein schweres Spiel. Pafos hat eine funktionierende Mannschaft. Das hat man letztes Jahr in der Champions League gesehen. Mit David Luiz spielt bei ihnen ein großer Namen im Fußball, der jetzt auch schon etwas älter ist (Anm. 39 Jahre). Dazu ist mein Kumpel Ivan Šunjić dort, der mit mir im bosnischen Nationalteam spielt. Er hat mir einiges erzählt. Die reichen russischen Besitzer haben dort hohe Ziele.

Du kommst als Bundesliga gestählter Routinier zurück nach Österreich – wie siehst du deine Rolle in Salzburg?

Tabakovic FC Red Bull Salzburg vs Hartberg; Bundesliga

Mit knapp über 30 bist du mittlerweile fast überall der Routinier. Das hab ich auch in Gladbach gemerkt. Da war ich der Zweitälteste. Wir haben eine Zeit im Fußball, wo die Jugend sehr forciert wird. Ich glaube, dass Red Bull Salzburg aber auch ein Statement gesetzt hat, mit mir einen Ü30-Spieler zu holen. Nach den letzten drei Jahren ohne Titel war klar, dass man jetzt hohe Ziele hat. Für mich geht es darum, dass ich im Training und über die Spiele schnell auf 100 Prozent komme. Wir müssen Leistung zeigen. Ich will vorangehen. Wenn die Jungen einen Rat brauchen, bin ich da. Aber schlussendlich geht es nicht um jung oder alt, es geht immer um Performance. Und die muss ich auf den Platz bringen.

Als Startelf-Spieler?

Klar. Ich war letztes Jahr auch in der Deutschen Bundesliga Startelf-Spieler. Ich bin ja nicht gekommen, um auf der Bank zu sitzen.

Was war das wichtigste Learning bei deiner Zeit in Deutschland?

Tabakovic Gladbach vs Bayern

Natürlich ist alles nochmal größer. Von den Fans und vom Druck her ist es natürlich heftig. Ich hab es sehr genossen. Auch bei Hertha in der zweiten Bundesliga hat es sich angefühlt wie bei einem Bundesligisten. Einfach von der Tradition. Gleich dort Torschützenkönig werden und mir im Jahr drauf den Traum von der Bundesliga erfüllen - das sind natürlich alles Ziele, die man hat. Auch als Gladbach Startelf-Spieler meine Tore zu machen, war wichtig, um mir selbst zu beweisen, ich kann erste Deutsche Bundesliga spielen. Die Lehre daraus ist, dass es keine Limits gibt. Wenn du hart arbeitest, kannst du alles erreichen. 

Du bist einer der letzten klassischen Goalgetter – wie sehr braucht es die heute und warum sind sie am Aussterben?

Das Spiel verändert sich. Mannschaften haben sehr gerne Spieler vorne, die beweglicher sind und zur Seite ausweichen. Natürlich muss man das perfekte Paket finden. Man hat trotzdem auch bei Gladbach gesehen, dass es einen Zielspieler braucht, der die Tore macht, wenn er gefüttert wird. Jeder Verein, der Probleme hat, Tore zu machen, wird so einen Zielspieler zu sich holen.

Am Ende suchen ja doch alle diesen Goalgetter.

Genau. Weil das Spiel im letzten Drittel das schwierigste ist. Da braucht es die Goalgetter.

Salzburg hat sich sehr stark verstärkt. Wie zuversichtlich bist du, dass man nach drei Jahren Pause wieder den Titel holen und zu alter Dominanz finden kann?

Ich hab ja diese Dominanz noch miterlebt als ich das letzte Mal hier war. Für mich waren die letzten Jahre von Red Bull Salzburg schon etwas überraschend. Der Klub hat jetzt aber eine klare Richtung vorgegeben, mit Marcus Mann viel verändert und auch im Trainerteam. Ich glaube, dass es diese Veränderung gebraucht hat. Ich bin zuversichtlich, dass wir zueinander finden und eine gute Rolle spielen. 

Wie wertvoll kann Danny Röhls große Trainererfahrung (Bayern, England, Glasgow usw.) für euch sein?

Die ist sehr wichtig. Er ist trotzdem noch ein sehr junger Trainer, der aber einen klaren Plan hat, wie er Fußball sieht und spielen möchte. Die Erfahrung von ein paar der größten Klubs der Welt gibt ihm sicher viel für seine Trainerkarriere.  

Ist die Konkurrenz mit Sturm, LASK usw. größer als zu der Zeit, als Salzburg noch Serienmeister war?

Ja, natürlich. Wenn Klubs wie Sturm und LASK Meister werden und in die Champions League kommen, schaut das Budget durch die Einnahmen dann auch etwas anders aus. Mit guten Transfers hat man es auch geschafft, Summen reinzuholen. Deshalb ist die Konkurrenz definitiv da. Wir tun aber gut daran, wenn wir auf uns schauen und uns verbessern. Und wenn wir jedes Spiel als ein Endspiel sehen. Das ist wichtig. 

Wie emotional war für dich das Länderspiel Duell mit Bosnien gegen Österreich und dein Tor?

Haris Tabakovic Bosnien Jubel

Es war natürlich sehr emotional. Da waren einige Freunde aus meiner Wien-Zeit im Stadion. Viele haben danach angerufen, weil sie nicht so glücklich waren, dass sie bis zuletzt gegen uns zittern mussten. 

Wie zufrieden warst du mit der WM, hättest du dir mehr Einsatzzeit erhofft und erwartet?

Natürlich. Aber am Ende war ich nur glücklich, dass ich dabei sein durfte. Weil wie das letzte Spiel gegen Hoffenheim gelaufen ist, da hatten mich viele Ärzte wegen meiner Fußverletzung schon abgeschrieben. Am Ende trotzdem WM-Spielminuten zu sammeln, das bleibt einem für immer und darauf bin ich stolz.

Text: Christoph König; Fotos: (c) Andreas Schaad FC Red Bull Salzburg; GEPA pictures