27. Feb. 2026
Sasa Kalajdzic: "Wer nicht an die WM denkt, ist kein Fußballer“
Sasa Kalajdzic is back! Nach langen Verletzungsdramen hat der England-Rückkehrer sein erstes Tor in der ADMIRAL Bundesliga seit fast sieben Jahren geschossen. Wie es um seine Fitness steht, warum er die WM noch nicht abgeschrieben hat und wen er vom LASK auf die Insel mitnehmen würde, verrät er im Interview mit bundesliga.at.
Sasa, auch wenn du sicher gerne ein anderes Ergebnis gehabt hättest, aber du hast gegen Salzburg dein erstes Tor in der ADMIRAL Bundesliga seit fast sieben Jahren geschossen: Wie zufrieden bist du mit deiner Entwicklung nach deinen langen Verletzungspausen?
Ich bin grundsätzlich zufrieden, es wird mit jeder Woche besser. Das merkt man auch im Spiel. Es kann immer noch besser gehen, aber wenn ich vor einem Jahr darauf geschaut und gesehen hätte, wie es mir jetzt geht, wäre ich sehr zufrieden gewesen.
Anders als vor der Winterpause warst du in allen Frühjahrsspielen in der Startelf, warst du im Herbst noch nicht so weit?
Ich bin voll im Training und habe auch wieder das Vertrauen in den Körper, dass er jeden Zweikampf aushält, vor allem auch in den Luftduellen, dass ich auch jeden Extra-Schritt gehen kann. Das ist auch wichtig für das Unterbewusstsein. Man darf nicht vergessen, dass ich fast 15 Monate kein Spiel gemacht habe. Da kann man sich vorstellen, dass der Körper sich erst wieder daran gewöhnen muss. Als ich zum LASK gekommen bin, wollte ich einfach wieder gesund werden und das bin ich. Aber es war klar, dass ich Zeit und Geduld brauchen werde.
Trainer Didi Kühbauer, der ja recht kritisch sein kann, ist auch zufrieden mit deinen Fortschritten?
Der Trainer macht nach jedem Spiel eine Analyse und scheut sich nicht, jedem Spieler direkt zu sagen, was gut und was schlecht war. Auch mir. Aber ich denke, er ist zufrieden, sonst würde ich nicht spielen. Auch er hat mir immer gesagt, dass Fitness das oberste Gebot ist und dass ich eine Vorbereitung brauche. Die habe ich im Winter gehabt. Diese drei Wochen haben mir sehr gut getan.
Gegen die WSG Tirol hast du deinen ersten Assist verbucht, jetzt dein erstes Tor - verlangst du in den nächsten Wochen mehr Scorer von dir?
Natürlich werden Stürmer am Ende an Toren gemessen. Aber aktuell ist mir wichtiger, dass ich wieder in der Lage bin, 90 Minuten lang voll zu marschieren. Wenn die Kraft und die Intensität da sind, werden auch wieder mehr Tore kommen. Alles zu seiner Zeit. Wir schießen unsere Tore auch oft aus Umschalt-Situationen, da bin ich in meiner Rolle mehr das Bindeglied zum Angriff und deshalb beim Abschluss gar nicht immer dabei. Aber auch daran arbeite ich, dass ich wieder mehr in diese Situationen komme.
Hast du schon Feedback von Teamchef Rangnick bekommen?

In letzter Zeit nicht, aber während meiner Verletzungszeit und auch bei meinem Wechsel zum LASK war ich in Kontakt mit dem Teamchef. Seine Message war, dass das Wichtigste ist, gesund zu werden und wieder zu spielen. Jetzt fängt es langsam an, wieder zu laufen. Hoffentlich so positiv, dass ich auch wieder für das Nationalteam infrage komme.
Das heißt, an die WM denkst du schon noch?
Natürlich, wer nicht an die WM denkt, ist kein Fußballer.
Mit Algerien und Jordanien hat Österreich neben Weltmeister Argentinien zwei Gruppengegner, gegen die Punkte eingeplant sind. Du hast mit zwei algerischen Nationalspielern zusammengespielt, wird Algerien unterschätzt?
Rayan Ait-Nouri war mein Klubkollege bei den Wolves und ist ein überragender Spieler. Er ist nicht umsonst jetzt bei Manchester City. Auch Fares Chaibi bei Frankfurt ist ein hervorragender Fußballer. Ich würde Algerien nie unterschätzen. Das sind alles geile Kicker. Und das sind nur die Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe. Da gibt es noch viele andere auf höchstem Niveau. Bensebaini, Mahrez – das sind alles Leute, die kicken und zocken wollen. Argentinien wird ohnehin keiner unterschätzen, aber auch Jordanien ist zurecht dabei und wird vor allem bei der ersten WM-Teilnahme die vermeintlich Großen ärgern wollen.
Kommen wir zurück zur ADMIRAL Bundesliga: Wenn’s nach der Tabelle geht, ist es seit deinen Admira-Zeiten viel enger geworden. Fühlt sich das auch auf dem Platz so an?
Die Tabelle ist ein Wahnsinn, da ist wirklich alles möglich! Es gibt nur zwei Mannschaften, die nicht mehr unter die ersten Sechs kommen können. Aber auch gegen die steht jedes Spiel auf Messers Schneide. Der Spielstil in der Liga ist heute intensiver und ausgeglichener. Auch wenn es nach dem 1:5 komisch klingt, aber Salzburg ist nicht mehr so alleinig dominant wie vor Jahren und Mannschaften wie Sturm haben enorm aufgeholt. Für die Zuschauer ist die Liga richtig spannend.
Der LASK wird im Titelkampf mitmischen?
Beim LASK streben wir immer das Maximum an, aber unsere Gedanken sind nur beim nächsten Spiel. Dann kommt noch eine schwere Cup-Partie und das letzte Spiel vor dem Ende des Grunddurchgangs. Das sind noch genug Themen, da müssen wir noch nicht weiter denken. Aber wir wollen nach der ersten Niederlage nach langer Zeit am Sonntag schon wieder zeigen, was wir können.
Da müsst ihr zur Austria. Hast du gute Erinnerungen an deine bisherigen drei Spiele gegen die Violetten?
Als Wiener ist es immer schön, in Wien zu spielen. Gegen die Austria habe ich in meinem zweiten Spiel für die Admira mein erstes Bundesliga-Tor gemacht. Das vergisst man nicht. Es wird mein erstes Spiel in der Generali Arena, die war noch nicht fertig, als ich mein einziges Auswärtsspiel gegen die Austria gemacht habe. Ich freu' mich drauf.
Der Admira hast du auch schon einen Besuch abgestattet?
Noch nicht, es hat sich ja seit meinem Abgang sehr viel dort verändert. Ich hätte mich gefreut, wenn wir im Cup zusammengetroffen wären, aber das ist sich nicht ausgegangen. Ich hoffe, dass die Admira den Aufstieg schafft, weil ich immer noch großer Fan bin und ihr viel zu verdanken habe.
Warst du eigentlich bei deinem Wechsel von der Südstadt in die Deutsche Bundesliga gleich überzeugt, dass du dich durchsetzen wirst?

Ehrlich gesagt bin ich nach Stuttgart gegangen wie ein kleines Kind. Ich habe nicht gewusst, was mich erwartet, habe aber schnell gesehen, dass ich mithalten kann, aber einige Zeit brauchen werde, um körperlich so weit zu sein. Leider ist dann gleich die Verletzung dazugekommen, was den Start noch einmal erschwert hat. Aber danach ist es gut gelaufen. Obwohl der Fußball in Deutschland einen ganz anderen Stellenwert hat als in Österreich.
Wie genau verfolgst du, was bei deinen Wolves vor sich geht und würdest du sie auch in die Championship begleiten?
Wenn wir nicht selbst spielen, verfolge ich die Spiele, obwohl ich sehr wenig Fußball schaue, weil ich als Vater und Ehemann möglichst viel Zeit mit meiner Familie verbringen will. Schade, was da in dieser Saison passiert, weil von der Qualität der Mannschaft viel mehr drin wäre. Was im Sommer sein wird, ist noch weit weg. Die Leute vom Loan Department der Wolves schauen wöchentlich, ob es mir gut geht und auch die Physios und Analysten, die alle Leihspieler im Auge haben, freuen sich, dass ich im Fall des Falles gesund zurückkomme. Aber daran, was im Sommer sein wird, denke ich noch gar nicht.
Wen würdest du vom LASK nach England mitnehmen?

Wenn es nach dem Körper geht, dann Sam Adeniran. Andere haben sicher auch das Zeug, aber Sams Körper ist ein Wahnsinn. Ich habe ihm schon gesagt, dass England für ihn ideal wäre, Spieler mit so einem Körper gibt es auch dort nicht viele.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures