13. Mai 2026
Silberberger: "Vor zwei Wochen waren wir Fixabsteiger, jetzt können wir vom Europacup träumen"
Zwischendurch hat es für den WAC im Abstiegskampf gar nicht gut ausgesehen. Doch Thomas Silberberger hat das Ruder herumgerissen. Wie er das gemacht hat, warum er froh ist, dass vor seinem ersten Duell gegen die WSG Tirol auch sein Ex-Klub schon gerettet ist und welche Chancen er für das Europa-Playoff sieht, verrät der WAC-Trainer im Gespräch mit bundesliga.at
Gratulation zum Klassenerhalt in der ADMIRAL Bundesliga, wie groß ist die Erleichterung?
Riesig, weil die Situation wirklich extrem kritisch war. Wir waren nach dem 0:3 gegen Blau-Weiß Linz gefühlt ja schon abgestiegen. Da hat außer uns intern ja kaum noch jemand an uns geglaubt.
Warst du etwas überrascht, dass es so ein Trapezakt werden würde?
Ja, schon. Ich habe den WAC durch meine Tätigkeit bei Sky ja öfter beobachtet und natürlich einiges mitgekriegt, aber dass er so in den Seilen hängt, war nicht absehbar.
War die Rolle des Feuerwehrmanns neu für dich oder warst du vor deiner WSG-Ära schon einmal in so einer Lage?
Bei der WSG war ich elf Jahre lang Feuerwehrmann (lacht)! Aber nein, ich habe mich auch beim WAC nie als Feuerwehrmann gesehen, weil ich ja nie an die Kurzfristigkeit gedacht habe. Wir haben uns ja, egal was passiert, auf einen Zweijahresvertrag festgelegt. Kurzfristig war nur, in sieben Spielen die Saison retten zu müssen. Und das ist Gott sei Dank gelungen.
Hast du zwischendurch einmal den Gedanken gehabt, was es für deine weitere Trainerkarriere bedeuten würde, wenn es mit dem WAC schief geht?
Nein, der Gedanke war nie da. Ich war auch nach der Blau-Weiß-Niederlage einer der wenigen, die noch daran geglaubt haben. Da sind wir als Mannschaft zusammengerückt, das war entscheidend. Gegen Altach, GAK und Ried haben wir dann praktisch keine Torchance mehr zugelassen und halten jetzt bei sechs Spielen, in denen wir vier Mal zu Null gespielt haben.
War das die erste Maßnahme, hinten dicht zu machen?
Das war das erste Ziel und ich habe auch gleich am ersten Tag gesagt, dass wir auf Fünferkette umstellen. Alle Klubs in der Qualifikationsgruppe spielen Fünferkette, nur der WAC ist immer wieder zwischen Vierer- und Fünferkette geswitcht. Deshalb war es eine Notwendigkeit, dass wir das auch umstellen. Wir haben ein paar Prinzipien implementiert und viel Arbeit ins Training gesteckt. Wenn man die Spiele in der Qualifikationsgruppe beobachtet, dann sieht man, dass die Teams nur zu Torchancen kommen, wenn sie vorher zwei, drei Zweikämpfe gewinnen. Das ist aber beim WAC praktisch nie passiert. Das haben wir im Training verinnerlicht. Außerdem haben wir den Fokus auf Standards gelegt - und damit an den richtigen Schrauben gedreht.
In der schwierigen Lage hat man auch gesehen, wie nahe das einzelnen Spielern gegangen ist. War das ein gutes Zeichen für dich, dass ihnen der Verein nicht egal ist?

Klar ist, wenn es so prekär wird, tun sich Gruppen auf. Die, die einen langfristigen Vertrag haben tun natürlich alles, damit der Verein oben bleibt. Die, bei denen der Vertag ausläuft, nehmen das lockerer. Das habe ich auch am ersten Tag erkannt und darauf reagiert. Aber man braucht im Abstiegskampf jeden Spieler, deshalb habe ich keine Spieler aussortiert, sondern die Herangehensweise geändert.
Erwartest du, dass der WAC jetzt ohne Abstiegsangst wieder sein wahres Gesicht zeigt?
Das werden wir schon am Samstag gegen die WSG sehen. Ich glaube, das wird eine coole G'schicht, weil beide Mannschaften mit offenem Visier spielen können. Natürlich wollen wir jetzt ins Playoff. Das lebe ich vor, da brauchen wir nicht viel drumherumreden. Der Modus gibt es her: Vor zwei Wochen waren wir noch Fixabsteiger und jetzt können wir vom Europacup träumen. Um dafür Kräfte zu mobilisieren, haben wir drei Tage frei gehabt und jetzt geht's volles Rohr.
Mit welchem Gefühl gehst du in dein erstes Spiel gegen "deine" alte WSG Tirol?
Ich bin froh, dass es - unter Anführungszeichen - um "nix" mehr geht, also nicht um "do or die“ wie bei Blau-Weiß Linz gegen den GAK. Das wäre bei meinem ersten Treffen mit der WSG eine fatale Situation gewesen. Zum Glück ist auch die WSG schon gerettet, sonst wären sicher irgendwelche Verschwörungstheorien aufgepoppt, dass ich gegen meinen Ex-Klub nur mit zweiter Kraft spiele.
Du warst mit der WSG schon einmal im Europa-Playoff, worauf kommt es da an?
Wir haben damals den LASK ausgeschaltet, gegen Rapid das Heimspiel verloren, aber auswärts lange mitgespielt. Im Playoff ist vieles möglich, wobei die Mannschaft aus der Meistergruppe schon den Vorteil hat, innerhalb weniger Tage ein Spiel weniger austragen zu müssen. Und der Heimvorteil im letzen Spiel hilft natürlich auch. Aber das ist ja auch okay.
Im letzten Jahr Cupsieger und knapp am Meistertitel vorbei, heuer im Abstiegskampf - was darf man in der nächsten Saison vom WAC erwarten?
So gut wie letztes Jahr wird man den WAC wahrscheinlich nicht mehr oft sehen, aber so schlecht wie dieses Jahr schon gar nicht. Wir wollen wieder eine schlagkräftige Mannschaft haben und wieder auf die Top 6 schielen. Die Überperformance der vergangenen Saison hat heuer sicher dazu beigetragen, dass es so schwierig geworden ist. Aber der WAC hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass er zu den Top-Vereinen in Österreich gehört. Da wollen wir wieder hin.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures