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28. Juli 2026

Andreas Herzog

Sky-Experte Andi Herzog: „Mit 17, 18, 19 müssen sie in der Bundesliga spielen“

Nach seinem WM-Einsatz ist Andi Herzog zurück bei SKY, wo er mit Constanze Weiß jeden Sonntag das Moderatoren-Duo beim Top-Spiel der Runde bilden wird. Vor dem Start in die ADMIRAL Bundesliga 2026/27 sprach der ehemalige ÖFB-Rekordspieler über die Zukunft des österreichischen Fußballs, die größten Talente und seinen Favoriten für die Torjägerkrone.

… über Österreichs WM-Abschneiden

Wir hätten uns wahrscheinlich alle etwas mehr erhofft, trotzdem haben wir die K.o.-Phase erreicht, deshalb war’s okay.

… über den Unterschied zu Spitzenteams wie Spanien und Argentinien

Ich will jetzt gar nicht nur von der WM reden. Spanien hat einfach eine ganz andere Auffassung von Fußball. Bei denen geht es um die Spielintelligenz, um das Räume erkennen, um die super Technik, den ersten Kontakt, das Positionsspiel, das Passspiel. Wir definieren uns seit Jahrzehnten über andere Dinge, deshalb fehlt uns schon extrem viel auf Spanien oder Argentinien. In den letzten Jahren hat es trotzdem gut ausgeschaut, weil wir im Spiel gegen den Ball richtig super waren. Die Challenge für die Zukunft wird sein, gewisse Positionen zu besetzen, wenn demnächst Arnautovic, Alaba, Sabitzer und Gregoritsch aufhören. Das soll nicht heißen, dass wir das nicht schaffen können, aber es wäre einmal zu hinterfragen, wie wir den österreichischen Fußball sehen wollen. Wollen wir ihn weiter arbeiten oder brauchen wir auch einmal ein paar Kicker, bei denen nicht die Größe oder die Wucht entscheidend sind? An oberster Stelle steht einmal die Spielintelligenz. Solche Spieler müssten wir fördern im Nachwuchs. 

… über die Arbeit im Nachwuchs

Man kann die Hebel nur im Nachwuchs ansetzen. Die Kinder müssen im Training mehr dribbeln und Abschlüsse haben. Harry Kane sagt, dass er in jedem Training 100-mal aufs Tor geschossen hat. Nicht umsonst plattelt er die Bälle wie er will neben die Stange rein. Das ist üben, üben, üben. Das machen unsere Kinder nicht, weil die Schwerpunkte im Training ganz andere sind. Es muss auch viel mehr individuell trainiert werden. Ich war damals bei der Challenge 2008 dabei. Da hat zum Beispiel Manfred Schmid in Wiener Neustadt super gearbeitet und mit Burgstaller und Grünwald zwei richtig gute Kicker entwickelt. Die Detailarbeit in der Position ist das Entscheidende. Dafür musst du die richtigen Leute haben.

Beim ÖFB gibt es schon auch heute gute Ansätze, Martin Stranzl macht richtig gute Sachen. Das Wichtigste ist, dass die Spieler lernen, sich mit jedem ersten Kontakt nach vorne aufzudrehen, damit sie das Spiel gleich fortsetzen können. Diesen Mut muss man fördern. Das dauert ein paar Monate, aber es geht ja darum, wo der Spieler mit 17, 18 oder 19 ist – und da müssen sie in der Bundesliga spielen. Es geht nur so. Wir werden nicht wie Frankreich 100 oder 150 Talente haben, aber wir müssen schauen, dass wir fünf pro Jahrgang haben.

… über die Jungen in der ADMIRAL Bundesliga

Jacob Peter Hödl Sturm Champions League

Es gibt sie schon, wenn ich an Markovic oder Saljic bei der Austria denke. Oder bei Sturm: Weinhandl ist Jahrgang 2009, der ist super. Hödl kenne ich von kleinauf, weil meine Buben auch in der Akademie waren. Der hat bei Sturm ein Hallenturnier gespielt, da haben sie ihn ins Tor gestellt, er hat den Ball gefangen, von hinten alle überspielt und dann abgeschlossen. Da habe ich mir schon gedacht, bumm, das wird einer! Neugierig bin ich auch auf Zawieschitztky. Wenn du mit 19 bei Salzburg im Tor stehst, ist das schon ein Statement.

… über Alex Schlager bei seinem Ex-Klub Werder Bremen

Tabakovic und Schlager Österreich vs Bosnien

Er war einer unserer wenigen Gewinner bei der WM. Er war vom ersten Spiel an souverän, das hat ihm die nötige Sicherheit gegeben. Die muss er mitnehmen in die Deutsche Bundesliga, dann kann er schon mit dem Anspruch hingehen, dass er auch spielt.

… über Rapids Jakob Schöller

Wenn ich so einen Spieler habe, muss er auch spielen. Für mich hat er mehr Potenzial als Schuster, der für 20 Millionen zu Brentford gewechselt ist. Dass man Schöller gleich in die Verantwortung schiebt und zum Vizekapitän macht, finde ich richtig. Wenn er es in den nächsten ein, zwei Jahren gut macht, dann explodiert sein Marktwert. Von den Anlagen her ist er richtig, richtig gut.

… über die Erwartungen an Yusuf Demir

SK Rapid Conf League Yusuf Demir

Für ihn wäre wichtig, dass man ihn jetzt einmal ein halbes Jahr spielen lässt, ohne ihn nach jedem Spiel zu beurteilen. Lasst ihn einmal spielen, mit allen Qualitäten, die er hat. Da soll er zeigen, was er kann. Wenn er sich’s verdient. Wenn nicht, wird es langsam eng für ihn. 

… über Tobias Gulliksen

Ich habe bei Rapid mit Zlatko Kranjcar gespielt, der hat ein halbes Jahr gar nix zusammengebracht. Aber dann ist er gekommen und war auf einmal der beste Spieler in Österreich. Darauf wartet man auch bei Gulliksen. Ob es so kommt? Ich bin nicht zu 100 Prozent überzeugt. Dass er kicken kann, keine Frage. Beim entscheidenden letzten Spiel gegen Ried hat er zwei Tore aufgelegt, da habe ich gedacht, dass ihm das einen Schub gibt. Aber dann war halt die lange Pause und jetzt muss er erst wieder reinstarten und zeigen, dass er den Unterschied ausmachen kann.

… über die Favoriten auf die Torjägerkrone

Tonni Adamsen hat zwei Cup-Tore für Rapid gemacht, da muss man abwarten. Aber aktuell ist für mich Haris Tabakovic der einzige pure Torjäger. Wenn der Ball im Strafraum ist und er ist in der Nähe, ist die Chance groß, dass es ein Tor wird. 

… über Ex-Torschützenkönig Vrioni (WAC) und Adeniran (LASK)

Vrioni war in den USA und ist dort von Verein zu Verein gewechselt, hat aber seine Wattens-Leistungen nicht mehr bestätigen können. Da muss man auch abwarten. Bei Adeniran war ich am Anfang auch skeptisch, da hätte ich mir eher gewünscht, dass ein Österreicher spielt. Aber dann hat man die Trainerarbeit von Didi Kühbauer gesehen. Der stellt ihn hin, baut um ihn herum etwas auf und plötzlich hat der Bulle funktioniert.

… über junge österreichische Stürmer

Die werden noch nicht um die Torjägerkrone mitreden, aber ich würde mir wünschen, dass Verhounig beim WAC weitermacht wie in der 2. Liga, da hat er seine Tore geschossen. Und bei der Austria ist Deshishku der Nächste, der durchstarten wird.

… über Meistertrainer Didi Kühbauer

Die letzten Jahre in Österreich sprechen Bände, dass er mit Abstand der erfolgreichste Trainer ist. Mit dem WAC ist er Cupsieger und fast Meister geworden, mit dem LASK hat er das Double geholt. Mehr geht nicht. Er hätte sich einen Wechsel in eine Top-Liga verdient, aber man kann es nicht erzwingen.

Text: Horst Hötsch; Fotos: Sky/Christian Steinbrenner; GEPA pictures