14. Apr. 2026
Spendlhofer: „Wir haben uns knallhart die Meinung gesagt“
Der TSV Hartberg gilt als Underdog der Meistergruppe. Zwei Statistiken würden eher das Gegenteil nahelegen. Wie stark die Oststeirer wirklich sind, wie sie die späten Gegentore abgestellt haben und was sie sich gegen Rapid ausrechnen, verrrät Lukas Spendlhofer, der bei seiner Rückkehr in die ADMIRAL Bundesliga gleich zu ihrem besten Zweikämpfer avancierte.
Lukas, du spielst eine starke Saison, hast die besten Zweikampfwerte der ADMIRAL Bundesliga. Warst du überzeugt, dass es nach deiner Rückkehr gleich so gut für dich laufen würde?
Klar habe ich an mich geglaubt, weil ich weiß, was ich kann. Aber nach fünf Jahren im Ausland war ich schon ein wenig nervös und neugierig, weil sich die Liga doch verändert hat. Sturm und Salzburg waren in den letzten Jahren in der Champions League, da fragt man sich schon, ob es mit 32 Jahren gegen diese Mannschaften noch reichen wird. Gleichzeitig war es aber auch ein Ansporn, mich noch einmal zu beweisen.
Hast du Skepsis gespürt, weil du aus der 2. polnischen Liga gekommen bist?
Skepsis habe ich schon gespürt, auch aus dem eigenen Umfeld sind Fragen gekommen, ob ich sicher bin, dass ich das noch einmal machen will. Ich bin deshalb keinem böse, ich weiß, wie die 2. Liga Polens eingeschätzt wird. Aber ich habe mich damals bewusst für dieses Projekt entschieden, mit dem Ziel, den Aufstieg zu schaffen - den haben wir auch geschafft. Und so genau befassen sich die Leute dann auch nicht mit dem polnischen Fußball, sie glauben, der steht zwei Klassen unter uns, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Punkto Infrastruktur und finanziellen Mitteln müssen wir sogar aufholen.
Wie bist du ausgerechnet nach Hartberg gekommen?
Es war ein bisschen Glück und Zufall dabei. Ich habe meinem Berater schon gesagt, dass ich aus familiären Gründen für eine Rückkehr nach Österreich offen bin, aber wenn, dann im Raum Steiermark, sonst hätte ich gleich in Polen bleiben können. Dann hat sich bei Hartberg leider Paul Komposch verletzt und sie haben einen Innenverteidiger gesucht. Weil sie im Sommer auch viel Erfahrung abgegeben haben, hat es mit mir gut gepasst.
In der Meistergruppe ist der TSV Hartberg der Underdog. Dabei zeigt die Tabelle, dass ihr mit Salzburg die wenigsten Niederlagen habt, also am schwersten zu schlagen seid. Eine andere Statistik besagt, dass ihr sogar Tabellenführer wärt, wenn ein Spiel nur 75 Minuten dauern würde. Wo siehst du euch?
Das war uns schon bewusst, dass wir im Herbst in der Nachspielzeit viele Punkte liegen gelassen haben. Da haben wir im September und Oktober nacheinander gegen Altach, den LASK und auch noch gegen Sturm diese späten Tore bekommen. Aber das Gefühl, dass wir schwer zu schlagen sind, haben wir schon auch. Wir haben selbst gegen die Spitzenteams nie mit zwei Toren Unterschied verloren, waren immer knapp dabei. Wir sind zurecht in der Meistergruppe, das haben wir uns hart erarbeitet und auch verdient. Aber, so ehrlich müssen wir auch sein, die Siege gegen die Top-Teams fehlen uns. Die wollen wir in den sechs ausstehenden Spielen auch noch schaffen.
Wie habt ihr die späten Gegentore abgestellt?
Wir haben uns ehrlich und knallhart in der Kabine die Meinung gesagt. Wir haben angesprochen, dass es hinten raus nicht auf Taktik ankommt, sondern darauf, dass man auch dann noch den letzten Meter gehen muss, wenn man schon müde ist. Das war sicher nicht für jeden einfach, aber der Trainer hat jedem Spieler den Rücken gestärkt, dass jeder sagen konnte, was er denkt. Das war eine Sitzung und nach zwei, drei Tagen war das Thema abgehakt. Wir sind davon gestärkt herausgegangen und seither klappt es.
Ihr seid seit acht Auswärtsspielen ungeschlagen, kommt es euch entgegen, wenn der Gegner eher das Spiel macht?
Schwer zu sagen. Dass unser Rasen nicht so ist, wie wir ihn uns wünschen würden, war ohnehin schon Thema. Ich glaube, er ist schon ein Grund dafür, dass wir daheim eher eine defensivere Rolle einnehmen. Wir sind eine Mannschaft, die auch mit dem Ball am Fuß spielt, das gelingt uns auswärts auf besserem Rasen offenbar besser. Es ist ja nicht so, dass wir jede Mal 3.000 Auswärtsfans mit haben.

Ihr spielt jetzt zwei Mal gegen Rapid, die Hütteldorfer forcieren auch wieder einen spielerischen Ansatz. Liegt euch so ein Gegner?
Ich glaube es ist eher so, dass wir für jeden Gegner richtig schwer zu bespielen sind. Wir haben defensive Abläufe drin, die es allen Mannschaften schwer machen, wir verlangen jedem alles ab. Auf unsere schnellen Spitzen haben sich die Gegner im Frühjahr schon besser eingestellt, deshalb sind uns die Tore nicht mehr so leicht gefallen. Aber wir haben etwas umgestellt und in den letzten Spielen haben wir schon gesehen, dass wir wieder mehr Räume bekommen.
Was rechnet ihr euch gegen Rapid aus?
Wir müssen langsam einen Dreier einfahren, wenn wir unser Ziel erreichen und um einen internationalen Startplatz mitspielen wollen. Wir rechnen uns gegen Rapid etwas aus, weil wir in beiden Spielen gesehen haben, was möglich ist, wenn wir an unsere 100 Prozent gehen.
Ist dein Ex-Klub Sturm dein Meistertipp?

Die Schwoazn aus Graz oder die aus Linz. Wenn ich noch mehr Anwärter nenne, würde ich es mir zu leicht machen. Sturm und LASK spielen jetzt zwei Mal gegeneinander, ich glaube, da wird eine Vorentscheidung für einen der beiden fallen.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures