24. Juni 2026
Starke Impulse von der Bank: Die neuen (alten) Typen der Liga
Ein alter Bekannter, ein hierzulande komplett unbeschriebenes Blatt, ein international gestählter Fachmann – in der kommenden Saison der ADMIRAL Bundesliga werden drei neue Trainer auf den Bänken Platz nehmen. Wir stellen Danny Röhl (Red Bull Salzburg), Mario Despotovic (SV Oberbank Ried) und Markus Schopp (TSV Egger Glas Hartberg) vor. Drei unterschiedliche Lösungen, die alle auf ihre Art zum „perfect match“ werden sollen.
Danny Röhl (Red Bull Salzburg)
Wenn sich Salzburgs Sportchef Marcus Mann ohne Rücksicht auf Machbarkeiten einen Trainer hätte backen können – er hätte Danny Röhl wohl verdammt ähnlich geschaut. Der 37-jährige Deutsche hat Stallgeruch, ist mit der Grundphilosophie des Klubs vertraut, dazu jung, hungrig und detailverliebt. „Er hat bei großen Vereinen und mit großen Trainern zusammengearbeitet“, fasst Mann zusammen. Und spielt dabei auf Namen wie Ralf Rangnick, Hansi Flick oder Ralph Hasenhüttl an, die auf die Dienste Röhls schwörten. Und ihn ganz oft zu ihrer jeweils nächsten Station mitnahmen, was ja immer ein untrügliches Zeichen für Zufriedenheit ist.
Es gibt aber noch ein weiteres Asset, dass der in Zwickau geborene Röhl mitbringt: die Gier nach Titeln. Nach drei Jahren, in denen man der Konkurrenz aus Graz und Linz den Vortritt lassen musste, soll endlich wieder etwas Blechernes an die Salzach kommen. „Wir haben den Anspruch, Titel zu holen. Das ist unsere Ambition“, sagte Röhl bei seiner Antritts-PK. Zuletzt führte er die Glasgow Rangers in der schottischen Liga nach einem Fehlstart in die Saison auf Platz drei, davor holte er in 89 Spielen für Sheffield Wednesday (Championship) einen Punkteschnitt von 1,36. Der Unterschied zu diesen beiden Stationen, die seine ersten als Chef-Trainer waren: Er übernahm die Teams immer im Laufe der Saison und hat jetzt zum allerersten mal die Möglichkeit, eine Vorbereitung ganz nach seinen Wünschen zu absolvieren.
Und diese kann für die Mannschaft durchaus anstrengend werden. Und zwar nicht nur, weil der mutige, dynamische und laufintensive Fußball, für den Röhl steht, viel Kraft kostet. „Ich werde die Jungs sicher ein paar Mal im Training stressen und mit Übungen auch überfordern“, kündigt er an. Schließlich sind die Ziele hoch, und einen unambitionierten Trainer hätte sich Marcus Mann wohl kaum gebacken.
Markus Schopp (TSV Egger Glas Hartberg)
Wenn sich Hartbergs Geschäftsführer Erich Korherr ohne Rücksicht auf Machbarkeiten einen Trainer hätte backen können – er hätte Markus Schopp wohl verdammt ähnlich geschaut. Denn der 52-Jährige hat bereits in zwei Amtszeiten bewiesen, dass er den Klub versteht, entwickeln und vor allem auch erfolgreich sein kann. Er führte Hartberg zweimal in die Meisterrunde, ja sogar in die Qualifikation für den Europacup und hat Spieler wie Maximilian Entrup; Mamadou Sangare oder Ousmane Diakite geformt, die (teils) gewinnbringend verkauft werden konnten. „Markus war unser Wunschkandidat, er hat bereits über viereinhalb Jahre unsere Bundesliga-Erfolgsgeschichte entscheidend mitgestaltet und wir sind überzeugt, dass der eingeschlagene Weg mit jungen Spielern und vielen Österreichern gemeinsam mit ihm erfolgreich fortgesetzt werden kann“, sagt Korherr.
Aber auch umgekehrt profitierte Schopp, als aktiver Kicker Legionär bei Brescia oder HSV und mit 56 Länderspielen in der Vita, als Trainer von dem steirischen Klub. Hier startete er (von einer Interimslösung bei Sturm Graz abgesehen) 2018 seine Chef-Coach-Karriere, die ihn ins Ausland zum FC Barnsley und zum LASK führte. Er weiß genau um die begrenzten Möglichkeiten, mit denen der Verein zurechtkommen muss und stellt sich ihnen in seiner Doppelrolle als Trainer und Sportdirektor. Und er achtet darauf, dass der Klub eine Vision hat, wie er in der Zukunft bestehen will. „Ein Ziel muss es sein, Spieler zu entwickeln und an der Entwicklung des Spielers auch finanziell zu partizipieren. Da brauchen wir ein funktionierendes Modell“, sagte er schon vor zwei Jahren im Bundesliga-Journal. Heute klingt das so: „Der Vereine hat in den vergangenen Jahren vielen Spielern ein perfektes Umfeld geboten, um die nächsten Schritte in ihrer Karriere zu machen. Entscheidend für mich war, dass sich unsere Zugänge und Konzepte decken, nämlich in Zukunft vor allem mit heimischen Spielern und Talenten den Weg zum Erfolg zu finden.“
Für die Macher im Hintergrund, Erich Korherr und Präsidentin Brigitte Annerl, klingt das wie Musik in ihren Ohren.
Mario Despotovic (SV Oberbank Ried)
Wenn sich Rieds Sport-Vorstand Wolfgang Fiala ohne Rücksicht auf Machbarkeiten einen Trainer hätte backen können – er hätte Mario Despotovic wohl verdammt ähnlich geschaut. Denn gerade das Überraschende an der Lösung ist der Punkt, der die DNA der Innviertler ausmacht. „Der legendäre Paul Gludovatz hat bei uns erstmals eine Vereinsmannschaft trainiert, Klaus Roitinger startete seine Profi-Trainerkarriere bei der SV Ried. Und auch Vorgänger Max Senft war sicher keine alltägliche Lösung“, spielt Fiala darauf an, dass man keine Angst vor unkonventionellen Lösungen hat.
Und als solche kann man den Deutsch-Kroaten mit Fug und Recht bezeichnen. Er arbeitete bei Hajduk Split mit der U19 und der zweiten Mannschaft und war zuletzt fünfeinhalb Jahre beim ägyptischen Klub Wadi Degla als Sportdirektor tätig. Dort stieg er ab, nach drei Jahren wieder auf und belegte zuletzt Rang neun in der höchsten Liga. „Wir wollten einen Trainer, das das Bestehende, das uns auszeichnet, weiterführt, den Verein aber mit seiner Persönlichkeit auch weiterentwickelt, zum Beispiel in Sachen spielerische Akzente“, sagt Fiala. Das will der 41-jährige Deutsch-Kroate mit klaren Regeln und einer Kultur des Vertrauens erreichen. „Wir müssen jetzt eine Basis aufbauen, in der wir uns auch kritisch die Meinung sagen können, das ist mir sehr wichtig.“
Dass er ein unbeschriebenes Blatt ist, das durchaus auch skeptisch beäugt wird, ist ihm klar. „Das war zu Beginn in Ägypten nicht anders“, sagte er bei seiner Präsentation. „Ich will nicht groß über Vergangenes reden, sondern die Menschen mit meiner Arbeit für die Zukunft überzeugen. Dann werde ich nicht lange dieser Nobody sein.“ Die Zeit als Sportdirektor hat dabei seinen Blick auf den Trainerjob geschärft, denn: „Ich habe erlebt, dass Trainer oft im Tunnel sind und dabei den Blick fürs Wesentliche verlieren können. Ich habe jetzt ein viel klareres Bild davon, wie man junge Spieler erfolgreich entwickelt.“
Das wird auch vonnöten sein, um auch im zweiten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit das vorgegebene Ziel Klassenerhalt zu erreichen. Dann wären sie auch in Ried mit ihrer unkonventionellen Backmischung sehr zufrieden.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures