03. März 2026
Tobias Kainz und der Hartberger Triple-Traum
Seit 2018 hält Tobias Kainz die Knochen für die TSV Egger Glas Hartberg hin. Am Sonntag (17 Uhr, live auf Sky) hat der 33-Jährige die große Chance, nach 2019 und 2024 zum dritten Mal in die Meistergruppe der ADMIRAL Bundesliga einzuziehen. Ein Punkt gegen Tabellenschlusslicht Blau-Weiß Linz würde schon reichen, um den Triple-Traum fix wahrwerden zu lassen. Wir werfen mit der Arbeitsbiene zwei Blicke zurück und einen nach vorn, um die Chancen auf die Top 6 auszuloten.
2018/19: „Die beste Saison unserer Geschichte“

Was für ein Turnaround! In der Saison 2017/18 wäre der TSV Hartberg als Aufsteiger fast gleich wieder abgestiegen, man musste bis zur letzten Runde zittern. „Doch dann wurden ein paar kluge Entscheidungen getroffen, und wir konnten so richtig durchstarten“, erinnert sich Tobias Kainz. Angeführt von Erfolgstrainer Markus Schopp in seiner ersten Hartberger Ära und getragen von insgesamt 17 Toren eines Dario Tadic stand man bereits nach 21 Runden als Teilnehmer an der Meistergruppe fest. „Kurioserweise haben wir es nach einer heftigen 1:5-Klatsche in Pasching gegen den LASK geschafft, weil unser Konkurrent Austria Wien gegen St. Pölten nur Unentschieden gespielt hat“, erinnert sich Kainz. „Ohne einen überragenden Goalgetter kannst du als Mannschaft nicht erfolgreich sein. Damals war es Dario Tadic, diese Saison ist es Elias Havel, der uns mit wichtigen Toren immer wieder hilft.“
Auch in der Meistergruppe selbst konnten die Hartberger ihre Form halten, nach Siegen (unter anderem) über Rapid, LASK und Sturm Graz war man am Ende Fünfter. Und schaffte es über das Play-off gegen Austria Wien sogar in den Europacup. „Deswegen war das aus meiner Sicht die bisher erfolgreichste Saison in der Geschichte des Vereins.“
2023/24: „Zunächst war es eine Enttäuschung“
Und somit höher zu bewerten als die Spielzeit vier Jahre später, als man in genau diesem Play-off – Gegner war wieder die Austria – scheiterte. „Wir kamen ja von oben, die Austria von unten. Deswegen hatten wir schon den Anspruch an uns selbst, es wieder in die Europacup-Quali zu schaffen“, erinnert sich Kainz. „Am Anfang überwog deswegen auch die Enttäuschung. Der Stolz über eine tolle Saison kam erst später dazu.“
Dass die Ansprüche so hoch gewachsen waren, lag an einem bärenstarken Grunddurchgang, bei dem es zwischendurch eine Serie von sechs Siegen in neun Spielen gab. Und trotzdem musste man, wie auch in diesem Jahr, bis zur letzten Sekunde um den Einzug in die Top 6 zittern. Gegen Sturm Graz musste am Ende mindestens ein Remis her, Donis Avdijaj erzielte den Treffer zum 1:1-Endstand in der 70. Minute. „Dementsprechend groß war die Freude, dass wir es geschafft haben. Für einen Klub wie Hartberg kann es nicht zur Selbstverständlichkeit werden, immer oben dabei zu sein.“
Auch bei diesem zweiten Gastspiel konnte man „oben“ mithalten, in der letzten Runde gelang ein 3:0-Auswärtssieg bei Rapid. „Das Bittere war, dass uns der nichts nütze, da wir zwar punktegleich mit Rapid waren, die aber das Sternchen hatten.“ Also den Vorzug, bei Punktegleichheit vorgereiht zu werden, da man bei der Punkteteilung abgerundet wurde. Weswegen die Hütteldorfer Vierter und Hartberg Fünfter und somit zum enttäuschten Play-off-Teilnehmer wurde.
2025/26: „Nicht verrückt machen lassen und Hausaufgaben erledigen“

Und in dieser Saison? Auf dem Papier ist die Ausgangslage günstig, es heuer zum dritten Mal in die Meistergruppe zu schaffen. Bereits ein Zähler gegen Tabellenschlusslicht Blau-Weiß Linz würde im Heimspiel genügen. Droht da für eine Mannschaft, die von den letzten 13 Spielen nur ein einziges verloren hat (0:1 gegen Sturm), gar die Gefahr, die Aufgabe zu unterschätzen? „Ganz bestimmt nicht“, wischt Kainz jegliche Bedenken vom Tisch. „Wir sind schwer in die Saison gestartet und haben nach der 2:4-Niederlage bei der WSG Tirol gesagt: Wenn wir nicht gegen jeden Gegner immer alles abrufen, wird es schwer. Das haben wir beherzigt. Wenn wir uns jetzt nicht verrückt machen lassen und unsere Hausaufgaben erledigen, werden wir es schaffen.“
Wie gefestigt die Mannschaft von Trainer-Haudegen Manfred Schmid mittlerweile ist, hat auch das Remis bei Spitzenreiter Red Bull Salzburg am vergangenen Sonntag gezeigt. „Wir standen defensiv extrem stabil und hätten vorne sogar noch einen Nadelstich setzen können, die Chancen waren da. Wobei wir auch wissen, dass es offensiv einer Steigerung bedarf, um erfolgreich zu sein.“
Und wer so lange in den Top 6 steht wie die Hartberger, verspürt nicht die geringste Lust, sich kurz vor Toreschluss noch die Butter vom Brot nehmen zu lassen. „Dieses Selbstvertrauen haben wir mittlerweile, deswegen sind wir auch jetzt noch mittendrin statt nur dabei. Das haben wir uns verdient.“
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures