16. Juli 2026
Trainer-Sohn Konstantin Schopp: „Von außen merkt das keiner“
Es gab die Gregoritschs in Hartberg. Oder die Fodas bei Sturm Graz. Die Steiermark scheint jedenfalls ein guter Boden für außergewöhnliche Vater-Sohn-Konstellationen zu sein. In der kommenden Saison wird diesbezüglich ein neues Kapitel geschrieben, wenn Konstantin Schopp beim TSV Egger Glas Hartberg von seinem Papa Markus trainiert. Wir sprachen mit dem 20-jährigen Innenverteidiger aber nicht nur über die Vater-Sohn-Saga, sondern auch über Ziele und Ambitionen des Leihspielers von Mainz 05.
Du wurdest im abgelaufenen Frühjahr schon von Mainz 05 an den TSV Egger Glas Hartberg verliehen, die Leihe wurde jetzt für die kommende Saison verlängert. Wer war die treibende Kraft hinter dieser Idee?
Es kam zu der Entscheidung, dass es für mich am schlauesten ist, wenn ich noch ein Jahr auf hohem Niveau Spielpraxis sammele, um mich gut zu entwickeln. Die Mainzer sind nach wie vor sehr überzeugt von mir und wollen mit mir auch für die Saison danach planen. Als Mainz mich geholt hat, wurde mir dort eine klare Perspektive aufgezeigt. Natürlich gibt es dort auf der Innenverteidiger-Position ein paar namhafte Spieler, aber ich habe schon die Qualität, mich dort durchzusetzen. Dazu gehört harte Arbeit und dass ich mich in der kommenden Saison in Hartberg durchsetze.
Zum Zeitpunkt der Entscheidung war klar, dass dein Vater Markus neuer alter Trainer in Hartberg wird. Auf welcher Seite der Pro- und Contra-Liste stand dieses Argument?
Natürlich habe ich mir gut überlegt, wohin ich mich verleihen lassen soll. Dabei habe ich auch mit meinem Papa geredet. Ich finde, wir können beide Berufliches und Privates sehr gut voneinander trennen. Und wie es bis jetzt läuft, habe ich nicht das Gefühl, dass es komisch ist im Training. Und ich glaube auch nicht, dass die anderen Jungs das so sehen. Man sieht ja bei Atletico Madrid, dass es funktionieren kann, auch wenn es ein anderes Level ist (Anm.: dort wird Giuliano Simeone von seinem Vater Diego trainiert).
Gab es trotzdem am Anfang Bedenken?
Klar dachte ich mir vorher, dass es ungewohnt oder merkwürdig sein kann. Ist es aber gar nicht. Ich denke, ich kann der Mannschaft helfen, egal wer auf der Trainerbank sitzt. Wenn ich nicht gut trainiere oder spiele, wird der Trainer einen anderen aufstellen, da habe ich überhaupt keine Bedenken.
Ist Markus zu dir besonders streng, besonders zurückhaltend oder wirklich ganz genau wie zu jedem anderen Kaderspieler?
Ich würde sagen genauso wie zu jedem anderen. (lacht) Wenn ich etwas nicht so umsetze, wie er es sich vorstellt, schreit er mich jedenfalls genauso an. Ein Außenstehender, der bei unserem Training zuschaut, würde wohl nicht erkennen, dass ich der Sohn des Trainers bin.
Wie nennst du ihn auf dem Trainingsplatz?
(lacht) Da bin ich mir tatsächlich noch nicht so ganz sicher. Meistens sage ich Trainer oder Coach.
Dein Leihvertrag geht über die ganze Saison, dein Vertrag in Mainz läuft noch bis 2029. Verspürst du vor dieser Saison einen besonderen Druck, dass du liefern musst?
Ich mache mir da so wenige Gedanken wie möglich. Klar, neutral betrachtet wäre es schon gut, wenn ich auf so viel Spielzeit wie möglich komme und gute Leistungen bringe. Wenn ich jetzt wenig oder schlecht spiele, wird sich Mainz denken: Da wird der Sprung in die deutsche Bundesliga schwer. Deswegen ist sicher ein gewisser Druck da. Ich vertraue aber auf mich und meine Qualitäten und auch auf die Mannschaft und das Trainerteam. Wenn die Saison positiv verläuft, bin ich guter Dinge, dass ich nächstes Jahr in Mainz andocken kann.
Wie eng ist der Austausch zwischen einem Leihspieler und seinem Stammverein?
Es gibt schon ein paar Leute in Mainz, die sich um die Leihspieler kümmern. Die reden aber nicht nur mit mir, sondern auch mit meinem Berater. Sie erkundigen sich, wie es bei mir läuft und schauen sich auch gewisse Spiele an. Da sind sie schon dahinter.
Das Frühjahr verlief für dich turbulent, Rot gegen die Austria, aberkanntes Tor gegen Salzburg, zwischendurch ausgefallen wegen Krankheit.
Ja, es war ein bisserl wie in der Achterbahn. So komisch es klingt, aber bis zu der blöden Szene beim Platzverweis habe ich gegen die Austria ein gutes Spiel gemacht. Der Platzverweis hat mich dann schon bedrückt, aber was mich aufgemuntert hat, war ein Anruf von U21-Nationaltrainer Peter Perchtold, der mich für die März-Länderspiele einberufen hat. Das gab mir einen Selbstvertrauen-Boost. Danach habe ich jedes Spiel für Hartberg absolviert, wenn ich nicht krank war.
In Hartberg gab es wie so oft einen Umbruch, der Klub gehört aber zu den Teams, die man für die Meisterrunde immer auf dem Zettel haben sollte. Wie lautet eure Zielsetzung für die kommende Saison?
Als kleiner Verein ist es immer das erste Ziel, in der Liga zu bleiben. Aber wie sich der Klub entwickelt und in den letzten Jahren performt hat, kann man die Meistergruppe schon als Ziel hernehmen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Klub unter diesem Trainer einen Fußball spielt, der gerade bei kleineren Vereinen in Österreich so nicht gezeigt wird. Mit dieser Spielidee und dem Willen, den Hartberg immer auszeichnet, können wir die großen Teams ärgern und die Top 6 anstreben.
Text: Markus Geisler
Fotos: GEPA pictures