11. Aug. 2026
WAC-Torjäger Giacomo Vrioni: „Mein Vorbild war Christian Vieri"
Nach vier Jahren kehrte Giacomo Vrioni in die ADMIRAL Bundesliga zurück und steht nach zwei Einsätzen für den WAC wieder dort, wo er damals die WSG Tirol verlassen hat – an der Spitze der Torschützenliste. Wo der 27-Jährige seine Torjäger-Trophäe aufbewahrt, was er bei Juventus gelernt hat und was er mit den Lavanttalern vor hat, erzählt er im Interview mit bundesliga.at.
Giacomo, du bist zurück in der ADMIRAL Bundesliga und gleich wieder da, wo du sie verlassen hast – an der Spitze der Torjägerliste.
Das macht mich sehr happy, aber ganz ehrlich, noch glücklicher macht mich die Leistung des Teams gegen so starke Gegner. Das ist vor allem nach der letzten Saison wichtig. Ich habe den WAC in der vergangenen Saison ja auch schon verfolgt, nachdem Silbi (Thomas Silberberger; Anm.) übernommen hat - er hat da schon für einen Umschwung gesorgt.
Die Statistik verrät, dass du zwar ein sicherer Elferschütze bist, aber schon lange keinen mehr geschossen hattest, bevor du gegen die Austria gleich zwei verwandelt hast. Bist du ein Elferspezialist?

Ich weiß nicht, ob ich mich so bezeichnen würde, aber als Stürmer musst du alle Gelegenheiten nützen. Deshalb ist man immer dabei, die Details zu trainieren - auch das Elferschießen. Bei New England Revolution, meinem ersten Klub In der MLS, war es so, dass Kapitän Carles Gil der erste Elferschütze war. Aber im League Cup habe ich doch drei Penalties verwandelt - allerdings im Elferschießen, die wahrscheinlich nicht in der Statistik auftauchen.
Am Sonntag hast du erstmals gegen Salzburg getroffen, sind die Bullen noch vergleichbar mit der Mannschaft von vor fünf Jahren?
Was für eine Mannschaft Salzburg damals war! Sie sind dabei, dort wieder hinzukommen. Aber Salzburg ist immer noch Salzburg. Immer voller Talente und großartiger Spieler. Und Salzburg ist auch ein internationales Aushängeschild für Österreich.
Du warst 2021/22 gemeinsam mit Karim Adeyemi Torschützenkönig der ADMIRAL Bundesliga. Er spielt jetzt bei Barcelona, wie sehr hat dir dieser Titel geholfen?
Der hat natürlich geholfen, den nächsten Schritt zu machen. Es war nicht Barcelona, aber ich habe die Zeit in den USA genossen, der Fußball in den USA wächst von Jahr zu Jahr und ist wirklich top. Ich hatte eine gute Zeit bei New England Revolution, auch in Montreal hatte ich mit vier Toren in zehn Spielen einen guten Start, aber dann habe ich mir den Ellenbogen gebrochen und bin lange ausgefallen. Trotzdem wird Montreal immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben, weil da unser kleiner Sohn geboren wurde.
Wir groß ist der Anteil von Thomas Silberberger, dass du nach Österreich zurückgekehrt bist?

Ich habe bei Cesena in der Serie B, aus welchen Gründen auch immer, nicht viel gespielt da hat der WAC Kontakt aufgenommen. Das Verhältnis zu Silbi ist mehr als das zwischen einem Spieler und einem Trainer. Er behandelt mich fast wie einen Sohn. Wir haben großen Respekt vor einander. Er ist ein unglaublicher Trainer und Mensch.
Macht deine Torjäger-Trophäe jeden Umzug mit?
Nein, das nicht. Die ist jetzt bei mir zu Hause in Italien, zusammen mit all den Trikots, die ich getauscht habe und auch dem Hattrick-Ball für die drei Tore, die ich für die WSG gegen den LASK geschossen habe.
Die Experten tippen auf Haris Tabakovic als nächsten Torschützenkönig, rechnest du dir auch wieder Chancen aus?
Die Einschätzung der Experten kommt nicht von ungefähr, er ist ein sehr guter Stürmer, ich wünsche ihm alles Gute. Bei mir kommt immer zuerst das Team, nur wenn das funktioniert, kannst du dein eigenes Potenzial ausschöpfen und auch individuell etwas erreichen. Das gilt für alle Spieler, aber das Wichtigste ist, die Spiele zu gewinnen.
Welche Ziele habt ihr euch für die Saison gesetzt?
Das erste große Ziel muss in diesem Liga-Format das Erreichen der Top 6 sein. Aber auch der Cup ist ein Ziel. Gerade für den WAC, der erst 2025 Cupsieger war. Wir haben eine gute Mischung im Team und arbeiten hart, um erfolgreich zu sein.
Du hast zweimal für Juventus in der Serie A gespielt, hast mit Weltmeistern, Champions-League-Siegern und Superstars wie Cristiano Ronaldo gespielt. Welchen Einfluss hatte das auf dich?
Das war eine unglaubliche Erfahrung und ich bin stolz, ein kleiner Teil dieser historischen Mannschaft gewesen zu sein. Mit diesen Leuten zu trainieren und spielen, hat alles für mich verändert – meinen Lifestyle, wie ich trainiere, mich als Spieler, alles.
Warst du immer schon Mittelstürmer und wie war es mit Cristiano Ronaldo?
Ich habe als linker Verteidiger angefangen, war dann Rechtsaußen und bin dann erst zum Mittelstürmer geworden. Aber Tore schießen war immer meine Leidenschaft. Mein Idol war aber Christian Vieri. Schuld war wahrscheinlich mein Onkel, der ein großer Inter-Fan ist und mir immer von den großen Inter-Stürmern vorgeschwärmt hat. Cristiano ist derselbe, den man aus dem Fernseher kennt und auf dem Spielfeld sieht. Er will einfach jeden Tag, in jedem Training der Beste sein.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures