Der Bundesliga-Legendenklub

5. Dezember 2019

Die Österreichische Fußball-Bundesliga präsentierte im Juni 2019 ihren Legendenklub. 53 verdienstvolle Spieler und zwei Trainer gehören dieser exklusiven Auswahl an.
 
Zu runden Jubiläen lassen viele Klubs Fans oder Experten ein Team des Jahrhunderts oder die besten Spieler der jeweiligen Dekade wählen. Unabhängig von diesen punktuellen Ehrungen haben vier Bundesliga-Klubs und der ÖFB bereits Legendenklubs ins Leben gerufen, um verdiente Spieler und Trainer zu würdigen und auch nach ihrem Karriereende an den Klub zu binden. Aber was genau macht eigentlich eine Legende aus? Einem Klub jahrelang die Treue zu halten? Einen großen Titel zu gewinnen? Ein entscheidendes Tor zu schießen? Der erste Teamspieler seines Klubs zu sein? Die Aufnahmekriterien sehen durchaus unterschiedlich aus.

DIE LEGENDEN DER KLUBS

Der SK Rapid war am frühesten dran. Ausgehend von einer Initiative des langjährigen Rapid-Tormanns Herbert Feurer präsentierten die Hütteldorfer im Dezember 2007 ihren Legendenklub. 100 Meisterschaftsspiele, eine besondere Karriere in Grün-Weiß oder ein Meistertitel als Trainer sind die Aufnahmekriterien in Wien-Hütteldorf, wo es bei Heimspielen einen eigenen Zuschauerbereich für die Mitglieder dieses ehrwürdigen Klubs gibt. Ein eigener Klub und die dazugehörige Räumlichkeit bei Heimspielen wurde im Jahr 2012 auch bei der Wiener Austria eröffnet. Drei Titel mit den Veilchen, im betreffenden Bewerb auch zum Einsatz gekommen zu sein und zumindest 100 Pflichtspiele sind die Kritieren, um Einzug in die violett-weiße Hall of fame zu finden. Ein Jahr später wurde der TIROLER Legendenclub von Wacker Innsbruck ins Leben gerufen. Alle Spieler, die über 100 Spiele für die Innsbrucker absolviert haben und dabei zumindest zwei Titel geholt haben, können es sich in einem eigenen Bereich im VIP-Club gemütlich machen. Der SK Sturm Graz präsentierte seinen Legendenklub, der zu Heimspielen und besonderen Veranstaltungen eingeladen wird, im Jahr 2017. Mindestens 150 Bewerbsspiele für die Kampfmannschaft oder die Mitgliedschaft in der Sturmjahrhundertelf sind die Aufnahmekriterien. Darüber hinaus können Spieler auch für besondere Verdienste um den Verein aufgenommen werden, Beispiele dafür sind einige Spieler aus der Vorkriegszeit oder der erste Nationalspieler des Klubs. Trainer, die die „Schwoazen“ für mindestens 150 Bewerbsspiele geocoacht haben, wurden ebenso in den Legendenklub aufgenommen wie Jahrhunderttrainer Ivica Osim oder Trainer mit besonderen Verdiensten um den Klub. Eine besondere Ehre wurde Jürgen Säumel zuteil, der aufgrund seiner Wahl in die Sturm-Jahrhundertelf noch zu seiner aktiven Spielerzeit offiziell Sturm-Legende wurde.
 

DIE LEGENDEN DES ÖFB

Im Herbst 2018 präsentierte auch der ÖFB seinen Legendenklub, um Frauen als auch Männer zu würdigen, die außergewöhnliche Leistungen im rot-weiß-roten Trikot, auf der Betreuerbank für das österreichische Nationalteam oder als Schiedsrichter und -Assistenten erbracht haben. Nicht mehr aktive Spielerinnen, Spieler und Teamchefs mit mehr als 50 Einsätzen im Nationalteam sind mit dabei. Zudem kann der ÖFB weitere Persönlichkeiten für ihre Verdienste um den österreichischen Fußball in den Legendenklub berufen. Die Mitglieder werden zu Länderspielen und anderen Veranstaltungen eingeladen.

 

DIE LEGENDEN DER LIGA

Mit der 70-Jahre-Spezialausgabe des Bundesliga-Journals präsentierte auch die Österreichische Fußball-Bundesliga ihren Legendenklub. Und das ist einer der besonderen Art – schließlich spielt kein Spieler für die Bundesliga an sich und die Akteure wechseln heute öfter als in früheren Zeiten den Klub. Deshalb hat man sich entschieden, die Legenden der Liga auf Basis von drei Kriterien zu ehren, unabhängig davon für welchen Klub sie diese erfüllt haben.
 
Eines der folgenden Kriterien muss erfüllt sein, um in den Bundesliga-Legendenklub aufgenommen zu werden:
- Mindestens 400 absolvierte Spiele.
- Mindestens 100 erzielte Tore.
- Mindestens 7 Meistertitel, wobei man auch zum Einsatz gekommen sein muss.
 
Gezählt werden dabei ausschließlich Spiele, Tore und Meistertitel in der höchsten Spielklasse ab 1974. Aktive Spieler und Trainer können aufgenommen werden, die Mitglieder werden ab der kommenden Saison zu unterschiedlichen Bundesliga-Veranstaltungen eingeladen und im Eingangsbereich der Bundesliga-Geschäftsstelle auf einer eigens kreierten „Wall of fame“ präsentiert.
 

VIELE WEGE FÜHREN IN DEN KLUB

Diese drei Kriterien stellen sicher, dass man über unterschiedliche Wege in den Klub kommen kann. Man kann den Großteil seiner Karriere in der heimischen Liga verbringen, der Liga mit vielen Toren seinen Stempel aufdrücken oder mit einem oder mehrere Klubs besonders erfolgreich sein. Welcher Weg gewählt wird, ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich, Erich Obermayr absolvierte seine 483 Spiele ausschließlich für die Wiener Austria, während Roman Wallner seine 112 Tore für sieben unterschiedliche Klubs erzielte. Rekordspieler Heribert Weber sammelte seine 573 Einsätze in 20 Saisonen, während Jonatan Soriano nur fünf Saisonen brauchte, um sich mit 120 Treffern in den Legendenklub zu bomben. Die meisten Titel haben Andreas Ulmer und Christoph Leitgeb geholt, sie konnten zu jeweils neun Meistertiteln beitragen. Ulmer kam bei einem weiteren mit Austria Wien nicht zum Einsatz. Besonders knapp vorbeigeschrammt am Bundesliga-Legendenklub ist übrigens Felix Gasselich. Er absolvierte 397 Spiele, erzielte 97 Tore und holte fünf Meistertitel. Der Edelzangler der Veilchen wird uns aber hoffentlich nicht böse sein, immerhin hat er sich seinen Legendenstatus ohnehin doppelt gesichert: Gasselich ist Präsident des Austria-Legendenklubs und Torschütze des Jahrhunderttreffers der Veilchen.

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